Bürgerlicher Klimaschutz

30. Mai 2019 13:07; Akt: 31.05.2019 14:21 Print

SVP-Reimann pflanzt Bäume gegen Klimawandel

von P. Michel - Ein Rechter wird grün: Nationalrat Lukas Reimann unterstützt Waldbesitzer bei der CO2-Kompensation. Gut gemeint, bringe aber wenig, so ein Experte.

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Die Freisinnigen und die SVP gelten nicht als Vorkämpfer gegen den Klimawandel: Sie versenkten im Nationalrat das CO2-Gesetz, auch weil ihnen Kompensationen im Inland zu weit gingen. SVP-Übervater Christoph Blocher erklärte danach, das «Modethema Klima» werde ohnehin vorbeiziehen.

Vor den Wahlen haben die beiden Parteipräsidenten reagiert und werben am kommenden Samstag für eine «liberale Klimapolitik». Knapp die Hälfte der SVP-Basis jedenfalls wünscht sich laut Tamedia-Wahlumfrage mehr Engagement der Volkspartei für den Klimaschutz. Die FDP hatte nach einer Mitgliederbefragung bereits umgeschwenkt.

Neuer Verein gegründet

Jetzt prescht SVP-Nationalrat Lukas Reimann mit einer eigenen Antwort auf die Klimastreiks und den Ruf der Basis nach bürgerlichen Lösungen vor. Zusammen mit einem FDP- und einem CVP-Lokalpolitiker hat er den Verein «Allianz für eine CO2-neutrale Schweiz» gegründet.

Der Verein bezahlt Waldbesitzer dafür, dass sie ihren Wald «naturnah» bewirtschaften. Das bedeutet, dass der Förster nur einzelne Bäume schlägt, diverse Arten hält, tote Bäume stehen lässt und pro abgeholztem Baum zwei neue nachpflanzt.

Durch die zusätzlichen Bäume wird CO2 gebunden – allein im Jahr 2019 sollen 100 Waldreservate 10’000 Tonnen absorbieren. Die Allianz analysiert per Satellitenbilder den Baumbestand in den Reservaten und verkauft die kompensierte Menge als CO2-Zertifikate an Firmen, die so ihre eigenen Emissionen reduzieren können. Der Vertrag für ein Waldreservat läuft für zehn Jahre.

«Sehe den Sinn in einigen grünen Anliegen»

Ist aus SVPler Lukas Reimann damit ein Grüner geworden? «Umweltbewusste Anliegen müssen ja nicht immer von den Grünen kommen», sagt er dazu zu 20 Minuten. Er sehe den Sinn in einigen grünen Anliegen, und er habe auch gelegentlich dafür gestimmt. «Ich fordere einfach nicht so viel wie die Grünen, sondern mache lieber.» Dass das Klima auch bei der SVP-Basis immer mehr ein Anliegen ist, sei ihm bewusst. Zum CO2-Projekt sagt er: «Es ist wichtig, dass freiwillig kompensiert werden kann und wenn möglich in der Schweiz.»

Mit an Bord ist auch der Wittenbacher Gemeinderat und Revierförster Beni Gautschi (CVP). Das Potential des Waldes für den Klimaschutz sei gross, sagt er. Heute sei es für Waldbesitzer aber nicht attraktiv, ihn so zu bewirtschaften, dass möglichst viel CO2 gebunden werde. Mit dem finanziellen Anreiz von 50 Franken pro Tonne steige das Interesse. Die Lösung unterscheide sich von links-grünen Konzepten, indem CO2 unbürokratisch und ohne Mahnfinger und Belehrungen erfolge.

Auch die Biodiversität könnte profitieren

Gautschi betont einen weiteren Vorteil der Waldreservate: Sie steigerten die Biodiversität. Diese profitiere, indem beispielsweise tote stehende Bäume Pilzen, Vögeln und Insekten Lebensraum böten. Auch werde das CO2 im Inland kompensiert, wodurch das Geld in der Schweiz bleibe. Angst, dass die Waldbesitzer nach Ablauf des Vertrages den Wald wieder auf maximalen Ertrag trimmen, hat Gautschi nicht: «Ein naturnaher Wald ist beständiger gegen Stürme oder Borkenkäfer, weshalb es keinen Sinn macht, auf maximale Ernte zurückzugehen.»

Ein Experte hat indes Zweifel am Ansatz des Vereins. Das Potential des Schweizer Waldes, noch mehr CO2 zu speichern, sei gering, sagt Jürgen Blaser, Dozent für Internationale Waldwissenschaft und Klimawandel an der Berner Fachhochschule (siehe Interview). Auch wenn ihr Projekt den Schweizer Ausstoss von 47,2 Millionen Tonnen Co2 kaum schmälert, sagt Gautschi, man wolle stetig wachsen. «Wir tun im Wald, was wir können und hoffen, dass weitere Initiativen folgen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Greteli Vo Interlake am 31.05.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel besser...

    ... als die schule zu schwänzen und danach in die USA, Australien und Neuseeland zu fliegen wegen "der tollen kultur."

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  • Sulejka am 31.05.2019 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eine sinnvolle Sache

    Das ist viel sinnvoller, als ständig wegen dem Klimawandel zu demonstrieren ist meine Meinung, Bäume sind in vielerlei Hinsicht gut.

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  • Marina am 31.05.2019 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesunde Luft

    Laubbäume und Sträucher waren schon immer CO2 Fresser. Also ist die Idee jetzt nicht neu.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S.Kritischer. am 10.06.2019 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Klimawandel

    Laut SVP gibt es doch gar kein Klimawandel, so heuchlerisch !!

  • Galaxy am 03.06.2019 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Einen Mann bei der Arbeit...

    Soll man nicht stören! Immerhin tut er etwas statt nur heisse Luft und CO2 zu produzieren...

    • Kudi am 05.06.2019 13:42 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Und das im Gegensatz zu Ihnen.

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  • Mary J am 03.06.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nur PR

    Besser wäre es wenn er und seine Partei endlich die ganzen Gifte verbieten würde und die Bauern mal etwas auf Umweltschutz trimmen würden!!! Alles andere ist eh nur Staffage!

  • Neumann am 02.06.2019 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arrogante SP

    Welcher Kommentar? Die SVP braucht ein Gegengewicht, das ist die Rolle der SP. Nur ist diese heutzutage damit überfordert und arrogant geworden. Akademiker halt, die sich für die allwissende Elite halten. Die Büetzer sind schon lange bei der SVP.

  • Grünfink am 02.06.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Grüne Mantelpartei

    Die SVP war schon immer eine grüne Partei. Schliesslich gibt es die Farbe Grün im Parteilogo.

    • Mary J am 03.06.2019 09:37 Report Diesen Beitrag melden

      das ist halt Heuchelei

      Und die Sonne, und doch sperren sich diese Leute gegen mehr Unterstützung für erneuerbare Energien, schmeissen aber den Umweltvergiftern Geld in Form von Subventionen in den Hals!!

    • David am 05.06.2019 13:44 Report Diesen Beitrag melden

      Blind

      Dank den Subventionen hast du alle Tage etwas auf dem Teller. Ach ja, du brauchst das nicht. Du kannst im Ausland einkaufen.

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