Arbeitspotenzial

08. Februar 2015 12:49; Akt: 08.02.2015 12:49 Print

Bruderer fordert mehr Jobs für Behinderte

Dass man das Arbeitspotenzial Behinderter im Rahmen der Fachkräfteinitiative noch nicht erhoben hat, hält Ständerätin Pascale Bruderer für einen grossen Fehler.

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SP-Ständerätin Pascale Bruderer will das Arbeitspotenzial Behinderter ausgeschöpft sehen. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Die Eingliederung von Frauen und älteren Arbeitnehmern in den Arbeitsmarkt wird im Rahmen der Masseneinwanderungsinitiative und dem Fachkräftemangel umfassend diskutiert. Behinderte würden in der aktuellen Diskussion allerdings vergessen, kritisiert SP-Ständerätin Pascale Bruderer. Tatsächlich weiss der Bund nicht einmal, wie gross das Potenzial durch eine verstärkte Integration dieser Gruppe wäre.

«Das wurde im Rahmen der Fachkräfteinitiative bisher nicht erhoben. Ob andere Verwaltungseinheiten entsprechende Erhebungen angestellt haben, entzieht sich meiner Kenntnis», schreibt der Sprecher von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann auf Anfrage der «Zentralschweiz am Sonntag».

«Wir schneiden uns ins eigene Fleisch»

Eine entsprechende Erhebung scheint allerdings auch nicht prioritär zu sein. Denn Kontakt zu den Behindertenverbänden hat der Bundesrat trotzdem nicht gesucht, wie Bruderer und auch der Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr, Co-Vizepräsident von Pro Infirmis, bestätigen.

Die Ständerätin glaubt, dass sich die Schweiz dadurch selbst schadet: «Ich halte es für einen grossen Fehler, dass das Potenzial nicht erhoben werden soll», sagt Bruderer, die Präsidentin von Integration Handicap ist, der neuen Dachorganisation der Behindertenverbände und -institutionen. «Wenn wir nicht mehr unternehmen, schneiden wir uns ins eigene Fleisch.» Neben dem steigenden Bedürfnis nach Fachkräften im Inland sprächen auch die finanziellen Ziele der Invalidenversicherung (IV) dafür.

Stärkere Anreize für die Wirtschaft

Bruderer fordert einen vom Bundesrat einberufenen Runden Tisch. Nach dem Beispiel der Lehrstellenkonferenz sollten Bund, Kantone, Sozialpartner und Behindertenorganisationen Massnahmen zur Integration vorantreiben. Die Aargauerin will in der kommenden Session einen entsprechenden Vorstoss einreichen.

Der bescheidene Erfolg der Eingliederung von IV-Rentnern in die Arbeitswelt zeige, dass das Hoffen auf freiwillige Massnahmen der Wirtschaft nicht ausreiche. «Wir müssen stärkere Anreize setzen und die Unternehmen gleichzeitig mehr unterstützen, mit Ansprechpartnern, aber auch mit finanziellen Mitteln», meint Bruderer.

(kko/mlr)