Kopfweh wegen WLAN?

26. August 2013 17:21; Akt: 26.08.2013 17:32 Print

Bund will Elektrosmog in Wohnung messen

Während über die Strahlung von Handyantennen gestritten wird, weiss keiner, wie stark wir im Büro und zu Hause bestrahlt werden. Jetzt prüft der Bund ein neues Messsystem.

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Strahlensensible Menschen glauben, sie werden durch Elektrosmog krank. (Bild: Colourbox)

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Handys, Rasierapparate, der PC, die Lampe oder das WLAN fürs Internet: Wir werden im Schlafzimmer, der Stube und im Büro ständig bestrahlt. Elektrosensible Menschen sind sich sicher, dass sie davon Kopfschmerzen, Gleichgewichts- und Schlafstörungen bekommen.

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Die Forschung ist sich zwar uneins, ob diese Symptome tatsächlich vom Elektrosmog herrühren. Wissenschaftlich belegt ist aber, dass bestimmte Strahlung den Körper erwärmen und das Nervensystem beeinflussen kann. Doch nicht einmal der Bund weiss, wie stark die Strahlenbelastung in Schweizer Haushalten und Büros tatsächlich ist.

Dies soll sich jetzt ändern: Der Bund studiert gegenwärtig Möglichkeiten für systematische Messungen. «Es gibt Absichten, ein Monitoring aufzubauen. In Zukunft soll die Gesamtbelastung durch alle Quellen erfasst werden», bestätigt Jürg Baumann, Sektionschef Nichtionisierende Strahlung beim Bafu.

Strahlen interagieren mit dem Nervensystem

Auch ETH-Experte Gregor Dürrenberger von der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation (FSM) spricht sich für umfassendere Messungen aus. «Ein sinnvolles Monitoring sollte eine Privatperson während 24 Stunden mit Sensoren ausstatten und die Immissionen aufnehmen.» Zwar kennt die Schweiz heute einen gesetzlichen Elektrosmog-Grenzwert von 4 oder 6 Volt pro Meter für Mobilfunk und Regelungen für die Stromversorgung, elektrische Eisenbahnen, Mobilfunkantennen, Radio- und Fernsehsendern oder Radars. Die privaten Strahlenquellen werden aber nicht erfasst.

Dabei kommt diesen eine grosse Rolle zu: «Der hausgemachte Elektrosmog ist beim durchschnittlichen Bürger grösser als der öffentlich erzeugte», ist Markus Lauener, Präsident des Dachverbandes Elektrosmog Schweiz und Liechtenstein, überzeugt. «Man wird vom Fernseher, WLAN und Kabellostelefon des Nachbarn bestrahlt. Dazu kommen die eigenen Geräte.»

Sollten die Messungen vom Bund kritische Werte erzielen, ist für ihn klar, was passieren muss: «Auf jedem Haushaltsgerät muss stehen, wie viel Strahlung es abgibt.» Die heutigen Grenzwerte seien nach wirtschaftlichen, statt nach wissenschaftlichen Kenntnissen festgelegt worden. Peter Schlegel, ETH-Ingenieur und Vertreter von Elektrosensiblen, will in Privatwohnungen wegen WLANs allein 1,5 Volt pro Meter gemessen haben.

Dringender Regelungsbedarf

Für Hans-Ulrich Jakob von Gigaherz, einer Fachstelle für nichtionisierende Strahlung, sind solche Messungen alarmierend: «Ich befürchte, dass viele Menschen in Büros unter Elektrosmog leiden, ohne es zu wissen.» Da die Strahlen eine generelle Schwächung des Immunsystems verursachten, sei eine Anfälligkeit für verschiedenste Krankheiten die Folge.

Die Grüne Nationalrätin Yvonne Gilli will darum das Thema bald wieder auf das politische Parkett bringen: «Es gibt einen dringenden Regelungsbedarf bei körpernahen Geräten. Noch immer existieren keine Grenzwerte für Induktionsherde und Co.» Sie plant die zuständigen Ämter zu kontaktieren, um gemeinsam einen Vorstoss zu formulieren. Zudem müssten die Bürger aufgeklärt werden: «Die Bevölkerung weiss zu wenig darüber, wie sie durch sinnvolles Stellen und Nutzen im Raum das Ausgesetztsein gegenüber Elektrosmog reduzieren kann.»

Bis wir wissen, wie viel Strahlung wir täglich ausgesetzt sind, dürfte aber noch Zeit vergehen. Allein der Aufbau eines Messgeräteparks für das Monitoring des Bundes wird gemäss Jürg Baumann vom Bafu einige Jahre dauern.

(sth)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Therese am 26.08.2013 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    W-Lan Überschneidungen

    Ich wohne in der Stadt und zähle bei mir jeweils zwischen 15 und 25 W-Lan Netze, die sich überschneiden. Ob das nicht schädlich ist? Ich bin froh, beginnt der Bund mit Messungen!

  • Anna Lia Ramseier, am 27.08.2013 00:52 Report Diesen Beitrag melden

    Dauerbestrahlung

    Allzuviel ist ungesund. Die einen merken es eben früher, die andern später - oder zu spät. Es kommt immer auf die Dauer und Stärke der Funkbestrahlung an. Dazu kommt der Funksalat. In den meisten Studien waren die Probanden höchstens 45 Minuten pro Woche in den Labors. Eine Antenne sendet aber 24 Stunden pro Tag, 7 Tage pro Woche etc. etc. Und zum W-Lan: ausschalten bei Nichtgebrauch, so wie wir das mit dem Wasserhahn auch tun.

  • Theodor Schaad am 26.08.2013 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Elektrosmog + Co.

    Da wagt man sich aber ganz schön aufs Glatteis. Schon beim Thema, was alles und wie man messen müsste, ist man sich bei weitem nicht einig. In der Luft liegt heute vieles, was davon schädlich ist oder gar gefährlich, ist mehr als umstritten. Interessen-Gruppen verteidigen ihre Pfründe , finden alles Humbug und wollen keine Gefährdung wahr haben. Umwelt-Fanatiker wittern hinter allem tödliche Gefahren. Die "Wahrheit" liegt wohl irgendwo dazwischen; und diese zu ermitteln, ist das Schwierigste. Denn fast überall betritt man relatives Neuland und kann kaum auf wirklich bewiesene Fakten aufbauen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Robert am 27.08.2013 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beamte

    Geräte-Park kaufen dauert mehrere Jahre? Arbeite selbst in der Rüstungs-Industrie unsere sind schon kompliziert, aber wir brauchen nicht Jahre um sie zu produzieren. Wahrscheinlich bestellen sie jeden Monat ein gerät, dann dauert es schon Jahre. :)

  • Anna Lia Ramseier, am 27.08.2013 00:52 Report Diesen Beitrag melden

    Dauerbestrahlung

    Allzuviel ist ungesund. Die einen merken es eben früher, die andern später - oder zu spät. Es kommt immer auf die Dauer und Stärke der Funkbestrahlung an. Dazu kommt der Funksalat. In den meisten Studien waren die Probanden höchstens 45 Minuten pro Woche in den Labors. Eine Antenne sendet aber 24 Stunden pro Tag, 7 Tage pro Woche etc. etc. Und zum W-Lan: ausschalten bei Nichtgebrauch, so wie wir das mit dem Wasserhahn auch tun.

  • Thomas am 27.08.2013 00:23 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin topgesund mit strahlung

    In meinem schlafzimmer 2 m neben mir ist der wlan router, mein handy neben mir, das handy meiner frau auf der anderen seite und ein funkempfänger mitdem ich mit leute funke und trotzdem schlafe ich sehr gut und bin topfit und nie krank.. Ich finde diese strahlenangst in unserem land einfach nur peinlich.

  • marc am 27.08.2013 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    ihr seid peinlich

    ich hab in 3 ländern gearbeitet und in keinem haben die leute so angst vor dem wie in der schweiz!! Ich verkaufe telefone und die erste frage ist "welches strahlt am wenigsten" und das lustige nun, nur schweizer fragen das. Nichts gegen schweizer, ich liebe das land, aber diese Panik ist einfach absolut peinlich..

  • Franz am 26.08.2013 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Elektrosmog = Schwachsinn

    Wie oft muss man das noch beweisen, dass die elektromagnetische Strahlung in dieser Wellenlänge keine gesundheitlichen Schäden nach sich zieht, ausser Erwärmung? Rauchen, Saufen, Drogen, Insektizide, u.v.m haben vielfach erwiesenen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit, verbessern wir besser dort die Welt wo wir es verstehen.