Schwerverkehr

23. Februar 2011 15:18; Akt: 23.02.2011 15:27 Print

Bis 2020 fehlen laut Astag 25 000 Chauffeure

Astag fürchtet um den Nachwuchs bei den Lastwagenchauffeuren: Weil die Branche «überreglementiert» sei, habe die Schweiz in zehn Jahren bis zu 25 000 Chauffeure zu wenig. Der Bund müsse handeln.

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Der Bedarf an Chauffeuren werde stark steigen, deshalb komme es schon bald zu Engpässen, so der Astag. (Bild: Keystone)

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Eigentlich hatte Astag-Zentralpräsident Adrian Amstutz (SVP) am Mittwoch in Bern eine positive Nachricht zu verkünden: Die Transportbranche findet wieder mehr Lehrlinge. Gegenwärtig befinden sich 640 junge Chauffeure und Chauffeusen in der Ausbildung, das sind drei Prozent mehr als 2010.

Für den Astag ist dies jedoch viel zu wenig. «Wir haben Not am Mann», sagte Amstutz vor den Medien. Das Interesse am Transportberuf sei zwar wieder gestiegen, aber viel zu wenig, um den steigenden Bedarf an Chauffeuren zu decken.

Dieser Bedarf hat laut Astag zwei Gründe: Einerseits werden in den kommenden Jahren zahlreiche altgediente Chauffeure pensioniert. Andererseits rechnet der Astag damit, dass der Güterverkehr auf der Strasse massiv ansteigen wird.

Neueste Berechnungen für Westeuropa würden eine Steigerung von 25 Prozent bis zum Jahr 2025 ausweisen, auch für die Schweiz, sagte Amstutz. Weil niemand grössere Lastwagen wolle - «auch der Astag nicht» - seien künftig mehr Chauffeure nötig.

«Gewisse Kreise» verteufeln die Branche

In der Schweiz haben rund 70 000 Personen den Ausweis für schwere Nutzfahrzeuge. Etwa 50 000 davon sind aktiv als Chauffeure unterwegs - für den Astag etwa 15 000 bis 25 000 Fahrer zu wenig, um der künftigen Nachfrage gerecht zu werden.

Dass sich nicht mehr Junge für diese Branche entscheiden, hat für den Verband mehrere Gründe. Der Chauffeurberuf sei zwar «trendy und verkörpert Freiheit», habe aber einen schlechten Ruf.

«Gewisse Kreise» würden den Strassentransport aus ideologischen Gründen immer noch verteufeln, sagte Astag-Direktor Michael Gehrken. Wer lerne schon gerne einen Beruf, für den er sich bei den Kollegen rechtfertigen müsse.

Abschreckend seien auch die Auflagen und Vorschriften, die der Bund der Branche auferlege. Diese würden nicht wenige Chauffeure dazu bringen, ihren Beruf nach wenigen Jahren wieder aufzugeben.

Amstutz: «Bauernhöfe haben keinen Bahnanschluss»

Der Astag fordert deshalb vom Bund, die Vorschriften generell zu lockern und die Hürden für den Berufseinstieg zu senken. Dazu gehört etwa, eine zweijährige Attestlehre zu genehmigen, die sich an Jugendliche richtet, welche die dreijährige Lehre nicht schaffen würden.

Ohne bessere Rahmenbedingungen läuft für den Astag aber nichts. Man brauche jetzt eine rasche Engpassbeseitigung auf den Nationalstrassen, sagte Amstutz. Chauffeure seien nicht dazu da, im Stau zu stehen, sondern um Aufträge termingerecht erledigen zu können.

Dass die Güter künftig mehrheitlich per Bahn transportiert werden, ist für den Astag nicht realistisch. Niemand könne behaupten, man brauche keine Lastwagen, sagte Amstutz. Bauernhöfe hätten nun einmal keinen Bahnanschluss, und auch das Solarpanel müsse schliesslich irgendwie zum Hausdach gebracht werden.

(sda)