Wahljahr 2011

23. März 2011 09:23; Akt: 23.03.2011 09:41 Print

Blocher bringt sich in Position

von Ronny Nicolussi, Bern - Keine zwei Wochen vor den Wahlen in Zürich hat Blocher seinen persönlichen Wahlkampf begonnen. Ob er im Herbst kandidiert, lässt er weiter offen.

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Alt Bundesrat Christoph Blocher im Gespräch mit Bundeshausjournalisten. (Bild: rn)

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Seit seiner Abwahl aus dem Bundesrat hat SVP-Parteistratege Christoph Blocher im Hintergrund die Fäden gezogen. Jetzt drängt es den 70-jährigen SVP-Strategen zurück ins Rampenlicht. Mit Interviews und eigenen Artikeln hat er in den letzten Wochen seine Medienpräsenz sukzessive gesteigert. Blocher wird wieder zum Thema.

Dafür sorgt der alt Bundesrat auch mit ungewöhnlichen Anlässen, wie dem vom Dienstag: Blocher lud Journalistinnen und Journalisten des Bundeshauses zu einem Gespräch in ein Berner Hotel ein. Der Medienlunch war jedoch nicht eine Medienkonferenz zu einem bestimmten Thema, sondern sollte Gelegenheit bieten, «über alle die Journalisten interessierenden Fragen Auskunft zu geben und zu diskutieren», wie es in der Einladung hiess. Laut Blocher-Sprecher Livio Zanolari wurde der Anlass organisiert, «weil wir festgestellt haben, dass das Bedürfnis besteht, alt Bundesrat Christoph Blocher zu einem informellen Gespräch zu treffen».

Tatsächlich erschienen über ein Dutzend Journalisten. Zanolari machte sogleich klar, dass der Anlass so informell nicht sei: «Sie dürfen über alles, was heute gesagt wird, schreiben.» Als die Fragerunde eröffnet wurde, gab es jedoch einen kurzen Moment der Stille. Schliesslich fasste sich ein Journalist von «Le Temps» ein Herz und befragte den SVP-Strategen zu den persönlichen Angriffen der Partei auf Philipp Hildebrand, den Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank.

Überheblich und unerfahren

Viel Neues sagte Blocher zu Hildebrand nicht. Auffällig aber: Im Wesentlichen deckten sich seine Ausführungen mit den Argumenten im Editorial der letzten «Weltwoche»; Hildebrand habe aus Überheblichkeit oder Unerfahrenheit 32 Milliarden Franken in den Sand gesetzt. Daneben antwortete Blocher bei Grissini und Canapé ungezwungen und in seiner bekannt jovialen Art auf Fragen der Journalisten zu wirtschafts-, aussen-, energie- und sicherheitspolitischen Themen. Er wirkte dabei wie jemand, der seine politischen Positionen darlegt, wenn er seine Kandidatur für ein politisches Amt bekannt gibt.

Doch von einer offiziellen Kandidatur für Stände- oder Nationalrat will Blocher vorerst nichts wissen. Er habe die Zürcher SVP darum gebeten, ihm bis Ende April Zeit zu geben, um sich eine Kandidatur im nächsten Herbst zu überlegen, wiederholte der alt Bundesrat. Blocher will sich partout nicht in die Karten blicken lassen. Offensichtlich will er die Wahlen im Kanton Zürich abwarten, die in knapp zwei Wochen stattfinden. Eine Nichtkandidatur wäre aber eine echte Überraschung.

Doppelzüngigkeit der FDP

Gesprächiger war der SVP-Vizepräsident bei allgemeinen Fragen zum Wahljahr, zur Atompolitik der SVP (siehe Kasten) und zur Weichenstellung bei den Beziehungen zur EU im nächsten Jahr. Den Freisinnigen warf er in diesem Zusammenhang Doppelzüngigkeit vor, da sie sich gegen einen EU-Beitritt aussprächen, jedoch nicht bereit seien, das EU-Beitrittsgesuch zurückzuziehen. Eine Breitseite gab es auch gegen die Christdemokraten und die SP: «Die CVP hat gar kein Parteiprogramm, hat nie eins gehabt. Das merkt man auch.» Und die Sozialdemokraten seien auf ihr Programm von 1888 zurückgefallen. Es scheint, als möge Blocher den Wahlkampf schon fast nicht mehr abwarten.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Meier am 23.03.2011 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Klare Aussage, ja ich will und werde!

    Früher hatte ich von Herrn Blocher wirklich ein gute Meinung. Allerdings hat sich das sehr relativiert, weil er kein klaren Aussage mehr macht und man bekommt den Eindruck er wird senil. Immer dieses offen lassen ob er nun ... was auch immer. Das schadet doch mehr. Wer wählt schon einen wankelmütigen Politiker auch wenn er grosse Verdienste vorweisen kann. Offensichtlich hat er schlechte Berater.

  • Stephan Meier am 23.03.2011 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Themenführerschaft weg

    Tja die SVP merkt wohl langsam, dass ihr ewiges Lied der bösen Ausländer langsam nicht mehr ankommt. Und mit der Atomkatastrophe den Wählern gezeigt wurde, dass die Rechten auf dem energietechnischen Holzweg sind... Schweizer die keine Atomkatastrophe erleben wollen, wählen wohl besser nicht SVP!

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  • Kari Räschter am 23.03.2011 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    er bleibt bei seinen Standpunkten

    Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern, welche momentan ihren Wahlkampf aufgrund von Katastrophen etc. anpassen und politisieren, wie "der Wind gerade günstig weht", bleibt Blocher konstant bei seiner immer vertretenen Meinung. Man kann für oder gegen ihn sein, aber wenigstens bleibt er in seiner politischen Meinung gleich resp. den Umständen moderat angepasst (nicht kopflos drein schiessen wie andere).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • hampe am 25.03.2011 23:07 Report Diesen Beitrag melden

    no go

    blocher sollte für kein politisches amt mehr kanditieren , dann muss man ihn auch nicht abwählen.

  • Paul S. am 25.03.2011 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Blocher überzeugt mehr denn je !

    Blocher überzeugt noch immer - mehr denn je. Er ist einer, der sich wirklich für die Schweiz einsetzt, in vielerlei Hinsicht. Wenige Politiker in der Schweiz können auch nur schon ansatzweise an seine Leistungen rankommen. Schnorren können viele, aber Leistungen vorweisen wenige. Und hätte er nicht immer wieder eine Unmenge von seinem eigenen Geld in Kampagnen und Wahlkämpfe investiert, hätte man ihn schon zu Beginn seiner politischen Karriere mundtot gemacht. Leute von seinem Format braucht unser Land.

  • Anita am 24.03.2011 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    Neid

    Leider haben wir nicht viele Politiker die diese Grösse haben wie Herr em.Bundesrat Blocher.Und schon gar nicht ein solches enorme Wissen.Reden tun viele aber nicht brauchbares.Das Geld sind sie ihm neidisch,aber Arbeiten und Sparen das können sie nicht.

  • Mona-Lisa am 24.03.2011 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Pensionalter erreicht!

    oh, nein nicht schon wieder! Er soll nun endlich abtreten. Politiker sollten auch mit 65 in Rente gehen müssen besser schon mit 60. wir brauchen kein Parlament von Greisinnen und Greisen es wäre an der Zeit, NR und SR zu verjüngen. Über 60 jährige dürfen nicht mehr antreten und mehr als 3 Amtsperioden (12J)sehe ich als Sesselkleber,

    • Eliza Mona am 25.03.2011 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      ÜBERFÄLLIG

      Da gehe ich völlig mit dir einig. Irgendwann ist es auch für einen wie Ch. Blocher einfach Zeit aufzuhören!

    • @ Mona-Lisa am 25.03.2011 17:08 Report Diesen Beitrag melden

      Polit-Pension mit 60?!

      ...oder sollen sie noch besser schon mit 55 oder 50 in Rente gehen, am besten mit 45, auf dass der Kindergarten im Bundeshaus lebe? Nein, wenn aussergewöhnliche Menschen an der Macht sind, dann dürfen sie das gerne auch mit 80! Entscheidend ist, ob sie vom Volk gewählt werden.

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  • Guschti am 24.03.2011 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    nicht Wasser predigen und Wein saufen

    Es heisst: Alter schützt vor Torheit nicht - hier sollte es heissen: Alter schützt vor Machtgier nicht. Die Ideen der SVP sind nicht grundsätzlich falsch - nur sollte man sich in unseren Breitengraden etwas gesitteter benehmen, nicht alle andern für dumm verkaufen wollen und selber keinen Deut besser sein. So ist es purer Populismus. Es sind nicht immer die Andern (IVBezüger, Ausländer etc) schuld, oft ist auch die Gesellschaft (das sind wir) schuld dass es Auswüchse gibt. Und solange die Parteioberen Thesen vertreten und sich selber nicht daran halten ist es wieder nur Populismus.