Frankreich

16. Juli 2014 20:36; Akt: 17.07.2014 11:05 Print

Bloggerin wegen Beizen-Kritik verurteilt

Eine Frau hat auf ihrem Blog ein Restaurant kritisiert. Nun wurde sie von Frankreichs Justiz der Verleumdung schuldig gesprochen. Solche Urteile wären auch in der Schweiz möglich.

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Eine französische Bloggerin übte Kritik an einem Restaurant und wurde der Verleumdung schuldig gesprochen. (Bild: Keystone)

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Die Blogger dieser Welt teilen alles mit uns: Die neusten Trends, die schönsten Orte und die besten Restaurants. Nicht immer ist dies für die beschriebenen Lokale aber Werbung. «Der Ort, den man im Cap Ferret meiden sollte» lautete der Titel der Beizenkritik einer französischen Bloggerin. Die Angestellte, die sie bediente, bezeichnet sie als «Xanthippe», die Wirtin halte sich für eine «Diva». Zudem beschreibt sie, wie sie zehn Minuten warten musste, bis sie einen Apéritif serviert bekam, dass der Wein zu kalt war und die Hauptspeise erst nach zweimaligem Nachfragen auf den Tisch kam.

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Wegen dieser Kritik wurde die Bloggerin am 30. Juni von einem französischen Gericht der Verleumdung schuldig gesprochen. Sie muss 1500 Euro Schadenersatz und 1000 Euro Gerichtskosten zahlen, wie die Zeitung «Le Matin» berichtet.

Ein solches Urteil ist laut Nicolas Capt, Rechtsanwalt für neue Technologien, auch in der Schweiz möglich. Denn wenn jemand ein Produkt oder eine Dienstleistung öffentlich kritisiert, kann er theoretisch wegen Beleidigung, Verleumdung oder unlauteren Wettbewerbs verklagt und zu bis zu drei Jahren Haft verurteilt werden. Generell werde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hingegen der Grundsatz der Meinungsäusserungsfreiheit hochgehalten.

«Blogs nutzen, um Kritik auszuwerten»

Olivier Di Natale, Direktor der Firma General-Media, die das Restaurantbewertungsportal iTaste betreibt, ist vom Urteil jedoch nicht beunruhigt. Er ist der Meinung, dass es nicht der richtige Weg für ein Restaurant ist, auf solche Kommentare mit einem Rechtsstreit zu reagieren. Dadurch würden sie einem kleinen Kommentar grosse Beachtung verschaffen. «Profis sollten Blogs und Websites besser nutzen, um Kritik auszuwerten. Denn Transparenz wird von den Nutzern sehr geschätzt.» Doch letztlich liegt die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Verleumdung im Ermessen der Richter.

(saw)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nine am 16.07.2014 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreiheit

    Darf man noch nicht mal mehr seine Meinung veröffentlichen, wenn man mit einer Dienstleistung nicht zufrieden ist ?

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  • Thomas am 16.07.2014 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Urteil genau lesen

    Man sollte vielleicht mal das Urteil sehen! Ich denke mal nicht die Kritik am Restaurant sonder die Ausdrücke gegenüber den einzelnen Personen wurde hier bestraft!

  • Martial Kohler am 16.07.2014 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wo leben wir ?

    Wenn wir mit einem Restaurant, Laden, Supermarkt usw. nicht zufrieden sind, wird dies postwendend kommentiert. Die Kritik muss natürlich begründet werden. In der CH geniessen wir immer noch die Pressefreiheit, momentan noch !!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • vive la France am 20.07.2014 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Landesüblich

    Da fährt man nach Frankreich und will einen schweizerischen Standard.In Frankreich nimmt man sich mehr Zeit zum Essen.D.h;im Restaurant wartet man etwas länger.Insbesonders sind die Pausen länger zwischen den Gängen.Es gilt auch als unhöflich den Teller sofort abzuräumen ,wenn er Gast fertig gegessen hat.Und für uns Schweizer halt nicht üblich, Rotwein im Ofenausschank wird überall gekühlt serviert (Rosé Und Weisswein sowieso).Wenns einem nichtpasst ist man manchmal selber schuld und sollte nicht persönlich werden,wenn man schon meckern muss!!!!

  • Stefan Kälin am 17.07.2014 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    wo ist da die Beleidigung/Verleumdung?

    Kann mir jemand erklären, wo da die Verleumdung bzw. Beleidigung steckt? Wenn die Wirtin der Kundin als Diva erschien, und die Serviertochter als "Xanthippe" (ich musste das auch erst googeln, heisst wohl streitsüchtig), dann ist das imo eine Meinungsäusserung und keine Beleidigung, jedenfalls nichts dass es ein no go wäre. Ich finde streitsüchtig und Diva, keine Ausdrücke, wofür man vor Gericht muss, ist doch harmlos. Sofern die Anmerkungen zum Service stimmen und das erscheint mir key, seh ich auch keine Verleumdung. Wieso gibt das Restaurant nicht einfach ne Gegendarstellung ab und gut ist?

  • f.s am 17.07.2014 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein mitleid

    tja selber schuld. sas ist auch keine kritik die sie da postete, sondern ein vorwurf. bevor man kritik äussert sollte man eventuell lernen wie man richtig kritisiert. dan wäre ihr das nicht passiert. aber eben. sich blogger schimpfen aber nicht wissen wie man konstruktive kritik bzw feedbacks gibt.

    • Chiara am 17.07.2014 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ f.s

      Tja wie Sie wissen sollten ist Kritik ein Vorwurf!

    • sokrates am 17.07.2014 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chiara

      nein ist es nicht. Es gibt auch positive kritiken und somit können kritiken keine vorwürfe sein.

    • Sicher? am 18.07.2014 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt einen Unterschied

      Zwischen persönlicher und konstruktiver Kritik.

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  • globuli am 17.07.2014 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Restaurants fängts an...

    als nächstes kritisieren sie Grosskonzerne und Politiker, richtig dass dem ein Riegel geschoben wird. Wo kommen wir denn hin wenn man es sagen darf, wenn einem etwas nicht passt.

    • Till Sitter am 18.07.2014 00:26 Report Diesen Beitrag melden

      @ globuli

      kein Mensch hindert Sie zu sagen, was Ihnen nicht passt. Jemanden beschimpfen oder verleumden ist aber etwas ganz anderes.

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  • Jammer am 17.07.2014 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Internet vergisst nie, du schon

    Wer heutzutage noch was kritishes im Internet Postet, noch dazu mit seinem realen Namen etc. dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.