Bessere Integration

19. September 2018 05:41; Akt: 19.09.2018 05:41 Print

Bund soll den Lohn für Flüchtlinge mitbezahlen

von A. Peterhans/B. Zanni - Damit Flüchtlinge leichter einen Job finden, sollen Unternehmen Geld vom Bund erhalten. Bürgerlichen Politikern geht das zu weit.

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Nur 25 Prozent der knapp 100'000 Flüchtlinge und vorläufig aufgenommenen Personen hatten laut einem neuen Bericht des Staatssekretariats für Migration (SEM) 2017 einen Job. 85 Prozent waren im Jahr 2016 auf Sozialhilfe angewiesen. Laut Eduard Gnesa, Beauftragter für Flüchtlinge und Wirtschaft beim Bund, haben 32 Prozent der Flüchtlinge nach fünf Jahren einen Job. «Das ist zu wenig.» Um Flüchtlinge besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, hat das SEM einen Massnahmenkatalog erstellt (siehe Box).

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Eine Massnahme sieht vor, dass Bund und Kantone unter Einbezug der Sozialpartner Einarbeitungszuschüsse oder Teillohnmodelle prüfen und einführen. So sollen Arbeitgeber einen grösseren Anreiz haben, einen Flüchtling einzustellen. «In gewissen Branchen gehen Unternehmen bei der Anstellung ein Risiko ein, wenn unsicher ist, ob die Qualifikation auch genügt», sagt Gnesa. Somit würden Unternehmen oft zu Beginn der Anstellung nicht die branchenüblichen Löhne auszahlen wollen.

«Effort von Arbeitgeber und Bund fehlt»

Ein Vorzeigemodell sei etwa der Kanton Graubünden. Während maximal zwei Jahren können dort Arbeitgeber einen Flüchtling zu einem branchenüblich geringeren Lohn einstellen, wenn die Beschäftigung mit einer Ausbildungskomponente verbunden ist. Ein Vorbild sei auch Schweden, wo die Qualifikationen von Flüchtlingen schneller abgeklärt würden.

Auch Politiker von Mitte-links fordern mehr finanzielle Ressourcen vom Bund, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. SP-Nationalrat Cédric Wermuth kritisiert, dass Menschen lange in einer prekären Lage gehalten werden. «Viele Menschen bleiben regelrecht in der Sozialhilfe hängen, durch zu viele Hürden für den Berufseinstieg. Das darf nicht sein.» Von Bund und Kantonen müssten mehr finanzielle Mittel eingesetzt werden. Dagegen würden sich unsinnigerweise vor allem Wirtschaftsverbände wehren, sagt Wermuth.

Auch Markus Ritter (CVP) unterstützt staatliche Zuschüsse: «Die Zuschüsse sind wichtig, um den Übergang in die Berufswelt zu ermöglichen.» Die Schweiz nehme auf Basis ihrer humanitären Tradition Flüchtlinge auf. «Wenn wir diese Flüchtlinge aufnehmen, müssen wir sie aber auch in unsere Gesellschaft und Wirtschaft erfolgreich integrieren.» Dabei müsse jedem Flüchtling klargemacht werden, dass man es in der Schweiz nur durch harte Arbeit zum Erfolg bringe. «Denn viele Flüchtlinge kommen mit sehr wenig Bildung und Berufserfahrung in die Schweiz.»

«Schweizer dürfen nicht leer ausgehen»

Bürgerliche Politiker wollen die Bundesgelder nicht antasten. «Der Bund hat die Integrationspauschale bereits massiv ausgebaut», sagt Franz Grüter (SVP). Jeden Monat würden 4000 Schweizer ausgesteuert, weil sie keine Arbeit mehr fänden. «Bevor der Bund Förderprogramme für Flüchtlinge ins Auge fasst, sollte er dafür sorgen, dass nicht die Menschen im eigenen Land leer ausgehen.»Grüter favorisiert eine Kürzung der Sozialhilfe für vorläufig aufgenommene Flüchtlinge. «Erhalten sie weniger Sozialhilfe, sind sie auch eher bereit, die Schweiz wieder zu verlassen.»

Auch FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler sagt, die Unternehmer wüssten nicht, ob ein Flüchtling auch bleibe und sich die Investition lohne. «Unternehmer fordern Fachwissen und Leistung, um einen Lohn auszuzahlen.» Dieser Lohn dürfe aber nicht vom Staat kommen. Stattdessen solle ein Flüchtling die gleichen Qualifikationen erreichen können wie ein Schweizer. Dafür setze man sich etwa mit der Flüchtlings-Vorlehre auch ein.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pitt am 19.09.2018 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integration falsch.

    Es sind Flüchtlinge wir haben Ihnen geholfen und wenn die Situation in Ihrem Land stabil ist, sollen Sie die Schweiz wieder verlassen. Punkt! Integration ist der falsche Weg.

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  • Maler50 am 19.09.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zuerst

    Sorry,aber diese Idee sollte zuerst einmal beim Schweizer Arbeitslosen eingesetzt werden wenn überhaupt. Es gibt viele vorallem älter Arbeitslosen die keine Stelle erhalten mit der Begründung Sie seien wegen der Lohnnebenkosten zu teuer,hier könnte der Staat einen Teil bezahlen.

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  • ChrisW am 19.09.2018 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    Und die restlichen Arbeitslosen

    Wieso kam noch niemanden in den Sinn, dies für die über 50-Jährigen und die Ausgesteuerten zu tun?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau Schweizer am 19.09.2018 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht jetzt!

    Was heisst denn da "der Bund"? Seit wann hat der Geld welches nicht vom Steuerzahler kommt? Es ist heute beim Bund offenbar nicht mehr der Brauch, dieses Geld haushälterisch und mit Verstand und Verantwortungsbewusstsein auszugeben und schon gar nicht mehr für die, welche es erarbeitet haben. Jetzt platzt mir aber der Kragen wirklich! Die Quittung, Herr Wermuth und Konsorten, wird folgen, einmal ist dann aber genug!

  • Sylvie Koller am 19.09.2018 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Selbsbestimmung - Ich mag wen ich will !

    Diese ständige Bevorzugung der Ausländer ist nicht mehr auszuhalten. Kein Geld für unsere Rentner, die das Land aufgebaut haben aber jede Menge Arbeitskräfte und Geld für die, die nichts für unser Land tun wollen. Ich nehme mir ab jetzt das Recht heraus, Ausländer nicht mehr einfach zu mögen, bevor sie nicht etwas geleistet haben. Es ist mein Grundrecht, dass ich nicht jeden mögen muss. Wenn ich das nicht mehr selber bestimmen darf, dann leben wir nicht mehr in einem freien demokratischen Land.

  • Keroma am 19.09.2018 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst die SchweizerInnen in Not

    Wieso wird wieder zuerst auf die Migranten geschaut? Es sieht so aus, als 'arbeiten' die in Bern Tag und Nacht an Ideen, wie sie diese Leute hier behalten können, statt Schweizern in Not (Arbeitslose, Ausgesteuerte, Rentner etc) zu helfen. Die Wirtschaftsmigranten sollen wieder gehen, sobald es irgendwie möglich ist. Daran sollten die in Bern arbeiten.

  • Seiler am 19.09.2018 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Darf's sonst noch was sein?

    Kaum Steuern bezahlen und jetzt auch noch Gratis Arbeiter? Sie werden immer dreister diese Unternehmen!

  • Wieso nicht am 19.09.2018 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ja!

    Bezahlen wir doch gleich alle Löhne aus Bundes- und Staatskasse! Wir sind bereits auf dem besten Weg dazu....