Sprachunterricht in Primarschulen

16. Dezember 2016 14:18; Akt: 16.12.2016 15:56 Print

Bund will doch kein Gesetz zum Französisch-Zwang

Der Bundesrat greift im Sprachenstreit doch nicht ein. Primarschulen sollen weiterhin kantonal über das Frühfranzösich entscheiden.

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Vorerst keine Regelung auf Bundesebene: Schülerin beim Lösen einer Französischaufgabe in Zürich. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Der Bund will die Kantone nun doch nicht per Gesetz zum Französischunterricht in der Primarschule zwingen. Er verzichtet vorerst darauf, die Frage auf Bundesebene zu regeln. Den Entscheid begründet der Bundesrat mit Entscheiden der letzten Monate auf kantonaler Ebene. Damit seien für ihn die Voraussetzungen für eine Regelung auf Bundesebene zurzeit nicht gegeben, schreibt das Innendepartement (EDI) in einer Mitteilung.

Das dürfte sich vor allem auf den Kanton Thurgau beziehen. Dieser will seinen Entscheid gegen das Frühfranzösisch überdenken. Der Bundesrat will nun abwarten. Er hat das EDI beauftragt, die Situation neu zu beurteilen, sollte ein Kanton entscheidend von der unter den Kantonen vereinbarten Lösung abweichen.

Im Sommer hatte der Bundesrat Vorschläge für einen Artikel im Sprachengesetz in die Vernehmlassung geschickt. Schon damals sagte Bundesrat Alain Berset, er hoffe nach wie vor, dass eine Gesetzesänderung nicht nötig sein werde.

Röstigraben in der Vernehmlassung

In der Vernehmlassung hatten die Deutsch- und die Westschweiz die Frage unterschiedlich beurteilt. Die französischsprachigen Kantone möchten, dass der Bund rasch und entschieden eingreift, wenn die Sprachenstrategie durch einen Kanton in Frage gestellt wird.

Einige deutschsprachige Kantone lehnen einen Eingriff des Bundes dagegen grundsätzlich ab. Andere wiederum sind der Ansicht, dass das Eingreifen des Bundes zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht und unverhältnismässig wäre. Für ein Eingreifen zum jetzigen Zeitpunkt sprach sich der Lehrerverband aus.

Kantone sollen handeln

Der Bundesrat sehe sich durch die Resultate der Vernehmlassung in seiner Haltung bestätigt, schreibt das EDI. Er betone, dass weiterhin alles unternommen werden müsse, um die Harmonisierung des Sprachenunterrichts beizubehalten und weiter auszubauen.

Das EDI und die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) wollen sich spätestens im zweiten Semester 2017 treffen, um die Entwicklungen zu besprechen.

Drei Varianten diskutiert

Der Bundesrat hatte in der Vernehmlassung drei Varianten für eine gesetzliche Regelung vorgeschlagen. Er bevorzugte dabei jene Variante, welche den Kantonen am meisten Spielraum liesse. Damit würde lediglich festgelegt, dass der Unterricht in der zweiten Landessprache auf Primarschulstufe beginnen und bis zum Ende der Sekundarstufe I dauern muss.

Die Kantone hatte sich 2004 darauf geeinigt, die erste Fremdsprache spätestens ab dem 3. Schuljahr und die zweite ab dem 5. Schuljahr zu unterrichten. Eine der beiden Sprachen ist eine Landessprache, die andere Englisch. Zehn Jahre später bestätigten sie den Entscheid.

Mehrere Kantone zogen aber in den letzten Jahren in Betracht, das Frühfranzösisch zu kippen. Im April schickte die Thurgauer Regierung einen neuen Lehrplan ohne Französisch in der Primarschule in die Vernehmlassung. Im September beschloss sie dann aber, dass das Kantonsparlament erneut darüber abstimmen soll, ob der Französischunterricht aus der Primarschule verbannt wird.

(kat/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jean-Pierre Franzmann am 16.12.2016 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Warum überhaupt

    Warum Französisch? English (oder auch spanisch) und dann eine 2. Landessprache. Wir müssen international mithalten können und da ist Französisch so hilfreich wie ein Stein im Schuh.

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  • Zwiggi am 16.12.2016 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachen

    Lasst doch die Kinder die Sprache in der Schule lernen, an der sie Spass haben. Mein Sohn hasste das Französisch, musste sich jahrelang mit herumschlagen. Anders im Englischunterricht. Diese Sprache lernte er mit Freude.

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  • Alter Sack am 16.12.2016 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Englisch

    Der kleinste gemeinsame Nenner ist das Englisch. basta. Wann begreifen wir das endlich?

Die neusten Leser-Kommentare

  • AntiFranz am 18.12.2016 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Hallo 20Min

    Macht doch dazu mal eine Umfrage, wer während 1, 2 Jahren etc. an wieviel Tagen Französisch als Fremdsprache angewendet hatte und als Vergleich dazu das selbe in Englisch

  • Remus am 17.12.2016 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    @Zwiggi

    Dann müsste man auch in dem Primarschulen Italienisch und Spanisch sowie Albanisch, Serbisch und Türksich anbieten. Wie sollte dann die Integration in die Schweiz erfolgen?

  • huschmie am 17.12.2016 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zwängerei von Berset

    Englisch ist wichtig für alle Schweizer. Französisch sollte nur für lernschwache Schüler nicht obligatorisch sein. Das ist nur eine Zwängerei von Herrn Berset.

  • Efrain am 17.12.2016 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Warum immer Rücksicht nehmen?

    Bin sprachbegabt und musste bzgl. Französisch zu meinem Glück gezwungen werden! Den wahren Wert der Sprache habe ich erst viel später erkannt! Wie mir geht es wohl zahlreichen Personen - wir hätten Französisch als Wahlfach nicht besucht und hätten alles viel später bei Bedarf unter grossem Zeit- und Geldeinsatz aufarbeiten müssen! Während der Primarschulzeit sind noch alle Kinder gemischt und nicht nach Niveau separiert! Pflichtfranzösisch auf dieser Stufe ist m.E. also absolut notwendig! Es kann nicht sein, dass man das Niveau immer nach unten anpassen muss!

  • M. Müller am 17.12.2016 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Französisch, für was?

    Im Raum Basel, obwohl an der franz. Grenze, bringt Französisch nichts. Sehr viele arbeiten hier in der Chemie und da wird meistens Englisch geredet. Mit Französich kommt man in der Welt nicht weit rum. Englisch, Chinesisch und Spanisch sind gefragt