Bund warnt

18. Februar 2019 06:00; Akt: 18.02.2019 12:47 Print

Bewerber fliegt mit Fake-Lehrabschluss auf

von P. Michel - Auf ausländischen Websites sind Fake-Lehrabschlüsse nur einen Klick entfernt. Ein Schweizer Bewerber ist nun aufgeflogen. Der Bund reagiert.

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Rund 60'000 Lernende können jährlich nach erfolgreichem Lehrabschluss stolz ihr Diplom abholen. Auf den roten Umschlägen der Fähigkeitszeugnisse und der Berufsatteste prangt das Schweizerkreuz, im Innern des Büchleins sind auf einem Papier mit verschiedenen Wasserzeichen der Lehrberuf und der Lehrbetrieb sowie auf einem separaten Blatt die Noten aufgeführt.

Begehrt sind diese Diplome auch bei jenen, die sie gar nicht haben dürften: Das Dienstleistungszentrum für Berufsbildung und Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung SDBB warnt in seinem aktuellen Newsletter vor gefälschten Lehrabschlusszeugnissen. Es sei ein Fall bekannt, wonach sich eine Person mit einem gefälschten Diplom beworben habe. Erstellt worden sei das Fake-Diplom mithilfe einer ausländischen Website, die entsprechende Vorlagen und Abfüllmasken zur Verfügung stelle.

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Ein Fähigkeitszeugnis für 9,99 Dollar

Tatsächlich lassen sich entsprechende Zeugnisgeneratoren im Netz mit wenigen Klicks finden. Eine US-Firma bietet beispielsweise für 9,99 Dollar «Reproduktionen nach aktueller Vorlage» für EFZ-Zeugnisse an. Alle nötigen Felder sind vorhanden: Notenausweis, Daten zum Lehrbetrieb, Leerräume für Unterschriften. Auch an praktischen Tipps mangelt es nicht: Der Anbieter empfiehlt leicht gelbliches 120-Gramm-Papier.

Ob der Bewerber, der beim Bund mit einem Fake-Zeugnis aufgeflogen ist, sein Diplom mit Hilfe der US-Seite erstellt hat, möchte das SDBB aus Angst vor Nachahmern nicht bestätigen. «Unser Ziel ist die Sensibilisierung der Betriebe durch die Warnung im Newsletter», sagt Stefan Krucker, Leiter Kommunikation beim SDBB. Sicher ist: Der Bewerber muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Das Fälschen von Ausweisen ist ein Offizialdelikt, das bis mit bis zu drei Jahren Freiheitsentzug bestraft wird.

Anzahl echter Diplome wird abgezählt

«Die echten Ausweise haben im Unterschied zu den gefälschten ein Wasserzeichen mit Schweizerkreuzen in unterschiedlicher Grösse», erklärt Krucker. Das Recht zur Benutzung des Wasserzeichens liege weltweit allein beim SDBB, das von Bund und Kantonen finanziert wird. «Für Druck und Vertrieb ist eine von uns beauftragte Druckerei zuständig», so Krucker. Dort gälten spezifische Sicherheitsmassnahmen: «Die gedruckten Ausweise werden genau abgezählt, sämtliche Makulaturen werden vernichtet, die Lagerung erfolgt in einem geschützten Bereich und die Auslieferung erfolgt nur gegen Unterschrift.»

Arbeitgebern oder Ausbildungsanbietern, die Zweifel an der Echtheit eines Zeugnisses hätten, das ja meistens als Fotokopie oder Scan eingereicht werde, rät Krucker: «Sie sollten die Echtheit anhand des Originaldokuments überprüfen, beispielsweise anlässlich des Vorstellungsgesprächs.»

Kaum Massnahmen gegen Anbieter möglich

Gegen ausländische Anbieter von Fake-Zeugnissen können der Bund oder betroffene Firmen kaum aktiv werden. «Die internationale Rechtshilfe in Strafsachen ist aufwendig, und allenfalls handelt es sich je nach Land nicht einmal um eine Straftat», erklärt Rechtsanwalt Martin Steiger. Hinzu kommt, dass die Anbieter in ihren Geschäftsbedingungen geschickt jegliche Haftung ablehnen. Der US-Anbieter etwa hält fest, dass es sich um «Spassdiplome» handle, die «in juristischer Hinsicht weit entfernt sind von einer originalen Urkunde». Das Ausdrucken sowie eine weitere Verwendung erfolgten ausschliesslich in Eigenverantwortung des Kunden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • roger miller am 18.02.2019 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    na

    na solche papiere sind nicht neues,möchte nicht sehen was für doktor titel und andere aus der EU nicht korrekt sind oder gekauft,kennen ja beispiele von gefälschten arbeiten.

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  • Peter Meier am 18.02.2019 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bestrafen und registrieren

    Wenn man diese Webseitenbetreibwr nicht Belangen kann, dann zumindest die Nutzer solcher illegalen Papiere. Diese zentral registrieren und Strafanzeige wegen Betrug, Urkundenfälschung und Vorspiegeln falscher Tatsachen. Mit Eintrag ins Strafregister.

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  • Remo am 18.02.2019 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Cool, danke für den Tipp :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • martin am 19.02.2019 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Gruss aus Thailand

    huerä wichtig! ist doch egal ob ihr ein diplom habt oder nicht, arbeitet und geht mit der pension weg aus der schweiz :) z.b. nach Thailand...

  • Dani S. am 18.02.2019 21:59 Report Diesen Beitrag melden

    Funktionierte bei mir super

    Weil ich die Abschlussprüfungen zum Sportlehrer nicht schaffte besorgte ich mir gefälschte Diplome und arbeitete damit 20 Jahre ohne Probleme in mehrere Sportschulen und habe auch jetzt wieder problemlos neue Stelle bekommen.

  • Dr. MBA Bsc. Peter am 18.02.2019 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Lehrabschluss

    Tja man sagt ja, dass ein Lehrabschluss nicht mehr das gleiche ist wie früher.

  • P. Erson am 18.02.2019 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    Man kann schon, wenn man will

    handelt es sich je nach Land nicht einmal um eine Straftat. Nun, die CH-Banken haben auch nicht gegen CH-Recht verstossen, sondern gegen US-Recht....sie alle wurden gebüßt. Man kann jeden gegen die eigenen Rechte einklagen und mit einem intl. Haftbefehl suchen lassen. Aber man muss es wollen. Und da liegt bei der CH der Hund begraben. Die CH-Justiz will einfach nicht

  • Hitman47 am 18.02.2019 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich könnte mir vorstellen das einer ein Fähigkeitzeugnis als Influencer bestellt hat und daher aufgeflogen wahr