Ausfällige Passagiere

21. Dezember 2019 18:09; Akt: 21.12.2019 18:09 Print

Braucht es ein Alkoholverbot auf Flügen?

Übermässig alkoholisierte Passagiere gefährden die Flugsicherheit. Ein Alkoholverbot sei nicht zielführend, sagen Schweizer Fluggesellschaften.

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Zwischenlandung, Tobsuchtsanfälle und Gewalt – gleich auf zwei Flügen kam es kürzlich zu Störungen durch renitente Passagiere. Auf einem Edelweiss-Flug von Zürich nach Punta Cana hat ein Mann nach übermässigem Alkoholkonsum die Mitreisenden beschimpft und auf eine Flugbegleiterin eingeschlagen, berichtete ein Leser-Reporter. Probleme mit einem Passagier gab es auch bei der Swiss: Eine Maschine auf dem Weg nach Zürich musste wegen eines renitenten Passagiers in Frankfurt zwischenlanden.

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Viele Leser fordern: Der Alkoholkonsum an Bord muss eingeschränkt werden. «Wieso braucht es überhaupt Alkohol auf Flügen? Ich könnte mir vorstellen, dass sich Leute aus Nervosität und Flugangst zudröhnen. Ein lebenslanges Flugverbot wäre angebracht», schreibt Alexa. Andere schreiben, dass das Problem schon vor dem Besteigen des Flugzeugs beginne. «Personen in betrunkenem Zustand sollte man am Flughafen nicht mehr einsteigen lassen», meint Dan.

«Alkohol ist kontraproduktiv»

Sich an Bord zu betrinken und ausfällig zu werden, sei ein nicht akzeptables Verhalten, sagt Thomas Steffen vom Pilotenverband Aeropers. Zwar würden Passagiere vor dem Boarding angeschaut, offensichtlich Betrunkenen könne das Boarding verweigert werden und das Kabinenpersonal könne den Alkoholausschank an Bord grundsätzlich gut steuern. Doch, so Steffen: «Das Problem sind jene, die im Tax-Free-Shop am Flughafen Alkohol kaufen, diesen versteckt ins Flugzeug bringen und sich an Bord betrinken. Dabei ist der Konsum von mitgebrachtem Alkohol an Bord strengstens verboten.»

Solches Verhalten sei häufiger der Fall als auch schon. «Der Stress der Passagiere wird grösser. Die Wartezeiten am Flughafen werden länger, die Flugzeuge sind immer voller. So entsteht eine Art Dichtestress, den einzelne über Alkohol abzubauen versuchen. Dabei ist das absolut kontraproduktiv.»

Kein generelles Verbot

Den Ausschank von Alkohol generell einzuschränken, halte er aber für keine gute Idee. «So würden 99 Prozent der Passagiere für das Fehlverhalten einer kleinen Gruppe bestraft», so Steffen.

Ähnlich tönt es bei der Swiss. Sprecherin Karin Müller sagt, der Umgang mit renitenten Fluggästen sei eine Zusatzbeslastung für die Crew, weshalb ein besonderes Augenmerk auf regelmässige Aus- und Weiterbildung gelegt werde. «Die Swiss trainiert und sensibilisiert sowohl das Boden- als auch das Kabinenpersonal darauf, auffällige Passagiere bereits am Boden zu identifizieren. »

Alkohol nach Ermessen

Sie sperre sich aber gegen Alkoholvorschriften. Laut Müller sind genaue Vorgaben oder Maximalvolumen für Alkohol nicht zielführend, da sich der Konsum bei jedem Menschen anders auswirke. Es würden aber alle angemessenen Massnahmen getroffen, um die Sicherheit des Fluges und der Passagiere sicherzustellen. «Wir empfehlen unserer Kabinenbesatzung etwa, keine weiteren alkoholischen Getränke an bereits alkoholisierte Passagiere auszuschenken. Dabei vertrauen wir auf die Entscheidungsfähigkeit und das Einschätzungsvermögen unserer Mitarbeitenden.»

Auch bei Edelweiss werde hoher Wert auf die persönliche Betreuung der Gäste gelegt, sagt Sprecher Andreas Meier. Ein Alkoholverbot an Bord komme nicht infrage. «Da es sich um Einzelfälle handelt, würden wir mit einem Alkoholverbot die grosse Mehrheit unserer Gäste bestrafen, die im vernünftigen Rahmen Alkohol konsumieren und ein Glas Wein zum Essen geniessen.»

Der Vorfall auf dem Flug nach Punta Cana hat gemäss Meier gezeigt, dass die bestehenden Massnahmen und die dazugehörigen Schulungen greifen und es derzeit keine Anpassung braucht. «Unsere Crew hat in dieser anspruchsvollen Situation richtig und professionell gehandelt und die Flugsicherheit sichergestellt.» Es sei das erste Mal in der 24-jährigen Firmengeschichte gewesen, dass eine kontrollierte Fesselung durchgeführt werden musste. Die Erkenntnisse aus dem Vorfall würden für künftige Schulungen verwendet werden.

Mehr renitente Passagiere

Zwischenfälle durch sogenannte «unruly passengers» sind keine Seltenheit. Nicht regelkonformes, sicherheitsgefährdendes Verhalten auf Flügen hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt wurden letztes Jahr von den Schweizer Fluggesellschaften 900 Vorfälle gemeldet – 100 mehr als im Vorjahr. Der häufigste Grund für renitentes, oft aggressives Verhalten ist übermässiger Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenkonsum.

Laut der Europäischen Flugsicherheitsagentur Easa wird durchschnittlich alle drei Stunden die Flugsicherheit durch «unruly passengers» bedroht. In Grossbritannien ergab 2017 eine Umfrage der United Trade Union unter 4000 Flugbegleitern, dass 87 Prozent der Befragten betrunkenes Verhalten von Reisenden an Flughäfen oder auf Flügen feststellen konnten. Ryanair hat auf die Probleme durch Alkohol reagiert, wie britische Medien berichteten. Es ist nun auf einigen Flügen nach spanischen Feriendestinationen nicht mehr erlaubt, Alkohol aus dem Duty-free-Shop im Handgepäck mitzunehmen.

Auch die Swiss stellt gemäss Sprecherin Müller einen leichten Anstieg der Zwischenfälle fest, die durch alkoholisierte Gäste verursacht werden. Bei Edelweiss heisst es hingegen, die Zahlen seien stabil.

(les)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Knolle am 21.12.2019 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Die Freiheit muss nicht eingeschränkt werden, aber ein Fehlverhalten darf stärkere Sanktionen nach sich ziehen. Mein Flugbier kann nichts dafür, dass einige keine Kontrolle über sich haben.

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  • W. Meier am 21.12.2019 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Glas in Ehren kann niemand verwehren

    Nein es braucht kein Alkohol Verbot, aber harte strafen für solche die nicht damit umgehen können.

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  • Sebi2256 am 21.12.2019 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ähm nein

    Ich bezahle den nicht so günstigen Flug also will auch auch trinken können was ich will und vorallem nur weil paat luete sich nicht zusammenreisen können muss nicht jeder darunter leiden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonny am 22.12.2019 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbieten

    Alkohol sollte allgemein Verboten werden.

  • Linda am 22.12.2019 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Ich bin schon ein bisschen schockiert wieviele Süchtige es hier gibt die keine paar Stündchen ohne Alkohol überleben können....

  • A66 am 22.12.2019 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem

    ist, dass man mit solchen Leuten zu pfleglich umgeht. Schwarze Listen europa- oder weltweit und das Problem ist zu 95% gelöst.

  • Randy am 22.12.2019 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nötig

    Auch wenn Fälle von besoffenen Idioten auf Flügen nicht schön sind, handelt es sich hier um Einzelfälle. Im Gegensatz zu all den Fällen wo man in den Medien jeweils über Einzelfälle spricht. Millionen Menschen fliegen täglich, davon 70% Männer aus beruflichen Gründen. Eine Promillezahl davon wird auffällig, da kann man nicht alle bestrafen.

  • Swiss Man am 22.12.2019 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zelle einrichten für Pöbler

    Alkohol Verbot ist nicht die Lösung, weil der grösste Teil der Passagiere sind vernüftig auch nach Alkohol konsum. Früher gabs Zellen für Raucher jetzt könnte man solche für Pöbler machen und am Reiseziel mit heftigen Bussen belegen. Mit den Zellen kann man verhindern, dass das Flugzeug nicht Notlanden muss und gewisse Leute die Anschlussflüge verpassen. ( Zweier-Zellen Kosten pro Person ca. 3000-5000 Fr. ) das sollte abschrecken.