Ehe-Schliessung

14. Dezember 2015 21:58; Akt: 14.12.2015 22:52 Print

Braucht es bald keine Trauzeugen mehr?

Der Nationalrat möchte das Jawort in Zukunft unbürokratischer gestalten. Einzig die CVP und SVP bekämpften eine entsprechende Motion.

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Den Bund der Ehe einzugehen, könnte gesetzlich bald vereinfacht werden: Hochzeitspaar beim Foto-Shooting. (Bild: Keystone/Gaetan Bally/Archivbild)

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Geht es nach dem Nationalrat, soll die Ehe-Schliessung vereinfacht werden. Die zwingenden Erfordernisse von zwei Trauzeugen und einer zehntägigen Wartefrist zwischen Vorbereitungsverfahren und Trauung könnte schon bald aufgehoben werden.

Mit 92 zu 86 Stimmen bei 9 Enthaltungen hiess die grosse Kammer am Montag eine Motion mit diesem Anliegen gut. Der Bundesrat beantragte die Annahme des Vorstosses. Dieser kommt nun in den Ständerat.

Stimmt auch die kleine Kammer zu, wird der Bundesrat beauftragt, zwei Artikel im Zivilgesetzbuch anzupassen. Künftig soll es Verlobten freistehen, ob sie die Trauung direkt im Anschluss an das Vorbereitungsverfahren vollziehen möchten oder in einem separaten Akt innert der Dreimonatsfrist. Zudem soll es neu freiwillig sein, dass zwei Trauzeugen beigezogen werden.

Weniger bürokratische Ehen

Die Mehrheit im Nationalrat sah in den heutigen Bestimmungen «zwei unnötige bürokratische Hürden». Die zwingende Wartefrist von zehn Tagen finde ihre Begründung im historischen Verkündungsverfahren, sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga. «Dieses gibt es nicht mehr.» Für diese Frist gebe es folglich keinen zwingenden Grund mehr.

Dies gelte umso mehr, da im geltenden Partnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare auf eine solche Bedenkfrist verzichtet werde. Verlobten solle es daher freistehen, sich nach dem Vorbereitungsverfahren eine Wartezeit zu gönnen.

Auch die beiden Trauzeugen haben laut Nadine Masshardt (SP/BE), welche die Motion vom neu gewählten Ständerat Andrea Caroni (FDP/AR) übernahm, keine rechtliche Funktion mehr. «Sie dienen nicht als Beweismittel für eine Ehe.» Deshalb solle es für Verlobte künftig freiwillig sein, sich wie heute durch Trauzeugen begleiten zu lassen.

SVP und CVP dagegen

Andrea Geissbühler (SVP/BE) äusserte Bedenken, die von ihrer Partei sowie der CVP und einzelnen FDP-Vertretern geteilt wurden. «Mit dem Wegfall der zehntägigen Wartefrist vor dem Jawort könnten Zwangsehen nicht mehr verhindert werden», argumentierte sie. Das sei ein grosses Problem. Die zwei obligatorischen Trauzeugen seien zudem «eine schöne Tradition».

Sommaruga konterte: «Keine Angst, Sie können Trauzeugen immer noch mitnehmen.» Nur das Obligatorium entfalle. Zudem würden Schein- oder Zwangsehen mit dem Vorbereitungsverfahren verhindert. Dieses würde mit Annahme der Motion nicht abgeschafft.

(bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tobi am 14.12.2015 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weiter denken

    wie wärs wenn mann die Scheidung auch vereinfachen würde? wenn sich beide einig sind braucht das keine Anwälte die unnötige kosten verusachen!

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  • G. Schieden am 14.12.2015 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1 Frage

    Kann man auch die Scheidung unbürokratisch vereinfachen? Ohne dass man einen Partner finanziell ausbluten lässt?

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  • Schwer verliebt am 14.12.2015 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer wird Trauzeuge?

    Finde ich gut. Ich habe niemanden den ich als Trauzeugen nehmen würde. Lieber keinen Trauzeigen als einen Alibi-Trauzeugen. Alle anderen, die einen haben, sollen die Eheschliessung natürlich mit Trauzeugen vollziehen. Ausserdem geht es hier nicht um die kirchliche Trauung, sondern um die zivilrechtliche.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom Grassu am 16.12.2015 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hört, hört!

    Die SVP ist gegen Bürokratieabbau? Was haben ie genau ihren Wählern versprochen?

  • M und R am 15.12.2015 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So liebt und lebt es sich gut

    Bin seit über 30 Jahren verheiratet, immer noch verliebt in die selbe Frau. Habe Herzklopfen und freue mich jeden Abend nach der Arbeit auf sie. Das ist die grosse Liebe. Wir haben mit Trauzeugen geheiratet, den Ehevorbereitungskurs besucht, die Frist abgewartet. Ich sage nur: gut Ding will Weile haben. So hatten wir alles auch wunderschön planen können. Wer das nicht machen will, muss das selber wissen. Aber nicht alles was alt ist, ist veraltet...

  • Jannis Reuteler am 15.12.2015 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nötig, aber schöner Brauch

    Trauzeugen an einer Hochzeitsfeier finde ich nicht unbedingt nötig von Amtes wegen, aber eine schöne Tradition. Ich hätte diesen Brauch nicht missen wollen. Meine Schwester reiste extra aus Irland an. Gerne verzichtet hätte ich aber auf die Anwesenheit meiner Schwiegermutter. Mein Mann stand immer ohne wenn und aber zu mir; aber diese Frau mochte mich nie, obwohl ich offen und freundlich auf sie zuging. Das gilt auch heute noch. Ich kann es mir schlicht nur mit meiner (irischen) Nationalität -- oder mit ihrer Eifersucht erklären.

  • Tennesseean am 15.12.2015 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbereitungsverfahren ist ein Witz

    Scheinehen werden durch ein vorbereitungsverfahren kaum verhindert. Besser die Aufenthaltsbewilligung auf ein paar Jahre begrenzen und dann nochmals genau prüfen ob dieses Paar wirklich verheiratet ist. Liebe für ein paar Tage vorzuspielen ist kein Problem, einige Jahre jedoch schon.

  • Alf Moriati am 15.12.2015 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch!

    Wir haben in Massachusetts am Strand ohne Trauzeugen geheiratet - geht wunderbar. Anerkennung in der Schweiz dauerte danach 6 Monate.