Verschlüsselung

23. September 2019 12:00; Akt: 23.09.2019 12:06 Print

Bund soll bei Whatsapp und Threema mitlesen

FDP-Ständerat Josef Dittli will verhindern, dass sich Kriminelle auf Messengerdiensten vernetzen. «Naiv», sagt IT-Anwalt Martin Steiger.

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In Deutschland steht für die Bekämpfung von organisiertem Verbrechen, Terroristen und anderen Kriminellen eine Gesetzesänderung zur Diskussion, die den Behörden verschlüsselte Nachrichten zugänglich machen soll. Die Idee: Messenger-Dienste wie Whatsapp, Threema oder Telegram sollen gezwungen werden, auf richterliche Anordnung hin die Chats ihrer Kunden zu speichern und unverschlüsselt an Behörden zu schicken. FDP-Ständerat Josef Dittli fordert den Bundesrat nun auf, zu prüfen, ob eine ähnliche Option auch für die Schweiz Sinn macht. «Es geht nicht an, dass Kriminelle, Terroristen oder Schlimmeres ein undurchdringbares Netzwerk unterhalten, das dazu dient, ihren Machenschaften zum Durchbruch zu verhelfen», sagt Dittli. Die Verschlüsselungstechnologie ist eine der wichtigsten Mechanismen, um die Sicherheit im digitalen Raum zu gewährleisten», sagt Anwalt und IT-Experte Martin Steiger. Es wäre «vollkommen naiv» zu glauben, dass Hacker die für den Bund eingebauten Hintertüren nicht verwenden würden, um bisher verschlüsselte Chats und Telefonate von Schweizer Benutzern von Messenger-Diensten abzuhören, sagt Steiger. «Das wäre, als ob man sagen würde, man darf die Haustür nicht mehr schliessen, damit die Polizei ins Haus kommen kann. Alle anderen kommen dann auch einfach rein.» Auch der Geschäftsführer der Schweizer Firma Threema, Martin Blatter, ist der Ansicht, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kein Sicherheitsrisiko für die Schweiz darstellt – im Gegenteil: «Sie schützt Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen vor Cyberangriffen, Spionage und Identitätsdiebstahl.» Eine Aufweichung der Verschlüsselung käme für Threema deshalb unter keinen Umständen in Frage, so Blatter. «Wir sind nicht bereit, irgendwelche Kompromisse bezüglich Sicherheit, Vertraulichkeit der Kommunikation und Datenschutz einzugehen.»

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In verschlüsselten Chats tummeln sich neben rechtschaffenen Nutzern, die auf ihre Privatsphäre bedacht sind, auch das organisierte Verbrechen, Terroristen und andere Kriminelle. Ende 2017 deckte die Polizei in Lörrach (D) etwa einen Kinderporno-Ring auf, bei dem die rund 60 Tatverdächtigen illegale Bilder und Videos per Whatsapp untereinander austauschten. In Deutschland steht nun auch für die Bekämpfung solcher Straftaten eine Gesetzesänderung zur Diskussion, die den Behörden solche verschlüsselten Nachrichten zugänglich machen soll.

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Sollen die Behörden bei Whatsapp und Co. mitlesen dürfen?

Die Idee: Messenger-Dienste wie Whatsapp, Threema oder Telegram sollen gezwungen werden, in ihrer Software eine Hintertür einzubauen, um auf richterliche Anordnung hin die Chats ihrer Kunden zu speichern und unverschlüsselt an Behörden schicken zu können. FDP-Ständerat Josef Dittli fordert den Bundesrat nun auf, zu prüfen, ob eine ähnliche Option auch für die Schweiz Sinn macht. «Es geht nicht an, dass Kriminelle, Terroristen oder Schlimmeres ein undurchdringbares Netzwerk unterhalten, das dazu dient, ihren Machenschaften zum Durchbruch zu verhelfen», sagt Dittli.

Er erkenne zwar, dass eine entsprechende Regelung grössere Auswirkungen auf die ganze Bevölkerung hätte. «Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass hier eine Problematik besteht», sagt Dittli. Als Präsident der ständerätlichen Sicherheitspolitischen Kommission erwarte er vom Bundesrat nun eine umfassende Lagebeurteilung.

Kriminelle nutzen Lücken aus

Dittli lasse in seiner Interpellation durchblicken, dass er das Gefühl habe, dass der Bevölkerung durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein erhöhtes Risiko drohe, sagt Anwalt und IT-Experte Martin Steiger. «Das ist grundlegend falsch: Die Verschlüsselungstechnologie ist eine der wichtigsten Mechanismen, um die Sicherheit im digitalen Raum zu gewährleisten.» Sie schütze sowohl Behörden und Organisationen als auch Journalisten, Anwälte und alle anderen Menschen vor unberechtigten Zugriffen von Kriminellen oder ausländischen Behörden.

Es wäre «vollkommen naiv» zu glauben, dass Hacker die für den Bund eingebauten Hintertüren nicht verwenden würden, um bisher verschlüsselte Chats und Telefonate von Schweizer Benutzern von Messenger-Diensten abzuhören, sagt Steiger. «Das ist, wie wenn man die Haustür nicht mehr schliesst, damit die Polizei ins Haus kommen kann. Alle anderen kommen dann auch einfach rein.» Hinzu kommt, dass ICT-Unternehmen in der Schweiz international ein hohes Vertrauen geniessen würden. Steiger: «Daher muss sich der Bund für einen Aus-, nicht für einen Abbau der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung starkmachen.»

«Keine Kompromisse bezüglich Datenschutz»

Auch der Geschäftsführer der Schweizer Firma Threema, Martin Blatter, ist der Ansicht, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kein Sicherheitsrisiko für die Schweiz darstellt – im Gegenteil: «Sie schützt Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen vor Cyberangriffen, Spionage und Identitätsdiebstahl.» Aus diesem Grund würde beispielsweise auch die ganze Schweizerische Bundesverwaltung auf die Technologie von Threema setzen. Für Inhalte, die als «vertraulich» klassifiziert sind, ist der Gebrauch von Threema Pflicht.

Eine Aufweichung der Verschlüsselung käme für Threema deshalb unter keinen Umständen infrage, so Blatter. «Wir sind nicht bereit, irgendwelche Kompromisse bezüglich Sicherheit, Vertraulichkeit der Kommunikation und Datenschutz einzugehen.» Darüber hinaus würden die Nachrichten bei Threema vom Nutzer selbst und nicht vom Unternehmen verschlüsselt. «Daher wäre es uns gar nicht möglich, Nachrichten unverschlüsselt an Behörden auszuhändigen.»

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 23.09.2019 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Nein!

    Fertig mit dieser Staatszwängerei! Ander Probleme lösen können sie nicht,unfähig! Stuhl räumen!

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  • Michel am 23.09.2019 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wort zum Montag

    Hiobsbotschaft vom Montag 23/09/2019. Datenschutz? Gibt es schon lange nicht mehr.

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  • _timamsler_ am 23.09.2019 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nichts neues

    und für die die es nicht wissen, mitgelesen und abgehört wird schon lange. Noch nie aufgefallen das die Werbung nach euren Gesprächen sich um das Thema handelt das ihr besprochen habt? Achtet mal darauf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nos4127 am 24.09.2019 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher nicht

    Es ist ja nicht so, als ob ich etwas zu verbergen hätte, aber ich werde nicht Tür und Tor für jeden mit ein bisschen mehr als Basiswissen in der IT öffnen. Sollte es so weit kommen, kann man zum Glück auf Alternativen setzen, da wird nicht die ganze Welt mit ziehen. Und selbst wenn, würde es noch ein paar Whitehats, Cryptographen oder Aktivisten geben, die diese Technik "illegal" zur Verfügung stellen würden. Auf jeden Fall hätte mich in diesem Fall jeder Dienst, der diese Daten zur Verfügung stellt, gesehen.

  • David Rüegg am 23.09.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Die Scheinheiligkeit des Herr D.

    Ja der Herr Dittli... im Internet den gläsernen Bürger schaffen wollen aber wenn es um Parteienfinanzierung oder Transparenz bei privaten Mandaten von Politikern geht ist Geheimhaltung plötzlich erste Priorität.

  • Vic Door am 23.09.2019 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Threema, gähn...

    Immer wieder liest man in dieser "Zeitung" von Threema und wie toll das Programm sei. Dabei ist es international ein totaler Aussenseiter und zudem auch nicht Open Source. Der Messenger Signal macht hier einiges besser und wird auch international von Experten empfohlen.

  • AreSee am 23.09.2019 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Idee

    Die einen basteln ein Datenschutzgesetz zusammen dass massiv über die Stränge schlägt, dann kommt die Möchtegern-weiss-alles-besser-Schweiz daher und will mit stumpfsinnigen, ja überaus disinformativen Ideen das Gegenteil bewirken. Sagt mal, manch ein Politiker ist schon zu hart auf den Kopf gefallen, oder?

  • Korruptus Maximus am 23.09.2019 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So einer

    Als "Präsident der ständerätlichen Sicherheitspolitischen Kommission " weiss er schon ernüchternd wenig. Das war für mich die letzte Schrei auch für die FDP. Jetzt kann ich niemand wahlen