Neue Studie

28. März 2019 04:46; Akt: 28.03.2019 09:03 Print

Politiker wollen das Autofahren erschweren

von Stefan Ehrbar - Der ÖV kommt nicht vom Fleck. Deshalb soll er attraktiver werden – und Autofahrer sollen auf neue Hürden stossen.

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Teurere und weniger Parkplätze, autofreie Zonen, Tempolimits und höhere Benzinpreise: Das sind Vorschläge, die eine neue Studie macht. Sie wurde vom Bundesamt für Raumentwicklung, dem Verband öffentlicher Verkehr und dem Informationsdienst Litra in Auftrag gegeben. Denn der ÖV stagniert seit Jahren. Obwohl grosse Investitionen gemacht wurden, stieg der Anteil des ÖV an den zurückgelegten Kilometern in den letzten Jahren nicht, wie es in der Studie heisst. Um das zu ändern, könne der ÖV attraktiver gemacht werden. Ein ÖV-Ausbau sei aber effektiver, «wenn die Nutzung konkurrierender Verkehrsmittel erschwert wird», so die Studie. Der Grünen-Nationalrat und Verkehrspolitiker Michael Töngi sagt, es brauche solche Massnahmen. «Mit einer Aufhebung von Parkplätzen und Autospuren schaffen wir Platz für den öffentlichen Verkehr.» Die Kostenwahrheit sei beim Autoverkehr nicht gegeben. In der Politik sei die Botschaft noch nicht angekommen: «Die Klimafrage wird auf der Seite gelassen.» Der Bund müsse sich nun ein konkretes Ziel setzen, wie stark er den ÖV-Anteil erhöhen wolle, sagt Töngi. Dieses Ziel verfolgt auch der CVP-Nationalrat und Litra-Präsident Martin Candinas. «Der Bundesrat müsste in seinen Legislaturzielen die Steigerung des ÖV-Anteils gemessen am Gesamtverkehr wieder aufnehmen», sagt Candinas. Im Fokus stehe ein attraktiverer ÖV, nicht das mühsamere Autofahren. «Wir wollen nicht ein Verkehrsmittel gegen das andere ausspielen», sagt Candinas. Die Studie kam zum Schluss, dass insbesondere in Randregionen noch viel Potenzial für den ÖV brachliege, das mit entsprechenden Investitionen genutzt werden könnte.

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Teurere und weniger Parkplätze, autofreie Zonen, Tempolimits und höhere Benzinpreise: Das sind Vorschläge, die eine neue Studie macht, die das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) in Auftrag gegeben hat. Der Verband öffentlicher Verkehr und der ÖV-Informationsdienst Litra zählen ebenfalls zu den Auftraggebern. Das Ziel: Die Menschen sollen häufiger den öffentlichen Verkehr nutzen und aufs Autofahren verzichten.

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Denn obwohl in den letzten Jahren viel Geld in den ÖV investiert worden sei, stagniere sein Anteil in den letzten zehn Jahren, heisst es in der Studie. Um das zu ändern, könne der ÖV attraktiver gemacht werden – und das Autofahren mühsamer. Ein Ausbau des ÖV sei nämlich noch effektiver, «wenn die Nutzung konkurrierender Verkehrsmittel erschwert wird», so die Studie. «Einschränkungen für Autofahrten» stimulierten zusammen mit anderen Massnahmen die ÖV-Nachfrage.

«Botschaft ist nicht angekommen»

Der Grünen-Nationalrat und Verkehrspolitiker Michael Töngi sagt, es brauche solche Massnahmen. «Mit einer Aufhebung von Parkplätzen und Autospuren schaffen wir Platz für den öffentlichen Verkehr.» Die Kostenwahrheit sei beim Autoverkehr nicht gegeben. In der Politik sei die Botschaft noch nicht angekommen: «Die Klimafrage wird auf der Seite gelassen. Das Parlament hat gerade die Erweiterung von Kapazitäten für die Nationalstrassen beschlossen. Das ist der falsche Weg. Autofahren darf nicht attraktiver werden.»

Der Bund müsse sich nun ein konkretes Ziel setzen, wie stark er den ÖV-Anteil erhöhen wolle, sagt Töngi. Dieses Ziel verfolgt auch der CVP-Nationalrat und Litra-Präsident Martin Candinas. «Der Bundesrat müsste in seinen Legislaturzielen die Steigerung des ÖV-Anteils gemessen am Gesamtverkehr wieder aufnehmen», sagt Candinas. Ein positives Beispiel sei der Kanton Waadt, der sich zum Ziel gesetzt habe, den Anteil des Autoverkehrs von heute 73 auf 65 Prozent zu reduzieren

ÖV-Angebot von Beginn an

Im Fokus stehe ein attraktiverer ÖV. «Wir wollen nicht ein Verkehrsmittel gegen das andere ausspielen», sagt Candinas. Massnahmen wie teurere Parkplätze seien allenfalls eine letzte Massnahme, wenn die Ziele nicht erreicht werden könnten.

Eine wichtige Rolle spiele die Raumplanung: Bei neuen Überbauungen oder Nutzungen wie Shopping-Centern, Bürokomplexen, Schulen oder Freizeitparks müsse von Anfang an ein gutes ÖV-Angebot da sein. «Es darf nicht erst kommen, wenn sich die Leute schon an die Anfahrt mit dem Auto gewöhnt haben.» Vorstellbar seien neue Angebote, bei denen Anbieter von Freizeitaktivitäten mit ÖV-Anbietern zusammenarbeiten.

«Teureres Autofahren ist absurd»

Christian Laesser, Professor für Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen, sagt, beim ÖV anzusetzen, sei sinnvoll. «Viele haben gar keine andere Wahl als das Auto», sagt er. «Sie können sich eine Wohnung in der teuren Stadt gar nicht leisten.»

Martin Candinas sagt, die Studie zeige, dass gerade in Agglomerationsregionen, wo in Zukunft das grösste Wachstum erwartet werde, grosses Potenzial für den ÖV brachliege. Zum Teil sei der Anteil des ÖV, der sogenannte Modalsplit, dort gleich hoch wie in ländlichen Regionen.

Der SVP-Politiker Walter Wobmann kritisiert die Vorschläge der Studie. «Es ist absurd, das Autofahren zu verteuern», sagt er. «Die Autofahrer zahlen schon heute am meisten.» Sowohl die Bahn als auch der Autoverkehr müssten ausgebaut werden. Das geschehe auch. Gerade am Montag sei der Ausbauschritt der Bahn in der Verkehrskommission diskutiert worden. Der Bund brauche keine Ziele, um den ÖV-Anteil zu erhöhen, sondern einen Ausbau aller Infrastrukturen. «Wir haben eine massive Steigerung der Bevölkerung», sagt Wobmann. «Das hat Auswirkungen auf alle Verkehrsmittel.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mmmhmm am 28.03.2019 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja aber..

    Wie wäre es, wenn man als erstes Institutionen wie die SBB verstaatlichen und die Managers entlassen würde? Dann hätten wir endlich mal tiefere Preise, anständige Löhne für die Mitarbeiter und das Ziel wäre es nicht den Gewinn zu maximieren, sondern eine stabile und zuberlässige Institution für den Personenverkehr. Ansonsten sollen ihnen jegliche staatliche Unterstützung gestrichen werden.

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  • Autofahrer am 28.03.2019 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    langsam reicht's

    kann dich nicht sein das ich als Autofahrer immer mehr bezahle und immer weniger bekomme und noch schikaniert werde. die Autofahrer sollten auch mal auf die Straßen und gegen das demonstrieren

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  • Patrick Daxboeck am 28.03.2019 06:46 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder dieselben Leidwerker Ideen!

    Es gibt zwei Möglichkeiten: a) den öffentlichen Verkehr verbessern und b) den Autofahrern zu leidwerken. Die letztere Option ist einfach idiotisch und ich habe es satt, wenn die einzige Idee ist, um etwas zu erreichen, dass man einer grossen Gruppe von Menschen das Leben schwer macht. Wer mehr ÖV will, soll diesen attraktiver machen, preislich, zeitlich, räumlich ohne den Autofahrern reinzupfuschen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mensch am 29.03.2019 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Vorschlag

    Kostenloser öv oder das der öv auch nachs fährt.

  • Thomas Weber am 29.03.2019 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und was ist mit Uns?

    Ja danke viel mal, ich bin Schichtarbeiter und dann wenn ich beginne oder Feierabend habe, fahren schlichtweg keine Öv"s also was bleibt mir anderes.

  • der thomas am 29.03.2019 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    hahaha

    alle autofahrer müssten nur mal eine woche konsequent mit den öv fahren.... man stelle sich die verspätungen einmal vor... von den fehlenden sitzplätzen und übervollen zügen wollen wir gar nicht anfangen... das ware ein spass, dan würden solche lustigen einfälle ganz schnell wieder aufhören.. ich fahre trotzdem weiter auto(ein böser diesel übrigens).

  • War nicht dafür am 29.03.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Da war doch was

    Noch nicht so lange her und die Energiestrategie 2050 wurde angenommen. Darin ging es nicht nur um Strom. Durch die Annahme habt ihr der Politik einen Freifartsschein gegeben - jetzt erhaltet ihr langsam die Rechnung.

    • mario ballottelli am 29.03.2019 17:40 Report Diesen Beitrag melden

      letze chancen

      so funktioniert die U.N klimaagenda.Demokratische prozesse durch täuschung umgehen. Auf seite 2235 absatz 5 steht nämlich das wir das wollen und zwar ohne vaseline. Nur perfekt ausformulierte initiativen gegen den vernetzungszwang und ausstieg aus pariser verträgen können noch unsere freiheitliche demokratie retten. Es wäre der kolossalste schlag gegen die neue weltordnung

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  • Fabio S am 29.03.2019 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur Behindert

    Hätte da eine Idee! 1. Eine Woche ohne Autos testen = ÖV bricht nach ein paar Stunden zusammen. 2. Die CH Wirtschaft bricht ein weil viele Mitarbeter nicht zur Arbeit kommen. 3. Die grünen kapieren es endlich das es ohne Autos nun mal nicht mehr geht. Was ist eigentlich in Zukunft wen alle Autos Elekrisch oder mit Wasserstoff fahren? Brauchen wir trotzdem Schickanen und Behinderungen in den Strassen??? Ist eine Politische Überlegung wert.