06. April 2005 12:40; Akt: 06.04.2005 12:41 Print

Bund anerkennt erste private Bildungsstätte

Mit der Kalaidos Fachhochschule hat der Bundesrat am Mittwoch erstmals einen privaten Anbieter zugelassen.

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Dieser kann sich nun neben den sieben öffentlichrechtlichen Institutionen in der Schweizer Fachhochschullandschaft positionieren.

Das 1995 verabschiedete Fachhochschulgesetz ermöglicht dem Bundesrat, auch private Fachhochschulen (FH) zu genehmigen. Die Hürden jedoch sind sehr hoch: Auch Private haben die gesetzlichen Auflagen punkto Lehre, Forschung und Entwicklung, Dienstleistungen und Weiterbildung zu erfüllen.

Zurzeit sei denn auch kein weiteres Gesuch in der Pipeline, sagte Marco Scruzzi vom Leistungsbereich Fachhochschulen im Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT). Hinderlich war im weiteren, dass sich private Anbieter in einer ersten Phase der FH-Reform einer öffentlichrechtlichen FH angliedern mussten.

Keine Bundesgelder

Die beiden Teilschulen der Kalaidos Fachhochschule stehen zurzeit unter einer solchen Trägerschaft: Die AKAD Hochschule für Berufstätige bot ihre Studiengänge bisher an der Fachhochschule Nordwestschweiz an; die Private Hochschule Wirtschaft (PHW) war bis heute Teil der Berner Fachhochschule.

Beide Teile würden nun neu in die Kalaidos Fachhochschule integriert, führte Rektor Lukas Scherer aus. Davon ausgenommen sei die PHW am Standort Bern. Sie bleibe an die Berner Fachhochschule angegliedert. Die Standorte Basel, Zürich und St. Gallen der PHW sind indes der Kalaidos Fachhochschule angehängt.

Zurzeit verhandle man mit den bisherigen Trägerschaften über das operative Vorgehen, sagte Scherer. Für die heutigen Studierenden und deren FH-Abschluss spiele dies allerdings keine Rolle.

Die private Fachhochschule, die zurzeit Studiengänge in Betriebsökonomie und Wirtschaftsinformatik anbietet, erhält keine Gelder der öffentlichen Hand. Gegenwärtig besuchen knapp 540 Studierende die Ausbildungen. Die Diplome, die sie anstreben, anerkennt der Bund bereits.

Ausbaupläne

Die Kalaidos Fachhochschule ist Teil der landesweit tätigen Kalaidos Bildungsgruppe Schweiz. Sie wolle weitere FH-Studienfelder aufbauen - so etwa im Gesundheitsbereich oder in der angewandten Psychologie, sagte Lukas Scherer. Bereits heute habe sie einen Nachdiplomstudiengang in Dozentenweiterbildung.

Der bundesrätliche Entscheid erlaubt es privaten Anbietern, als eigenständige Fachhochschule aufzutreten und sich unabhängig auf dem Schweizer Bildungsmarkt zu positionieren. Die Landesregierung erhofft sich davon Wettbewerb und Angebotsvielfalt im Fachhochschulsystem.

Wie während der Aufbauphase der neuen FH können sich private Anbieter auch künftig einer der sieben regionalen FH angliedern. Diese Regelung hat sich laut Bundesrat in vielen Fällen bewährt. Die Etablierung privater FH werde der Bund sorgfältig begleiten; auch sie unterstehen der Aufsicht des Bundes.

Gestärktes Fachhochschulsystem

Mit dem Fachhochschulgesetz, das 2004 teilrevidiert worden ist, hat der Bund die höhere Berufsbildung gegenüber dem universitären Weg aufgewertet. Mit der Teilrevision unterstellten die Räte die Bereiche Gesundheit, Soziales und Kunst dem Bund - wie bereits die Fachbereiche Technik, Wirtschaft und Gestaltung.

Das Gesetz schreibt neu zudem die zweistufige Ausbildung in Bachelor- und Masterstudiengängen vor. Indem so die Erklärung von Bologna umgesetzt wird, erhöht sich die nationale und internationale Kompatibilität und Konkurrenzfähigkeit der Abschlüsse.

(sda)