Finanzhilfe

01. April 2014 23:25; Akt: 02.04.2014 11:50 Print

Bund will Schnaps mit Millionen fördern

Die Schweizer Schnaps-Brenner hatten in den letzten Jahren mit sinkenden Verkaufszahlen zu kämpfen. Jetzt will der Bund helfen – auf Kosten der Prävention.

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Ein Mann prüft den frisch gebrannten Williams-Schnaps in der Brennerei in Escholzmatt. (Archivbild von 2008) (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Der Bund will der Schweizer Alkoholbranche unter die Arme greifen. Wie es in einem Entwurf der Alkoholverwaltung, der «10vor10» vorliegt, heisst, sollen Schweizer Schnapsbrenner Steuererleichterungen erhalten. Sie sollen dank einer sogenannten «Fehlmengen-Regelung» 14 bis 24 Millionen weniger Alkoholsteuern pro Jahr bezahlen müssen.

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Soll der Bund die Schweizer Spirituosenbranche finanziell unterstützen?
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Die Verliererin dieser Massnahme dürfte wohl die Prävention sein. Denn: Sie wird aus Einnahmen der Alkoholsteuer finanziert. Zahlen die Brenner weniger Steuern, so fliesst automatisch weniger Geld in Suchtprogramme für Alkoholkranke.

Dennoch hält SVP-Nationalrat Hansjörg Walter die Massnahme für nötig. «Die Branche ist auf diese Steuererleichterungen angewiesen», sagt der Landwirt zur Sendung. Die Schweizer Spirituosenproduktion habe sonst keine Zukunft.

Vier Millionen Franken Finanzhilfe

Zudem heisst es im Entwurf der Alkoholverwaltung weiter: «Der Bund gewährt der Schweizer Spirituosenbranche Finanzhilfen.» Die Rede ist von vier Millionen Franken pro Jahr. Damit sollen unter anderem Marketingmassnahmen mitfinanziert werden.

Die Grüne Nationalrätin Yvonne Gilli kritisiert die Pläne des Bundes. «Wir brauchen sicher keine öffentlich subventionierte Werbung für Schnaps», sagt die Ärztin zu «10vor10». Grund für die geplante Hilfeleistung der Alkoholverwaltung sind die eingebrochenen Verkaufszahlen von Schweizer Obstbränden.

(woz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Müller am 02.04.2014 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdiger Staat

    Zuerst unter dem Deckmantel Gesundheit Alkohol und Nikotin bekämpfen und die Bürger bevormunden und wenn dann die Bürger die Schnauze voll haben und nicht mehr trinken und rauchen fehlen dem lieben Staat die Einnahmen. Ist dieser Staat namens Schweiz noch glaubwürdig ?

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  • T.S. am 02.04.2014 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt?

    Da wären noch etliche Betriebe die letztes Jahr Wirtschaftliche Probleme hatten und froh wären um eine Geldspritze vom Bund. Abartig was da in Bern entschieden wird. Prost ihr Schnapsnasen.

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  • Konsum Enzler am 02.04.2014 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die Spinnen, die Römer

    Prävention gegen Rauchen und Alkoholmissbrauch auf der einen Seite, auf der anderen Seite werden Millionen an Subventionen an die Hersteller verteilt. Ein Teufelskreis. Wird die Prävention ernst genommen, dann dürfen Alkohol (auch Wein) und Tabak nicht mehr subventioniert werden. Es gibt auch keinen wichtigen Grund diese Zweige künstlich am Leben zu erhalten. Die, die gut sind, gute Produkte herstellen, innovativ sind und Marketing betreiben, werden überleben. Um die anderen ist es nicht schade. Dafür schonen wir die Staatskasse und fördern die Gesundheit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 02.04.2014 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Nun lasst mal die Kirche im Dorf.

    Der Bund nimmt im Jahr etwa 260 Millionen an steuern durch Spirituosen ein(davon gehen 90% an die AHV). Nun sollen diese um etwa 14 -15 Millionen gekürzt werden. Im weiteren wenn durch die Förderung mehr verkauft wird steigen auch die Einnahmen wieder an.

  • Cellius am 02.04.2014 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Schizophrene schweizer Politik!

    Alkoholpräventions propagieren und dann sowas? Dasselbe gilt für überall Tempo 30 od. 100 auf Autobahnen und CO2 Abgabe verlangen aber die Werbung darf weiterhin für PS Boliden auf agressivste weise werben. Und dann tut man sich schwer Bsp. mit einer Canabis Legalisierung? Einmal mehr zeigts sich, dass das ganze nix mit Prävention oder Gesundheitsgedanken zu tun hat und es geht unseren Politikern einzig und alleine wieder mal ums Geld!

  • Pesche G. am 02.04.2014 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Das verwundert mich überhaupt nicht: Auch die Tabak-Pflanzer werden mit 7 Millionen jährlich subventioniert. Der gleiche Betrag wird dann noch in die Tabak-Prävention gebuttert. Wenn es dem Staat wirklich um unsere Gesundheit- und nicht ums Geld - gehen würde, wären Alkohol und Nikotin schon längstens verboten.

  • Ronn Sommer am 02.04.2014 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Alkoholsteuer als Brennerlohn

    Habe mein Haus verkauft und von dem einen Rebenstock die Trauben zum Brennen gegeben. Brennerpreis 8.70 CHF. Anschliessend erhielt ich die Rechnung für die Alkoholsteuer von 25.50 CHF. Was muss da Subventioniert werden???

  • Kleiner Mann am 02.04.2014 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Vorschlag win/win

    Als ich zwanzig war wurde die Steuer (Import) auf Alkohol drastisch reduziert. Eine Flasche Tequilla kostete nicht mehr 40.- sondern 20.- CHF. Warum erhöht man nicht wieder die Einfuhrzölle - Somit wäre der inländisch produzierte Alkohol im Verhältnis auch wieder günstiger. Hinzu kommt gleichzeitig eine präventive Wirkung, dank höheren Preisen (Jugendliche).