Alarmsystem

24. Juli 2016 15:22; Akt: 25.07.2016 13:39 Print

Bund prüft Warn-SMS bei Terror und Amokläufen

von Nikolai Thelitz - Beim Münchner Amoklauf warnten die Behörden per App und SMS. Auch das Fedpol plant nun ein Warn-System für die Bürger.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Polizei hat einen «möglichen Mitwisser» festgenommen: Sicherheitskräfte stehen vor dem McDonalds nahe des Olympia Einkaufszentrums, wo die Schiesserei stattgefunden hat. (23. Juli 2016) Mehrere tausend Menschen haben am Sonntagabend in München der Opfer des Amoklaufs gedacht. (24. Juli 2016) Ein Blumen- und Lichtermeer: Trauernde legen vor dem Olympia Einkaufszentrum Blumen, Kerzen, Bilder und Briefe nieder. (23. Juli 2016) Beschimpfte den Amokläufer vom Balkon aus: Thomas Salbey, Anwohner des Olympia Einkaufszentrums (OEZ). Paris trauert mit München: Der Eiffelturm in Paris erscheint in den deutschen Nationalfarben schwarz, rot und gold. (23. Juli 2016) Blumen und Kerzen vor dem Olympia Shopping Center, wo die Schiesserei stattgefunden hat. Fassungslosigkeit und Trauer: Scharen von Menschen gedenken der Getöteten. Trauernde weinen, beten und legen Kränze und Blumen nieder. Das Attentat von München wirft viele Fragen auf: Eine Frau trauert vor einer Gedenkstätte nahe des Olympia Shopping Centers. (23. Juli 2016) Die Opfer waren zum grossen Teil Jugendliche mit ausländischen Wurzeln: Der Vater eines Opfers trägt Blumen und ein Bild seines Sohns, um diese vor dem Olympia-Einkaufszentrum niederzulegen. (23. Juli 2016) «Wir teilen Ihren Schmerz. Wir denken an Sie. Wir leiden mit Ihnen»: Angela Merkel nimmt Stellung zum Amoklauf in München. (23. Juli 2016) «Es zerreisst einem fast das Herz», sagt Innenminister Thomas Thomas De Maizière. «Warum?»: Eine Frau zündet eine Kerze für die Opfer an. (23. Juli 2016) Neben den Kerzen werden auch Blumen niedergelegt. (23. Juli 2016) Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft zu einer Sondersitzung in Berlin ein. (23. Juli 2016) Die Spurensuche am Tatort geht am Samstag weiter. (23. Juli 2016) Der Täter handelte alleine: Polizeipräsident Hubertus Andrä informiert die Medien an einer Pressekonferenz. (23. Juli 2016) Der Schock sitzt auch einen Tag nach dem Anschlag tief: Fahnen in Berlin auf halbmast. (23. Juli 2016) Die Polizei durchsucht die Wohnung des Täters. (23. Juli 2016) Die Polizei sperrte die U-Bahn-Station Olympia Einkaufzentrum ab. (23. Juli 2016) Trauer um die Opfer: Eine Frau zündet eine Kerze in der Nähe der Bahnstation beim Olympia Einkaufszentrum. (23. Juli 2016) Die Polizei geht mittlerweile von einem Einzeltäter aus. Er soll sich selber gerichtet haben. Zuvor war die Polizei aufgrund von Augenzeugenberichten von bis zu drei Tätern ausgegangen. (22. Juli 2016) Die Zahl der Toten ist auf neun gestiegen. Zudem gab es 21 Verletzte – darunter auch Kinder und Jugendliche. Ein 14-jähriger Albaner war zum Zeitpunkt der Schüsse im Einkaufszentrum. Er soll schwer am Hals verletzt worden sein und sich in Lebensgefahr befinden, berichtet ein kosovarisches Newsportal. Kurz nach 1.30 Uhr nachts gaben die Ermittler vorsichtige Entwarnung. Die Polizei soll das Auto des Täters sichergestellt haben. Am Tatort ist nach Polizeiangaben eine männliche Leiche gefunden worden. Lange war nicht klar, ob es sich um ein Opfer oder den Täter handelte: Polizeiautos und Ambulanzen in der Nähe des Tatortes. Neben dem Toten wurde ein Rucksack gefunden: Mehrere Ambulanzen standen im Einsatz. Kanzleramtsminister Peter Altmaier sagt in der ARD, man könne nicht ausschliessen, dass die Tat einen terroristischen Bezug habe. Bestätigt werden könne dies aber ebenfalls nicht: Ein gepanzertes Polizeifahrzeug. Ein Polizist sichert eine Strasse in der Nähe des Tatortes. Die Polizei hat Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern angefordert, darunter die GSG9 der Bundespolizei: Spezialeinheiten der Polizei treffen in München ein. Polizisten durchsuchen einen Mann ausserhalb des Einkaufszentrums. (22. Juli 2016) Ein gesperrter Eingang zum Hauptbahnhof. In München lief eine grossangelegte Tätersuche. Die Polizei eskortiert Personen beim Verlassen des Einkaufszentrums. Viele Personen, die aus dem Einkaufszentrum evakuiert werden, laufen mit erhobenen Händen. Auch die Gegend um den Stachus Platz wird gesichert. Ein Sondereinsatzkommando blockiert die Strasse nahe der Universitätsklinik. Die Polizei sichert die Gegend um den Hauptbahnhof von München. Ein Polizist im Einsatz vor dem OEZ. Auch Polizisten mit Skimasken sind zu sehen. Die deutsche Bevölkerung wird gewarnt und soll nicht rausgehen: Beim Meldesystem «Katwarn» ist München markiert. Schwer bewaffnete Polizeibeamte vor dem Olympia-Einkaufszentrum. Die Polizei ist mit Spezialausrüstung ausgestattet. Polizeibeamte durchsuchen das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Polizisten eilen zum Tatort. Die Lage war über Stunden unübersichtlich, es war von mehreren Toten und Tätern die Rede. Der komplette öffentliche Verkehr stand still, Taxifahrer wurden dazu angehalten, keine Fahrgäste mehr aufzunehmen. Die Polizei warnte die Bevölkerung, zuhause zu bleiben und die Strassen zu verlassen. Aufgrund von Augenzeugenberichten ging man zunächst von bis zu drei Schützen aus. Die Polizei riegelte das Gebiet rund um das Shoppingcenter komplett ab. Die ersten Meldungen waren um kurz vor 18:00 Uhr eingetroffen. Demnach seien die ersten Schüsse bei einem McDonald's-Schnellrestaurant gefallen, sagte die Polizeisprecherin. Nach dem Angriff befanden sich noch Menschen in dem Einkaufszentrum. Die Mitarbeiterin einer Drogeriekette berichtete, es seien zahlreiche Schüsse gefallen. Polizisten sichern einen U-Bahn-Eingang nahe des Einkaufszentrums. Bewaffnete Beamte im Shoppingzentrum. Die Polizei war mit allen verfügbaren Einsatzkräften mit Unterstützung von Spezialeinheiten, der Bundespolizei und benachbarten Präsidien im Einsatz. Die Münchner Verkehrsgesellschaft stellte den öffentlichen Nahverkehr ein. Der Aufenthaltsort der mutmasslichen Täter war kurz nach den Schüssen unbekannt. Das Spital Schwabing - das in der Nähe des Olympia-Einkaufszentrums liegt - und weitere Kliniken bereiteten sich auf die Aufnahme von Verletzten vor. Nach den Schüssen ist am Freitagabend der Hauptbahnhof der bayerischen Landeshauptstadt evakuiert worden. Über Twitter appellierte die Polizei an die Bevölkerung: «Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit.» Polizeihelikopter über München.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Zu Ihrer Sicherheit Plätze und Strassen meiden, Täter flüchtig, Bahn und Busverkehr eingestellt, Radio und Fernseher einschalten.» Diese Warnung erhielten Münchner während des Amoklaufs von David Ali S. über das Warnsystem «Katwarn». Bei diesem können sich Nutzer in Deutschland per SMS oder App vor Gefahren wie Amokläufen oder Terroranschlägen warnen lassen.

Umfrage
Wie soll der Bund am ehesten bei Terror-Attacken oder Amokläufen warnen?
33 %
10 %
7 %
9 %
0 %
0 %
3 %
31 %
7 %
Insgesamt 4958 Teilnehmer

Ein solches System fehlt bis anhin in der Schweiz – dieses Manko will der Bund jedoch beheben. «Wir sind daran, ein Warnsystem zu evaluieren», sagt Fedpol-Sprecherin Anne-Florence Débois. Seit Mai 2016 ist das Fedpol auf Twitter aktiv. «Der Amoklauf von München hat gezeigt, wie man Twitter effizient benützen kann. Für Krisenereignisse wie einen Terroranschlag kann auch fedpol Twitter nutzen, es ist in der Krise ein sehr effizienter Kanal.»

60'000 lassen sich bei Entführungen warnen

Nun prüfe man weitere Möglichkeiten, wie die Bevölkerung informiert werden könne. «Das kann zum Beispiel ein SMS-Service sein. Man sollte dies aber auf die Wirksamkeit und Effizienz prüfen.» Ob das System lanciert wird und wie es genau aussehen würde, sei momentan noch Gegenstand der Evaluation.

Bereits seit 2010 kann man sich per SMS bei Kindsentführungen warnen lassen – laut Débois haben sich 60'000 Personen für den Dienst registriert. Für Katastrophenfälle gibt es vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz die App «Alertswiss», die Handlungsanweisungen für diverse Notlagen wie Erdbeben, Hochwasser oder AKW-Unfälle bietet – nicht aber für Amokläufe oder Terroranschläge.

«Bund könnte SMS an alle Handys schicken lassen»

Die momentan beste Lösung ist laut Telecom-Experte Ralf Beyeler vom Vergleichsportal Verivox ein SMS-Alarm. Eine Registrierung für einen SMS-Service sei eine Möglichkeit. «Der Bund könnte aber auch im Ernstfall die Mobilfunkbetreiber anweisen, ein SMS an alle Handys zu verschicken, die in einer gewissen Region im Handynetz eingeloggt sind.» Dazu müssten die Mobilfunkanbieter aber zuerst ein entsprechendes Tool programmieren.

Per SMS müssten die Nachrichten zudem nacheinander an jeden Empfänger verschickt werden. Auch sei man auf ein funktionierendes Handynetz angewiesen. «Gerade bei einer Extremsituation wie einer Terrorattacke kann dies zu Problemen führen, denn jeder kontaktiert seine Angehörigen, das Netz ist ohnehin schon stark belastet.»

Bei einer App könne man die Nutzer zwar gleichzeitig kontaktieren, aber der Nutzer müsse zuerst die App installiert haben, und auch hier sei man aufs Handynetz angewiesen. Auch das deutsche Katwarn-System sei an seine Grenzen gekommen, weil gleichzeitg vor Unwettern und dem Amoklauf in München gewarnt wurde.

«Cell Broadcasting» als Alternative

Eine weitere Möglichkeit ist gemäss Beyeler der so genannte Cell Broadcast (CB), mittels dem Netzbetreiber Nachrichten an alle Geräte schicken können, die in einen Mobilfunkmasten eingeloggt sind. Das System wird in Japan zur Erdbebenfrühwarnung verwendet, und in den USA warnten die Behörden während des Boston-Marathon-Anschlags oder dem Hurricane Sandy die Bevölkerung per CB-Nachricht.

«Technisch gesehen wäre dies die beste Lösung, weil sie das Mobilfunknetz nur minimal beansprucht und alle Mobilfunknutzer in einer bestimmten Region gewarnt werden», sagt Beyeler. Die allermeisten Handys könnten heute bereits CB-Nachrichten empfangen. «Der Nutzer müsste allerdings einen entsprechenden Kanal aktivieren oder die Hersteller müssten diesen standardmässig freischalten, was Apple oder Google wohl nur bei einer gesamteuropäischen Lösung machen würden.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ib am 25.07.2016 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ch system

    Nicht neu erfinden... Nehmt ein bestehendes System, sonst kostet uns die Bundeslösung ein Vermögen Und es geht dann nicht!!!einfach und unkompliziert

  • BÄÄGU am 25.07.2016 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brauchten wir nicht

    Dass sinnvollste wurde verpasst durch undere Politiker. Wer wollte die Asylsuchenden aufnehmen? Ohne die, brauchten wir uns diese Gedanken nicht zu machen. Wilkommen in der Realität.

    einklappen einklappen
  • bareu am 25.07.2016 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Investiert lieber in Rückführungen,

    anstatt in Warnsysteme. Oder sollen wir hier deutsche Verhältnisse bekommen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Waterpolo1s am 14.08.2016 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich und ich hoffe ..

    Endlich . es wurde Zeit! Hoffentlich machen dies alle Länder.

  • Schnauze Voll am 27.07.2016 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    was sollen wir noch alles zahlen?

    Bund sollte nicht prüfen wie zusätzlich Geld verprasst werden kann, Bund soll endlich die Grenze für gewisse Leute dicht machen. Solange wir Steuerzahler ohne zu muggen diesen Mist zahlen kommt denen immer was neues in den Sinn.

  • LeoLU am 25.07.2016 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja Meldung, nein SMS!

    SMS können von jeder beliebigen Gerät direkt oder über GSM-Netz gesendet werden. D.h. keinen Kontrolle über die Quelle. Zusätzlich, an welche Nummer muss diese Nachricht gesendet werden? Ich würde aber eine APP begrüssen, welche z.b. eine Push-App-Nachricht zeigt. Diese APP muss aber ehrlich sein und für den Nutzer bzw. Schweizer aufgebaut werden. Also keine staatliche Kontrolle oder Datensammlung und keine blöden Aktualisierungen. Das ist möglich. Also CH, sei vorbildlich!

  • Simba74 am 25.07.2016 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jetzt

    was heisst prüfen? MACHEN ;-)

    • Pirat2222 am 25.07.2016 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Simba74

      Keine Hektik. Jetzt denkt man drüber nach, dann wird in 5 Jahren schon ein Projektteam damit beauftragt. Dann wird auf alter Technik programmiert und bei ersten Testversuchen bemerkt, dass es nicht funktioniert. Dann folgt der Nachttagskredit, die Neuprojektierung, die Änderungen / Anpassungen an die neue politische Lage, etc. und schlussendlich, nach nur 15 Jahren (und 100 Millionen CHF verbratener Steuergelder), ist es fertig und wird nicht mehr gebraucht.

    einklappen einklappen
  • BobOfOz am 25.07.2016 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorhandene Technik

    Cell broadcast! Weil es morgen schon eingeschaltet werden kann, praktisch nichts kostet, die Netze nicht überlastet und auch von Touristen empfangen wird.