Honorare

04. Dezember 2019 07:38; Akt: 04.12.2019 10:23 Print

Boni für Lehrer sollen Schüler-Noten verbessern

von B. Zanni - Manche Lehrer zeigen zu wenig Engagement. Damit sich dies nicht mehr negativ auf die Schüler auswirkt, stehen Extra-Honorare zur Debatte.

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Rund 100'600 Franken verdienen Schweizer Lehrer nach dem zehnten Anstellungsjahr im Schnitt, wie eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zeigt. Doch Forderungen nach einem umgekrempelten Schulsystem bringen die Toplöhne ins Wanken. «Ich bin dafür, dass Lehrer nach den Leistungen ihrer Schüler bezahlt werden. Ich bin sicher, sie kämen sehr schnell selbst auf die Idee, ihren Schülern das Lernen beizubringen», fordert der österreichische Buchautor Benjamin Hadrigan in seinem Buch «#Lernsieg». «Bessere Honorare für besonders engagierte Lehrer könnten ein Anreiz sein», sagt FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt. Wie in allen Branchen gebe es auch in der Schule Personen, die ihren Job mit weniger Leidenschaft machten, sagt Silberschmidt. «Das kann sich dann auf die Schüler auswirken.» «Um Boni gerecht verteilen zu können, braucht es ein 360-Grad-Feedback», sagt Silberschmidt. Er schlägt vor, dass die Schulleitung in Zusammenarbeit mit neutralen Profis Unterricht und Didaktik, Unterrichtsmaterial sowie die Klassendurchschnitte analysiert. Auch für Fabian Camenisch, Mediensprecher der Union der Schülerorganisationen (USO), sind Anpassungen denkbar. Bessere Evaluationen des Unterrichts seien dringend nötig. «Man könnte sich allenfalls Bonuszahlungen für Lehrpersonen überlegen oder die Ergebnisse bei Vertragsverlängerungen berücksichtigen», sagt Camenisch. Ob eine Lehrperson gute oder schlechte Leistungen erbringt, hängt laut Camenisch am Ende aber von einer Kombination aus «Noten, Unterrichtsmaterialien und Unterricht» ab. Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz: «Wir haben auf Kanti- und Sekstufen in einigen Kantonen mit Leistungslöhnen bereits negative Erfahrungen gemacht. Dieses System scheiterte daran, dass man die Leistungen von Schülern nicht einfach aufgrund ihrer Noten oder ihres Notenschnitts messen kann. Schüler kann man nicht messen wie ein Produkt, das man produziert.»

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Im europäischen Vergleich gehören Schweizer Lehrer auf allen Stufen zu den Spitzenverdienern. Rund 100'600 Franken verdienen sie nach dem zehnten Anstellungsjahr im Schnitt, wie eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zeigt. Doch Forderungen nach einem umgekrempelten Schulsystem bringen die Toplöhne ins Wanken.

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Sollen Lehrpersonen aufgrund ihrer Leistungen bezahlt werden?

«Ich bin dafür, dass Lehrer nach den Leistungen ihrer Schüler bezahlt werden. Ich bin sicher, sie kämen sehr schnell selbst auf die Idee, ihren Schülern das Lernen beizubringen», fordert der österreichische Buchautor Benjamin Hadrigan in seinem Buch «#Lernsieg». Viele Schüler versagten wegen der «veralteten» Gepflogenheiten wie Hausaufgaben, Noten, Strafen, Frontalunterricht und Regeln. «Genau deshalb rebellieren Tausende Schüler und brechen die Schule sogar ab.»

«Bessere Honorare könnten ein Anreiz sein»

FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt hat Sympathien für die Forderung. «Bessere Honorare für besonders engagierte Lehrer könnten ein Anreiz sein», sagt er. Wie in allen Branchen gebe es auch in der Schule Personen, die ihren Job mit weniger Leidenschaft machten. «Das kann sich dann auf die Schüler auswirken.»

Allein der Klassendurchschnitt von Prüfungen soll aber nicht zum Massstab der Lehrerlöhne werden. «Um Boni gerecht verteilen zu können, braucht es ein 360-Grad-Feedback», sagt Silberschmidt. Er schlägt vor, dass die Schulleitung in Zusammenarbeit mit neutralen Profis Unterricht und Didaktik, Unterrichtsmaterial sowie die Klassendurchschnitte analysiert. «Dazu sollen sich die Lehrer gegenseitig bewerten.» Bewertungen könnten auch die Schüler abgeben. «Dafür bräuchte es jedoch Fragebögen, die keine subjektiven Antworten zulassen.»

Schulklassen seien eine Lotterie

Auch für Fabian Camenisch, Mediensprecher der Union der Schülerorganisationen (USO), sind Anpassungen denkbar. Bessere Evaluationen des Unterrichts seien dringend nötig. «Man könnte sich allenfalls Bonuszahlungen für Lehrpersonen überlegen oder die Ergebnisse bei Vertragsverlängerungen berücksichtigen», sagt Camenisch. Als Option sehe er zum Beispiel einen Bonus für Lehrpersonen, die besonders stark auf ihre Schüler eingehen. «Dies im Gegensatz zu beispielsweise einem Physiklehrer, der beim Erklären an der Wandtafel klebt.»

Ob eine Lehrperson gute oder schlechte Leistungen erbringt, hängt laut Camenisch am Ende aber von einer Kombination aus «Noten, Unterrichtsmaterialien und Unterricht» ab. Bei einer einseitigen Bewertung sei die Fairness nicht mehr gewährleistet. «Schulklassen sind für jeden Lehrer auch eine Lotterie. Hat ein Lehrer eine schlechte Klasse erwischt, kann er ja auch nichts dafür.»

Als weiteren Anreiz für engagierte Lehrer schlägt Camenisch aber auch nicht finanzielle Entschädigungen vor. «Man könnte die Arbeit von einer Lehrperson auch mit einem Weiterbildungs- oder Forschungsurlaub honorieren.» Lehrer hingegen wollen von Boni nichts wissen (siehe Interview unten).


«Schulleitung darf Augen nicht verschliessen»

Frau Rösler, was halten Sie von einem Leistungslohn für Lehrer?
Davon halte ich nichts. Wir haben auf Kanti- und Sekstufen in einigen Kantonen mit Leistungslöhnen bereits negative Erfahrungen gemacht. Dieses System scheiterte daran, dass man die Leistungen von Schülern nicht einfach aufgrund ihrer Noten oder ihres Notenschnitts messen kann. Schüler kann man nicht messen wie ein Produkt, das man produziert.

Das heisst?
Unsere Schüler kommen so in die Schule, wie sie sind. Alle haben einen anderen Rucksack und einen anderen Hintergrund. Auch wird nicht jeder Schüler zu Hause gleich unterstützt. Aber natürlich haben Lehrer einen gewissen Einfluss auf ihre Schülerinnen und Schüler, indem sie versuchen müssen, diese zu motivieren und für den Lernstoff zu interessieren.

Laut Leserbeispielen gibt es Lehrer, die den Stoff nur aus dem Buch vorlesen oder Schüler ständig einbläuen, es sowieso niemals auf einen grünen Zweig zu schaffen. Ein Leistungslohn könnte solche Lehrer zu besseren machen.
Die Schulleitungen führen regelmässige Unterrichtsbesuche durch. Auch die Lehrpersonen tun dies gegenseitig. Zudem gibt es jährliche Mitarbeitergespräche. Unsere Lehrpersonen nehmen ihren Job sehr ernst und sind engagiert. Es wurstelt nicht jeder was. Leider gibt es – wie in jedem anderen Beruf – auch schwarze Schafe. Diese aber schwarze Schafe, die dann den Eindruck vermitteln, dass viele Lehrer ihre Pflicht nicht wahrnehmen.

Was kann man gegen schwarze Schafe tun?
Die Eltern sollten das Gespräch mit dem Lehrer suchen. Wenn das nicht zu einer Lösung führt, das Gespräch mit der Schulleitung suchen. Die Vorgesetzten dürfen bei solchen Meldungen selbstverständlich die Augen nicht verschliessen. Sie müssen sich mit der betreffenden Lehrperson hinsetzen und Zielvereinbarungen definieren. So hat die Lehrperson auch die Möglichkeit, sich zu ändern.

Verschliessen Schulleitungen die Augen zu oft?
Das kann ich nicht beurteilen.

Dagmar Rösler ist Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • HellerWahnsinn am 04.12.2019 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsklima

    Wie wärs wenn Eltern ihrer Verpflichtung nachkommen, und ihre Kinder zu Hause erziehen? Dann könnten sich Lehrer in einem angemessenem Arbeitsklima wieder auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren. Nämlich den Kindern Wissen zu vermitteln.

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  • X.Y. am 04.12.2019 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    naja...

    Ich bin selber Oberstufenlehrperson, kann aber nicht glauben, was ich hier lese. Ich bin mir dessen bewusst, dass wir einen sehr guten Lohn haben und auch ferienmässig dürfen wir nicht klagen - da muss man einfach mal ehrlich sein! Aber Lehrer nach den Leistungen der Schülerinnen und Schüler zu entlöhnen, das ist völliger quatsch. 1. sollte es in jedem Beruf selbstverständlich sein, dass man sein Bestes gibt und 2. Was ist, wenn es Schüler in der Klasse gibt, die sich trotz meiner Bemühungen nicht anstrengen und ich dann aufgrund von deren Faulheit lohnmässig bestraft werde...

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  • Kri Ti Ker am 04.12.2019 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Probleme mit Regeln?

    Wenn ich das lese: "Viele Schüler versagten wegen der «veralteten» Gepflogenheiten wie Hausaufgaben, Noten, Strafen, Frontalunterricht und Regeln." Ja, Regeln sind ja so unnötig, braucht doch niemand. Liebe Eltern, erzieht eure Kinder. Leistungslohn für Lehrer bringt lediglich Wohlfühl-Schulen für verzogene Kinder, aber kaum besser Bildung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Lobsang am 11.12.2019 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelter Lohn

    Die Lehrerinnen verdienen zu wenig im Verhältnis zu dem, was sie für die Gesellschaft leisten. Ungefähr das Doppelte müssten sie verdienen! Dann können alle Lehrer gemäss dem Verdienst gut unterrichten. Jetzt passen manche Lehrerinnen ihren Unterricht dem Lohn an.

  • Tina am 09.12.2019 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn!

    Die Menschheit ist definitiv am verblöden,Bonus für Lehrer wenn sie gute Noten verteilen,was für ein Schwachsinn! Gute Noten verdienen nur fleissige Schüler,da kann auch ein Bonus für Lehrer nicht helfen!

  • Eidgenossin am 09.12.2019 04:15 Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    Leistungslohn für Lehrer,eine völlig absurde Idee! Was können die Lehrer dafür wenn die Goofen von heute keine Erziehung mehr von zu Hause mitbringen! Eine bessere Idee ist,es gibt nur noch Kinderzulagen für die Eltern, wenn das Kind Gesellschaftsfähig ist,diese Beurteilung hätte zu erfolgen, mit dem Eintrittstag in den Kindergarten!

    • Eidgenossin am 09.12.2019 04:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Eidgenossin

      Die Beurteilung soll ab dem Kindergarten erfolgen - bis und mit die Lehrzeit solange es Kinderzulagen geben würde-und wenn das Mass voll ist an schlechtem Benehmen des Kindes- trotz Verwarnung an die Eltern,dann sollen die Kinderzulagen unverzüglich und nachhaltig gestrichen werden!

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  • Rolf Moser am 08.12.2019 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Elternführerschein

    Jeder darf Kinder bekommen! Aber fürs Auto, den Hund, etc braucht es einen Führerschein. Da liegt der Hund begraben. Fähikeitszeugnisse der Eltern einfordern und falls nicht vorhanden, sollen Sie mehr Steuern zahlen. Denn jetzt zahlt die Allgemeinheit für das elterliche Versagen und die Kinder mit ihrer Zukunft.

  • Rolf Moser am 08.12.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Geld sonder mehr Unterstützung

    Als Primarschullehrer wünsche ich mir nicht mehr Geld sondern mehr Unterstützung. Fähige HeilpädagoInnen, kleinere Klassen und Eltern, die ihren Pflichten als Erzieher nachkommen. Zumdem kann es nicht sein, dass einzelne Kinder den Grossteil an Aufmerksamkeit und Energie zum Leidwesen der anderen 23 Kids für sich beanspruchen. Nicht Geld harmonisiert den Schulalltag, sonder ein konstruktives und wohlwollendes Miteinander.