Apéro-Marathon

08. Mai 2013 09:11; Akt: 08.05.2013 11:16 Print

Blaue Politiker sollen Alktests machen

von J. Pfister - Parlamentarier trinken gerne mal einen über den Durst. Dass nun im Bundeshaus-Restaurant Alktests aufliegen, begrüssen die Politiker - nicht aber der Suchtexperte.

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Im Restaurant Galerie des Alpes im Bundeshaus liegen neu Alkoholtests auf. (Bild: key/zvg)

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Ganz unauffällig in einem Einmachglas stehen sie im Bundeshaus-Restaurant Galerie des Alpes auf dem Bartresen: Einweg-Alkoholtests. «Gastro Bern hat uns die Tests zur Verfügung gestellt und wir wollten diese als zusätzlichen Service unseren Gästen anbieten», sagt Geschäftsführerin Christa Baumann. Die Gäste, das sind fast ausschliesslich Parlamentarier. Wie eine Mitarbeiterin gegenüber «Le matin» erklärt, würden die Säckchen für 3.50 Franken gut ankommen. Allerdings sei meist die Neugierde und nicht der erhöhte Promille-Gehalt der Grund, weshalb Politiker den Test kaufen.

SVP-Nationalrat Lukas Reimann bestätigt, dass die Alkohol-Selbsttester bei Politikern ein Gesprächsthema sind. Und einige haben diese wohl auch nötig. «Es gibt Politiker, bei denen ich das Gefühl habe, sie trinken zu viel», sagt Reimann. Gerade bei den Romands sei ein Glas Wein schon am Vormittag nicht unüblich. «Sie sagen dann immer, das gehöre zu ihrer Kultur.» Natürlich sei es auch so, dass gerade während der Sessionen ein Apéro den anderen jage. «Es sind oft mehrere Anlässe pro Tag und an allen wird Alkohol ausgeschenkt – zum Teil schon um 9 Uhr», sagt Reimann, der grundsätzlich nur am Feierabend zu einem Bier oder einem Glas Wein greift.

«Gibt Politiker mit Alkoholproblem»

Dass Politiker häufig übermässig Alkohol konsumieren, stellt Yvonne Gilli von den Grünen fest. «Es gibt sicher Politiker, die ein Alkoholproblem haben.» Alkohol sei bei Kaderleuten unter Stress eine beliebte Droge, weiss die Ärztin. Und der Fakt, dass diese legal und während des Ratsbetriebs auch häufig verfügbar sei, mache es für Politiker nicht einfacher. Sie begrüsst deshalb die Möglichkeit, im Bundeshaus einen Alkoholtest zu machen.

Auch CVP-Nationalrätin Ruth Humbel steht den Tests positiv gegenüber: «Für bestimmte Leute ist es sicher gut zu sehen, wie viel sie wirklich konsumiert haben.» Sturzbetrunkene Politiker habe sie - zumindest im Bundeshaus-Restaurant - aber noch nicht gesehen.

«Politiker sind eine Risikogruppe»

Als «völlig kontraproduktiv» bezeichnet hingegen Mike Neeser, Suchtfachexperte beim Blauen Kreuz, die Alkoholtests. «Sie bergen die Gefahr, dass sich die Leute wie in einem Wettbewerb an die Promillegrenze herantrinken.» Für Neeser ist klar, dass Politiker zu einer Risikogruppe gehören, was Alkohol angeht. «Es ist ein Kontaktberuf, in welchem das soziale Netzwerken an Anlässen sehr wichtig ist. Da gehört Alkohol leider häufig dazu.»

Er rät den Politikern zu einem Selbsttest. «Sie sollen vier bis sechs Wochen ganz auf Alkohol verzichten, um zu schauen, ob sie das problemlos können.» Falls nicht, sollten sie Hilfe suchen.


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Youtube/Nils Exner

Detlef Kleinert (FDP) betrunken im Bundestag

Youtube/ChickenEnemy

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris von Swiss am 08.05.2013 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Trinken & Blödsinn bestimmen

    "Sturzbetrunkene Politiker habe sie - zumindest im Bundeshaus-Restaurant - aber noch nicht gesehen." AHA! Aber ausserhalb des Bundeshaus-Restaurants in dem Moment schon. Während der Arbeitszeit trinken, sich also dafür bezahlen lassen und angesäuselt / betrunken über irgendwelche Initiativen und Vorstösse abstimmen ... super Sache. Wo kann ich mich melden? - Kein Wunder kommt dabei so ein Blödsinn raus!

  • Verdunklungsgefahr am 08.05.2013 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Die Blauen!

    Die Blauen sind die einzige Partei die ich wählen würde! Bei denen wäre es Pflicht betrunken zur Arbeit zu erscheinen. In der schweizer Politik geht sowieso nichts voran, dann sollten die Politiker wenigstens einen Unterhaltungswert an den Tag legen.

  • James S. Whitefield am 08.05.2013 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt!?

    «Sie bergen die Gefahr, dass sich die Leute wie in einem Wettbewerb an die Promillegrenze herantrinken.» Bei Jugendlichen/jungen Erwachsenen (bin selbst 23) kann ich so eine Befürchtung verstehen, aber wenn ernsthaft die Gefahr besteht, dass unsere Politiker einen Wettbewerb aus dem Alkoholkonsum machen, sollte man die sofort alle absetzen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DinChef am 10.05.2013 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    kein Alk während der Arbeit

    Politiker bauen die Schweiz. Und auf Baustellen herrscht heutzutage null Promille. Da hinlänglich bekannt ist, dass Alkohol die Wahrnehmung und die Entscheidungsfindung und Urteilsfähigkeit verzerrt und gleichgültig macht, sind angesäuselte oder angetrunkene Politiker eine Gefahr für die Geschicke unseres Landes. Also: Nulltoleranz ist angesagt. Mal sehen, wie viele Politiker sich gar nicht mehr zur Wahl stellen, weil sie nicht mehr während der Arbeitszeit saufen können. ;-)

  • James am 09.05.2013 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Mit diesem wegwerf-Farbtest sieht man eben genau gar nicht, wieviel man über den Durst getrunken hat. Lerneffekt = Null.

  • Jacqueline am 08.05.2013 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtstaatlich

    Sie dürfen das, das sind ja Nationalrätinnen und Nationalräte.

  • Bruno am 08.05.2013 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker auch testen

    Da es ja die Politiker sind, die dem Volk den Alkohol verteuern und am liebsten verbieten würden, sollten diese vor allem beim Autofahren nach Promille überprüft werden. Für Politiker soll dasselbe gelten, wie das, was sie für das Volk bestimmen

  • Arbeitnehmen am 08.05.2013 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Anspruchsvol?

    Mein Job ist nicht so anspruchsvoll wie der eines Bankers oder Politikers und trotzdem herscht Nulltoleranz am Arbeitsplatz. Die rechtfertigen ihre hohen Saläre ja immer mit "Mein Job bringt Verantwortung mit sich, da ist der hohe Lohn gerechtfertigt". Und dann erfährt man plötzlich, dass die Jobs scheinbar gar nicht so anspruchsvoll und mit Verantwortung verbunden sind, da man sie scheinbar auch besoffen und zugekokst erledigen kann? Aber jetzt kennen wir wenigstens den Grund weshalb in Politik und Finanzwesen so vieles schief läuft! ;-) Und an Apéros gibts immer auch O-Saft und Wasser!