Schwitzen am Arbeitsplatz

05. Juli 2018 05:40; Akt: 05.07.2018 09:53 Print

Bund gibt Tipps gegen üblen Schweissgeruch

von P. Michel - Mit den Temperaturen steigt auch der Geruchspegel am Arbeitsplatz. Nun kümmert sich der Bund darum und hat ein Merkblatt lanciert.

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Wenn der Mitarbeiter am Arbeitsplatz einen unangenehmen Duft verströmt, halten die Kollegen Abstand, und sie tuscheln hinter dem Rücken über den «störenden Körperduft»: Um dieser Problematik, die gerade im Sommer akut wird, zu begegnen, hat das Schweizerische Dienstleistungszentrum Berufsbildung (SDBB) ein neues Merkblatt veröffentlicht, das sich speziell an Lernende und Berufsbildner richtet. Finanziert wird das SDBB von Bund und Kantonen.

Anregungen für die Merkblätter, die es bereits für die Themen Mobbing, Sucht oder Rassismus gibt, liefern die kantonalen Berufsbildungsämter. Aus deren Erfahrungen stammen auch die Praxisbeispiele, die im Merkblatt aufgeführt sind. Zudem hat 20 Minuten bei Branchenvertretern nachgefragt.

Stören Sie die Gerüche Ihrer Arbeitskollegen? Erzählen Sie uns davon.

In der Sitzung

Ein KV-Lernender konnte im Rahmen seiner Ausbildung an einer Sitzung teilnehmen. Nach der Sitzung bemerkt er selbst, wie stark es im Raum riecht – denkt aber, Ursache des Geruchs seien die anderen Sitzungsteilnehmer. Diese Episode soll illustrieren, dass der «Mensch seinen eigenen Geruch nur begrenzt wahrnimmt». Dies bedeute, dass Träger eines unangenehmen Geruchs oft keine Ahnung hätten, dass sie andere «belästigen».

Im Grossraumbüro

Ein Lernender wechselt die Kleider nur unregelmässig, die Klimaanlage im Grossraumbüro ist ausgefallen und durch die Pubertät schwitzt die Person sehr stark. Dieser Fall ist Michael Kraft vom Kaufmännischen Verband bekannt. «Die Sitznachbarn des Lernenden störten sich ab dem Geruch und lästerten hinter vorgehaltener Hand über ihn.» Der Lernende habe dann nicht verstanden, warum ihn die Kollegen plötzlich mieden. In solchen Fällen ist laut Kraft Handeln dringend angezeigt: «Ansonsten fühlt sich die Person ausgeschlossen oder gar gemobbt.» Konflikte um strenge Gerüche am Arbeitsplatz seien aber nicht nur bei Lernenden ein Thema: «Bei den Älteren sind es dann vielleicht eher Themen wie Mundgeruch.»

Im Detailhandel

Neben Büro-Kollegen können auch Kunden von Schweiss oder Mundgeruch irritiert werden – etwa im Fall einer Schuhverkäuferin, die kein Frühstück ass, deshalb die Zähne nicht putzte und dazu noch rauchte. Von solchen Fällen berichtet Schuh-Unternehmer Dieter Spiess. Er stellt fest, dass viele nicht mehr wüssten, wie man sich korrekt pflege. Für Berufe mit Kundenkontakt sei es verheerend, wenn die Person ihre Hygiene nicht ändere, da die Kunden das Geschäft darauf meiden würden. «Deshalb suchen wir in solchen Fällen sofort das Gespräch und erklären sachlich, warum das stört.» Die Betroffenen seien jeweils froh, dass man sie darauf hinweise und sie reagieren könnten.

In der Werkstatt

Eine Polymechanikerin trägt mit Vorliebe Synthetik-Shirts und arbeitet in einer Werkstatt, in der mehrere Angestellte ihren Arbeitsplatz haben. Im engen Raum fällt es den Mitarbeitern schnell auf, wenn es streng riecht. Doch die Kollegen halten still: «Die Angst, jemanden zu verletzen, ist gross. Zudem befürchten viele, dass sich herausstellen könnte, dass auch sie selbst schlecht riechen», schreiben die Merkblatt-Autoren.

Auf dem Bau

Auch der Baumeisterverband führt ein Merkblatt, das Tipps für die Hygiene auf der Baustelle bereithält: «Nach der Arbeit duschen» oder «rauchen reduzieren». Verschiedenen angefragten Firmen und Lehrmeistern sind kaum Fälle bekannt, wo Gerüche zu Konflikten geführt hätten. Ein Berufsinspektor berichtet von einem Lernenden, dem man einmal habe erklären müssen, wie eine Dusche funktioniere. Doch dieser Lernende sei auch in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen und dementsprechend nicht mit Hygiene vertraut gewesen.

Um einen Mitarbeiter darauf hinzuweisen, dass er «unangenehm riecht», raten Merkblatt-Autoren von indirekten Hinweisen wie demonstrativ langem Lüften oder dem Deponieren eines Deos auf dem Arbeitsplatz ab. «So fühlen sich die Betroffenen ausgeschlossen und gekränkt.» Wichtig sei, schnell zu reagieren und die Person unter einem allgemeinen Vorwand zu einem Vier-Augen-Gespräch zu bitten. «Oft kann von gleichgeschlechtlichen Gesprächspartnern eine ‹persönliche› Kritik besser angenommen werden.»

Dort solle man dann schnell zur Sache kommen, so die Experten, und etwa so einsteigen: «Ich habe bemerkt, dass Sie schnell schwitzen und für mein Empfinden sehr intensiv riechen.» Auch sachliche Begründungen wie Erklärungen zur Pubertät und Schweissentwicklung seien sinnvoll. Danach solle man mit dem Angestellten Massnahmen festlegen wie täglich duschen oder T-Shirt wechseln sowie einen Termin für ein zweites Gespräch vereinbaren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matthias am 05.07.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    neue Kleidervorschriften für Männer

    Frauen können sich im Büro anziehen, wie wenn sie in der Badi wären (kurze Röcke, ärmellose Shirts) und Männer müssen in langen Hosen und Hemden schwitzen. Hier endlich mal Gleichberechtigung einführen und die Männer schwitzen auch weniger.

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  • Luca am 05.07.2018 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr seid alle bünzlis

    Es kann mal vorkommen dass jemand stärker riecht. Ist auch nicht weiter schlimm, das kann einem selbst auch passieren. Wenn es jedoch ständig ist dann darf man die Person nett darauf hinweisen. Hinterm Rücken zu lästern ändert nämlich nichts an der Situation

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  • Realo am 05.07.2018 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mittlerweile unglaublich in welche

    Bereiche sich der Bund alles einmischt. Sicher wurden für dieses Allerweltsmerkblatt noch neue Staatsbedienstete eingestellt.... What's next?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Selfman am 05.07.2018 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Selber machen

    Man braucht keine teuren Deos mit ungesunden Inhaltsstoffe zu kaufen welche den Gestank zuerst nur überdecken und sich dann mit ihm vermischen. Ich mache mein Deo selber und habe so mein Geruchsproblem erfolgreich über Stunden ja sogar Tage gelöst und spare Geld und schone die Umwelt. Dazu braucht es nur zwei bis drei Ingredienzien. Einfach mal Googeln

  • Sean am 05.07.2018 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenverstand...

    Ist es nicht respektvoller und angenehmer für den Schwitzer wenn man ihn nett darauf anspricht, anstatt anonym eine Seife auf den Tisch zu legen?

  • Miky am 05.07.2018 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    BAG ?

    Ooooooo mein Gott der BAG sollte es wissen,das schwitzen muss ein Mensch. Durch Lymphdrüsen tut sich der Körper entgiften und reinigen . Schweiss zu blockieren, müssten man mit anderen Probleme rechnen !!

  • Vielen Dank für den am 05.07.2018 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Stink-Tipp

    Beim Bund stinkt es nie, dafür stinken andere Sachen um so mehr! :))

  • Vielen Dank für die am 05.07.2018 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Seifenoper

    Was wirklich bis zum Himmel stinkt ist Bundesbern. Die produzieren dermassen viel Mist, das nützt auch keine Seife mehr was. ,)