Flughafen Zürich

25. Juli 2018 21:25; Akt: 25.07.2018 21:25 Print

Streit um Fluglärm neu entfacht

Der Flughafen Zürich darf sein Angebot in der Nacht vorerst nicht ausbauen. Es ist das erste Mal, dass der Bund Massnahmen gegen Fluglärm in der Nacht anordnet.

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(Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Am Flughafen Zürich landen gemäss Plan zwischen 21 Uhr bis kurz vor Mitternacht jeweils 56 Flugzeuge. Abheben dürften zwischen 22.20 und 22.45 Uhr noch elf Maschinen. Das ist allerdings Theorie. In der Praxis kommt es zu Verspätungen, was mehr Flugbewegungen und mehr Lärm mit sich bringt.

Darunter leiden Anwohner in Gebieten der Kantone Zürich, Aargau und Schaffhausen. Darum hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl nun entschieden, dass der Flughafen Zürich seine Kapazitäten nicht zusätzlich ausbauen darf. Er muss sich an die bisher definierten Zeitfenster für Starts und Landungen (Slots) halten. Das heisst auch, dass die neuen Schnellabrollwege ab Piste 28, die demnächst in Betrieb genommen werden, ausschliesslich zur pünktlichen Abwicklung der Landungen ab 21 Uhr genutzt werden dürfen.

Eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten

In einer ersten Stellungnahme bedauert der Flughafen den Entscheid. Zwar sei es positiv, dass es sich um eine Plafonierung und nicht um eine Reduktion handelt, sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Doch mit der Plafonierung würden auch die Entwicklungsmöglichkeiten des Flughafens beschnitten. Gerade für interkontinentale Flüge und deren Anschlüsse ans europäische Netz möchte der Flughafen flexibler sein.

Für die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürichs allerdings ist der Entscheid positiv. «Grundsätzlich begrüsse ich den Entscheid. Es besteht ein breiter Konsens, dass die Nachtruhe eingehalten werden muss», sagte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Verspätungen seien systematisch gewesen.

Wirtschaftsstandort gefährdet

Kritisch äussern sich hingegen die Zürcher Handelskammer und der Verein Pro Flughafen. Beide sehen die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts in Gefahr. «Die Begrenzung der abendlichen Flugbewegungen könnte den Wirtschaftsstandort Schweiz empfindlich treffen», meint etwa Christian Bertscher, Vizepräsident und Geschäftsführer von Pro Flughafen.

Aus Sicht der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion büsst der Flughafen Zürich aber an nichts ein: Trotz der Begrenzung der Slots am Abend könne der Flughafen seine Funktion als Hub aufrechterhalten. «Eine Reduktion der Verspätungen und ein verlässlicher Betrieb des Flughafens sind im Sinne aller Parteien», sagt Walker Späh.

Offene Türen

Ein Ausbau des Flugbetriebs ist mit dem Entscheid übrigens nicht vom Tisch. Das Bazl selbst will die zulässigen Lärmbelastungen in der Nacht nochmals prüfen und allenfalls neu festlegen. Zu diesem Zweck verlangt das Bazl vom Flughafen neue Fluglärmberechnungen.

Für die Organisation Fluglärm Süd, die sich für die Städte und Anwohner im Süden des Flughafens einsetzt, ist das heikel. Zwar bewege sich mit dem Entscheid des Bazl endlich etwas in der Nachtfluglärmfrage. Stephan Oehen, Sprecher des Fluglärmforums Süd und FDP-Gemeinderat von Maur ZH, plädiert dafür, dass die Bedürfnisse der Anwohner besser berücksichtigt werden: «Die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung dürfen nicht den wirtschaftlichen Interessen des Flughafens geopfert werden.»

Die IG Nord begrüsst den Umstand, dass das Bazl «endlich Massnahmen» anordnet. Doch gehen ihr diese zu wenig weit: «Die Plafonierung der Lärmbelastung auf dem heutigen, untragbaren Zustand ist für die Bevölkerung kein Gewinn.»

(dwe/sda)