West-Nil-Virus

13. August 2018 09:44; Akt: 13.08.2018 12:55 Print

Blutspender wegen Italien-Ferien heimgeschickt

von Anielle Peterhans - Das von Mücken übertragene West-Nil-Virus rückt immer näher an die Schweiz. Das wird bei der Blutspende zunehmend zum Problem.

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20 Menschen haben sich dieses Jahr in Italien schon mit dem West-Nil-Virus angesteckt. Die Mücken verbreiten sich vor allem im südlichen Europa schnell, wie ein Experte sagt. Bei der Blutspende durch infizierte Personen besteht laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein Ansteckungsrisiko. Die Erreger können in einzelnen Fällen das Nervensystem befallen und zu Hirn- und Hirnhautentzündungen führen. Als Vorsichtsmassnahme werden Personen, die sich länger als 24 Stunden in den betroffenen Gebieten aufhielten, für vier Wochen von der Blutspende ausgeschlossen. Die Zahl der Infektionskrankheiten habe in Europa in den letzten Jahren stark zugenommen, sagt Rudolf Schwabe, Direktor von Blutspende SRK Schweiz. «Da es überall wärmer wird, breiten sich die Mücken schneller aus.» Auch die Touristenhochburg Venedig gehört zu den Risikogebieten für das von Stechmücken übertragene West-Nil-Virus. «Die Zahl der Infizierten nimmt europaweit immer mehr zu», so Rudolf Schwabe, Direktor von SRK Schweiz. Neben Italien sind auch beliebte Feriendestinationen wie Griechenland oder die Türkei betroffen. Im Tessin wurden kürzlich 140 Personen von den Blutspendezentren wieder nach Hause geschickt. Der Grund: Sie hielten sich in den letzten Wochen in Nordostitalien auf – etwa in Venedig Italien ist nicht auf der offiziellen SRK-Liste der Länder mit erhöhtem viralem und parasitärem Infektionsrisiko zu finden – offenbar deshalb, weil nur in Teilen des Landes das West-Nil-Virus auftritt.

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Im Tessin wurden kürzlich 140 Personen von den Blutspendezentren wieder nach Hause geschickt. Der Grund: Sie hielten sich laut 20minuti.ch in den letzten Wochen in Nordostitalien auf – etwa in Venedig. Dort grassiert das West-Nil-Virus. 20 Menschen haben sich dieses Jahr bereits mit dem Krankheitserreger angesteckt.

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Zum Risikogebiet für das West-Nil-Virus gehört seit dieser Woche auch Verona. Damit sind neu acht Provinzen um die beliebte Touristen- und Einkaufsregion Adria betroffen. Die durch Stechmücken übertragenen Erreger können in einzelnen Fällen das Nervensystem befallen und zu Hirn- und Hirnhautentzündungen führen. Bei der Blutspende durch infizierte Personen besteht laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein Ansteckungsrisiko.

Weitere Risikogebiete in Italien

Auch im Rest der Schweiz mussten die Blutspendezentren wegen des Virus zahlreiche Personen abweisen. Das bestätigt Rudolf Schwabe, Direktor von Blutspende SRK Schweiz, gegenüber 20 Minuten. «Die Zahl der Infizierten nimmt europaweit immer mehr zu», so Schwabe. Neben Italien sind auch beliebte Feriendestinationen wie Griechenland oder die Türkei betroffen.

Als Vorsichtsmassnahme müsse man Touristen, die sich länger als 24 Stunden in den betroffenen Gebieten aufhielten, für vier Wochen von der Blutspende ausschliessen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht: «Aufgrund des Klimawandels erwarte ich, dass sich die Situation weiter zuspitzen wird.»

Schlecht informiert

Dass viele Spendewillige heimgeschickt werden müssen, deutet darauf hin, dass viele nicht über die Einschränkungen nach Reisen ins Ausland informiert sind. Ausserdem ist etwa Italien nicht auf der offiziellen SRK-Liste der Länder mit erhöhtem viralem und parasitärem Infektionsrisiko zu finden – offenbar deshalb, weil nur in Teilen des Landes das West-Nil-Virus auftritt.

Laut Schwabe will man mit einem Warnhinweis keine Spender vergraulen: «Melden sich aufgrund offizieller Warnhinweise weniger, verlieren wir potentielle Blutspender.» Er rät, sich im Vorfeld der Spende bei den lokalen Zentren zu informieren.

Es braucht 1000 Blutspender am Tag

In der Ferienzeit sind die Zentren denn auch auf jeden einzelnen Spender angewiesen: Schweizweit brauche man ungefähr 1000 Blutspender, die jeden Tag ihr Blut abzugeben bereit sind: «Während der Sommermonate wird diese Zahl manchmal nur knapp erreicht», sagt Schwabe.

Die gefährlichsten Blutspender seien die Menschen, die infiziert sind – es aber nicht merken, so Schwabe. Oft zeigen sich nur grippeähnliche Symptome, eine Ansteckung könne auch symptomlos ablaufen und zwei bis drei Wochen nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet im Blut unerkannt bleiben. Werde der Erreger bei einer Bluttransfusion übertragen, könne dies unter Umständen zu lebensbedrohlichen Situationen für den Empfänger führen.

Was, wenn das Virus in der Schweiz auftritt?

Die Zahl der Infektionskrankheiten habe in Europa in den letzten Jahren stark zugenommen, sagt Schwabe. «Da es überall wärmer wird, breiten sich die Mücken schneller aus». Die klimatischen Bedingungen in Südeuropa seien heute vergleichbar mit Westafrika früher. Er geht davon aus, dass künftig noch mehr Tests nötig werden. Man sei aber bereit: Blutspende Schweiz stelle sich darauf ein, Spenderblut auch auf das West-Nil- und das Chikungunya-Virus zu testen. Schwabe erklärt: «Diese zwei Viren sind bisher in den Sommermonaten im südlichen Teil Europas aufgetreten. Die Mücken können aber auch ohne weiteres in der Schweiz auftreten.» Aufgrund der Kosten sehe man darum noch von flächendeckenden Tests ab.

Das BAG zählt das West-Nil-Virus zu den meldepflichtigen Krankheiten in der Schweiz. Laboratorien und Spitäler müssen einen Fall in einer Frist von sieben Tagen melden. «Sie sind meldepflichtig, damit die Behörden handeln könnten, falls eine dieser Krankheiten gehäuft auftreten würde. Zurzeit ist dies nicht der Fall», sagt BAG-Sprecher Daniel Dauwalder.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wilhelm Tell am 13.08.2018 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Globalisierung

    Nicht nur mehr die Menscheit globalisiert sich!! Auch die Tiere immer mehr, die kleinen giftigen und unbeliebten Plagegeister! Hat alles mit der Reisetätigkeit , Importe und Klima zu tun!!!

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  • Rumpelstilzli am 13.08.2018 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Globalisierung lässt grüssen

    Der Personenverkehr und Waren die von Kontinent zu Kontinent verschoben werden haben ihren Preis. Pflanzen und Tiere müssen in Quarantäne, unsere Dauergäste hingegen zirkulieren ab betreten des Kontinentes frei umher...

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  • Firefighter118 am 13.08.2018 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Heute Italien - Morgen Spanien, ...

    Mal abwarten von welchen Länder noch solche Mitteilungen kommen: Heute Italien -Morgen Spanien, Griechenland, ... . Es liegt wohl nicht nur an der Klimaveränderung

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Swissgirl am 14.08.2018 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Reisetätigkeit eingrenzen

    Diese Krankheiten holt sich der Mensch in den Feriengebieten. Dank den tiefen Flugpreisen reisen täglich Millionen von A nach B. Viren werden von Tieren auf Menschen, aber auch umgekehrt übertragen. Der Klimawandel mag an der Entstehung dieser Krankheiten schuld sein, für diese rasante Verbreitung um den ganzen Globus aber ist der Mensch verantwortlich!

  • Christian aus Basel am 14.08.2018 01:41 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen über 60

    Menschen über 60 dürfen nicht mehr spenden. Unser Blut gilt als zu alt.

  • Real am 14.08.2018 00:46 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität schlecht

    Ich würde sowieso kein fremdes Blut wollen, wenn ich einen solchen Blutverlust habe verabschiede ich mich. Vor ein paar Jahren wäre es ja noch gegangen mittlerweile nein danke

  • Fabian Kessler am 13.08.2018 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Was jetzt?

    Geht es bei diesem Artikel um den West-Nil-Virus oder geht es darum, dass in den Sommermonaten keine 1000 Blutspender am Tag gefunden werden und mit dem Artikel darauf aufmerksam gemacht wird???

  • Regula F. am 13.08.2018 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Frage:

    Warum wurde der Beitrag von Maja inkl. Antworten wieder rausgenommen?