Hohes Risiko

31. März 2013 07:34; Akt: 31.03.2013 07:46 Print

Bund plant Asylunterkunft in Lawinenzone

Die Bewohner Bedrettos mahnen: Wenn ein Schneebrett aufs Tessiner Dorf runtergeht, könnten Dutzende Asylbewerber verschüttet werden. Doch das Bundesamt für Migration will davon nichts hören.

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Diego Orelli, Gemeindepräsident von Bedretto, vor der ehemaligen Armeebunker, in dem der Bund eine Unterkunft für Asylbewerber einrichten will. Sie liegt in der lawinengefährdeten Zone. (Bild: Keystone/Karl Mathis)

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Der Bund will 100 Asylsuchende in einer Militärunterkunft im Tessiner Bedretto-Tal unterbringen – doch das Dorf wehrt sich. Weil sich die Behörden bisher wenig um die Sorgen der Bewohner scherten, bringen diese nun ein neues Argument vor: die gefährdete Sicherheit der Asylbewerber. Denn der Eingang zur Anlage in einem unterirdischen Bunker liegt in einer Lawinenzone mit Gefahrenstufe Rot. Dort ist von einer erheblichen Gefährdung auszugehen.

Urs von Däniken ist beim Bundesamt für Migration (BFM) für die Suche nach neuen Asylunterkünften zuständig. Er orientierte letzte Woche die Gemeinde Bedretto, dass trotz des Risikos ein ganzjähriger Betrieb vorgesehen sei. Das berichtet die «SonntagsZeitung». In der Gemeinde hatte man damit gerechnet, dass die Anlage nur von Mai bis Oktober genutzt würde.

«Wie soll man die Leute evakuieren?»

«Es ist absurd», sagt Gemeindepräsident Diego Orelli der Zeitung, «der Eingang zum Stollen liegt direkt in der Lawinenzone.» Wenn etwas passiere, würden normalerweise auch die Lüftungsrohre verschüttet. «Wie sollen da 80 bis 100 Leute schnell genug evakuiert werden?», fragt Orelli. Der Notausgang aus dem Stollen liege zwar in der Garage des Hotel-Restaurants AllAcqua. Dieses befindet sich aber ebenfalls in der Roten Zone und muss bei Lawinengefahr geräumt werden.

Urs von Däniken wehrt sich in der «SonntagsZeitung» gegen diese Einwände. Die zukünftige Unterkunft sei von der Armee geprüft worden. «Wir haben für den Extremfall einen sicheren Evakuierungsplan entwickelt – und zusätzlich lassen wir die Lawinengefahr nochmals von einer neutralen Stelle untersuchen.» Der Bund setze Asylbewerber keiner Lawinengefahr aus. In der Unterkunft sei man sicher; zudem gebe es einen geschützten Notausgang. Genau Letzteres bestreitet aber die Gemeinde.

Die Fakten sind eindeutig

Das Erarbeiten von Gefahrenkarten liegt in der Kompetenz der Kantone. Roland David, Sektionschef des Tessiner Forstdienstes in Bellinzona, wurde bisher weder von BFM noch VBS kontaktiert. Er nimmt das Misstrauen aus Bern gegenüber seiner Arbeit gelassen: «Das ist für uns kein Problem, die Fakten sind eindeutig.» Das Zentrum liege in einer Lawinengefahrenzone. Punkt.

(hhs)