Atomausstieg

01. Dezember 2011 17:02; Akt: 01.12.2011 17:03 Print

Bund will bis 2035 90 TWh sparen

Der Ausstieg aus der Atomenergie erfordert Anstrengungen beim Energieverbrauch und bei der Produktion erneuerbarer Energien. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat nun die jeweiligen Potenziale beziffert.

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Um den Atomausstieg zu schaffen, sollen Gebäude besser isoliert werden. (Bild: Keystone)

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Die Schätzungen des Bundesamts für Energie bezüglich Atomausstieg seien eher konservativ, sagte Energieministerin Doris Leuthard am Donnerstag vor den Medien. Es handle sich nicht um das, was möglich wäre, sondern um das, was realisierbar sei.

Gemäss heutigen Prognosen steigt die Stromnachfrage bis ins Jahr 2050 auf jährlich rund 90 Terrawattstunden (TWh) oder 90 Milliarden Kilowattstunden. Ein Atomkraftwerk wie Gösgen produziert im Jahr rund 8 Terrawattstunden.

Der Bund sieht erhebliches Potenzial, den Energie- und den Stromverbrauch zu senken: Beim Strom sollen bis 2035 mindestens 21 TWh eingespart werden können. Bei der übrigen Energie (vor allem Heizenergie) sieht der Bund bis 2035 ein Sparpotenzial von 72 TWh.

Besser isolierte Gebäude

Das Sparpotenzial bei den Gebäuden beziffert der Bund bis 2020 auf 13 TWh bei der Heizenergie und 2 TWh beim Strom. Bis 2035 sind es 28 und 7 TWh. Im Rahmen der Revision des CO2-Gesetzes ist bereits vorgesehen, die Gelder aus der CO2-Abgabe für Gebäudesanierungen aufzustocken.

Bei den Elektrogeräten können gemäss dem BFE bis 2020 0,5 TWh und bis 2035 1 TWh eingespart werden. Bei der Industrie und den Dienstleistungen beziffert der Bund das Energiesparpotenzial auf 16 TWh bis 2020 und 33 TWh bis 2035. Das Strompsparpotenzial wird auf 5 respektive 13 TWh beziffert. In der Mobilität schliesslich könnte der Energieverbrauch bis 2020 um 4 TWh und bis 2035 um 11 TWh gedrosselt werden.

Das Stromsparen soll durch marktwirtschaftliche Anreize, strengere Vorschriften und technische Fortschritte ermöglicht werden. Die Energieversorger sollen verpflichtet werden, den Kunden über die Tarifgestaltung Anreize fürs Stromsparen zu geben, etwa durch einen Stromspartarif. Ein totales Verbot von Elektroheizungen strebt Leuthard nicht an, wie sie auf eine entsprechende Frage sagte.

Mehr Solar- und Windenergie

Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien soll bis 2020 um mindestens 4 TWh und bis 2035 um 13 TWh erhöht werden. Erreichen möchte die Energieministerin dies mit einem Aus- und Umbau des Fördersystems.

Von der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) sollen vorrangig grössere Anlagen profitieren. Geprüft werden auch Fördermodelle wie die Gewährung einmaliger Investitionshilfen. Zudem soll der KEV- Zuschlag erhöht werden.

Zur Beschleunigung der Bewilligungsverfahren strebt der Bund eine Vereinheitlichung der kantonalen Vorschriften an. Die Verfahren für die Richt- und Nutzungsplanung sowie zur Umweltverträglichkeitsprüfung sollen parallel abgewickelt und vereinfacht werden.

Fossile Kraftwerke als Übergangslösung

Leuthard bekräftigte indes, dass der Umbau der Stromversorgung nicht ohne Gaskraftwerke gelingen werde. Der Bund setzt hier vor allem auf Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen. Bis 2035 sollen solche dezentralen Anlagen bis zu 7 TWh Strom erzeugen. Gefördert werden sollen nur Anlagen, die bestimmte Vorgaben zu Wirkungsgrad, Wärmenutzung und CO2-Emissionen erfüllen.

Bei den Gaskombikraftwerken hält der Bundesrat daran fest, dass die Betreiber die CO2-Emissionen vollständig kompensieren müssen. Dies hatte auch das Parlament im Rahmen der Revision des CO2- Gesetzes beschlossen. Uneinig sind sich die Räte noch in der Frage, welcher Anteil im Ausland kompensiert werden kann.

Ferner setzt der Bundesrat auf Forschung. Er will dem Parlament nächstes Jahr einen Aktionsplan mit dem Namen «Koordinierte Energieforschung Schweiz» vorlegen. Die Bundesverwaltung selbst soll mit gutem Beispiel vorangehen und bis 2020 ihren Energieverbrauch gegenüber 2006 um 25 Prozent reduzieren.

(sda)