Mais, Soja, Raps

02. September 2019 04:46; Akt: 02.09.2019 08:36 Print

Bald soll Gentech-Food auf unseren Tellern landen

von P. Michel - Der Bund plant, mehr Spuren von Gentech-Lebensmitteln im Essen zu tolerieren. Dagegen laufen Umweltverbände Sturm. Die Branche aber will noch weitergehen.

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Der Bund sieht vor, 50 in der EU zugelassene Gentech-Lebensmittel – Mais, Soja, Raps – auch in der Schweiz zuzulassen. Für diese Lebensmittel soll auch die sogenannte Toleranzgrenze von 0,1 Prozent auf 0,5 Prozent erhöht werden. Lebensmittel dürfen also 0,5 Prozent dieser Gen-Produkte enthalten – etwa Spuren von genmanipuliertem Mais. Die Änderungen begründet der Bund damit, dass so der Handel mit der EU sowie die Aushandlung eines Lebensmittelsicherheitsabkommens erleichtert werde. Auch die Vermeidung von Foodwaste führt der Bund ins Feld: Da bisher Lebensmittel, die zu hohe Spuren von Gentech enthielten vernichtet werden mussten, könne mit der höheren Toleranz Lebensmittelverschwendung vermieden werden. Diese Pläne kritisieren die Umweltverbände scharf. Zur letzten Woche abgeschlossenen Vernehmlassung schreibt Greenpeace: «Das würde bedeuten, dass plötzlich eine grosse Zahl an bisher nicht tolerierten Sorten toleriert werden.» Empfangsbereich im Buero von Greenpeace Switzerland an der Heinrichstrasse am 14. November 2013 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler) Die Zulassung von Gentech-Essen aus der EU passe nicht zur Schweiz, deren Handel und Landwirtschaft auf qualitativ hochwertige Lebensmittel setze. «Die Konsumenten sind hochkritisch gegenüber Gentech», kritisiert SP-Nationalrätin Martina Munz. Kein Problem sieht dagegen der Bauernverband. «Diese Lebensmittel haben ein EU-Bewilligungsverfahren durchlaufen und die Risiken einer möglichen Gesundheitsgefährdung wurden bewertet», sagt Präsident Markus Ritter. Lorenz Hirt, Co-Geschäftsführer der Föderation der Nahrungsmittelindustrie, kontert die Umweltverbände: «Mir sind Fälle bekannt, wo tatsächlich ganze Container wegen minimalen Gentech-Verschmutzungen vernichtet oder reexportiert werden mussten.» Spuren von Gentech liessen sich fast nicht absolut vermeiden.

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Proteinriegel mit gentechnisch verändertem Soja, Mehl mit künstlich optimiertem Mais: Lebensmittel, die die Schweizer Behörden bisher aus dem Verkehr gezogen haben, könnten mit der Revision des Lebensmittelrechts auf Schweizer Tellern landen.

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Der Bund sieht nämlich vor, 50 in der EU zugelassene Gentech-Pflanzen – Mais, Soja, Raps – auch in der Schweiz zuzulassen. Demnach prüft die Schweiz die Risiken einer Gesundheitsgefährdung bei diesen Produkten nicht mehr separat, sondern nur noch die Umweltgefährdung. Für diese Lebensmittel soll auch die sogenannte Toleranzgrenze von 0,1 Prozent auf 0,5 Prozent erhöht werden. Lebensmittel dürfen also – im Verhältnis zur Zutat – 0,5 Prozent dieser Gen-Produkte enthalten.

Verhindert die Lockerung Foodwaste?

Die Änderungen begründet der Bund damit, dass so der Handel mit der EU sowie die Aushandlung eines Lebensmittelsicherheitsabkommens erleichtert werde. Auch die Vermeidung von Foodwaste führt der Bund ins Feld: Denn bisher mussten Lebensmittel, die zu hohe Spuren von Gentech aufwiesen, vernichtet werden.

Diese Pläne kritisieren nun die Umweltverbände scharf. Zur letzten Woche abgeschlossenen Vernehmlassung schreibt Greenpeace: «Das würde bedeuten, dass plötzlich eine grosse Zahl an bisher nicht tolerierten Sorten toleriert werden – mit einer relativ hohen Grenze von 0,5 Prozent.» Dies sei nicht akzeptabel, denn die Konsumenten wollten kein Gentech auf ihren Tellern. Der Kritik hat sich auch die Stiftung Konsumentenschutz in ihrer Vernehmlassungsantwort angeschlossen.

«Das ist ein falsches Signal»

SP-Nationalrätin Martina Munz, Präsidentin der Allianz Gentechfrei, sagt: «Höhere Grenzwerte senden ein falsches Signal aus und sind absolut unnötig.» Das Foodwaste-Argument ziehe nicht, denn bisher hätten laut bekannten Statistiken nie Gentech-Lebensmittel aus der EU vernichtet werden müssen.

Die Zulassung von Gentech-Essen aus der EU passe nicht zur Schweiz, deren Handel und Landwirtschaft auf qualitativ hochwertige Lebensmittel setze. «Die Konsumenten sind hochkritisch gegenüber Gentech», so Munz. Es könne nicht sein, dass die Schweiz deshalb mit solchen Plänen der pestizidgetriebenen und industriellen Gentech-Landwirtschaft Vorschub leiste.

Kein Problem sieht dagegen der Bauernverband. «Diese Lebensmittel haben ein EU-Bewilligungsverfahren durchlaufen und die Risiken einer möglichen Gesundheitsgefährdung wurden bewertet», sagt Präsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter. Es handle sich um kleinste, nicht relevante Spuren, weshalb eine Angleichung an die EU Sinn mache. Er hält fest: «Die Schweiz ist weiterhin ein Vorreiter bei gentechfreier Produktion und Verarbeitung.» Deshalb sei es wichtig, dass man die Gentechfreiheit durch die Revision nun auch kennzeichnen könne.

Spuren von Gentech liessen sich nie ganz vermeiden

Auch die Schweizer Verarbeiter stehen hinter dem Bund. Sie fordern sogar eine Toleranzgrenze von 0,9 Prozent. Die Föderation der Nahrungsmittel-Industrie, in der auch die Tochterfirmen von Coop und Migros vertreten sind, schreibt in einem aktuellen Newsletter: «Spuren von Gentech lassen sich fast nicht absolut vermeiden.» So reichten beispielsweise 20 Gen-Sojabohnen, um eine Fracht von 20 Tonnen konventioneller Bohnen zu verunreinigen.

Co-Geschäftsführer Lorenz Hirt kontert die Umweltverbände: «Mir sind Fälle bekannt, wo tatsächlich ganze Container wegen minimalen Gentech-Verschmutzungen vernichtet oder reexportiert werden mussten.» Als Freipass oder gar als Einführung von Gentech-Food durch die Hintertür seien die höheren Toleranzgrenzen keinesfalls zu verstehen: «Aber wenn wir minimal kontaminierte Produkte vernichten müssen, läuft etwas schief.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert am 02.09.2019 04:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Ich will kein Gen essen.

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  • Ida grünfeld am 02.09.2019 05:08 Report Diesen Beitrag melden

    Enguete

    Wird wohl einen Grund gehabt haben, das es bis anhin nicht erlaubt war. Nicht wahr?

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  • Fritz Uncool am 02.09.2019 05:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Aber der Zucker muss raus?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rebell am 03.09.2019 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verseucht ist alles

    Vorweg gesagt, bin gegen genmanipulierte Lebensmittel. Nüchtern aber betrachtet, stellt sich die Frage, ob wir ohne Gentech gesünder leben? Bei all den Pestiziden, etc., sind die genfreien Produkte keineswegs besser u bedenkt man, wie Böden total übersäuert werden, damit die veganen Gesundheitsaposteln überhaupt genug Nahrung bekommen, ist das alles längst ungesund, das Gen-Produkte die Milch auch nicht mehr saurer macht. Alles nur noch krank...

  • Andy Ratlos am 03.09.2019 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Deklaration muss Pflicht sein!!!

    Das muss aber sehr gut deklariert werden! Ich will keine gen-manipulierten Lebensmittel konsumieren! Als vor zig Jahren Antibiotika an die Tiere verfüttert wurde, war auch alles verharmlost worden und als unbedenklich bezeichnet! Erst Ende der 90-iger Jahre wurde dies in der Schweiz verboten, weil es erwiesener massen nicht harmlos war und dies mit ein Grund ist, weshalb es heutzutage viele antibiotikaresistente Bakterien, Viren gibt! Aber Hauptsache es können wieder ein paar Kapitalisten noch mehr Milliarden scheffeln.

  • Crisp am 03.09.2019 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    angepasst

    ..natürlich braucht es GMO, wie sonst sollen sich die CRISPR/Cas9 Menschen der Zukunft ernähren können....

    • Andy Ratlos am 03.09.2019 12:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Crisp

      Es gäbe genügend Lebensmittel, aber in den sogenannten zivilisierten Ländern werden täglich hunderte Tonnen an Lebensmitteln in den Abfall geworfen!!! Da muss in erster Linie mal den Hebel angesetzt werden.

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  • Ld-44 am 03.09.2019 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    No gen

    Ich finde man sollte kein essen gentechnisch verzüchten.Da kann man nicht mehr sagen,dass meine kinder gesund essen,wenn sie gemüse auf dem teller haben.

  • Jojo Bobo am 03.09.2019 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfusch und irreführende Entscheidungen

    Super Sache! Die Menschen sind einfach zu dumm zu merken, dass die Biodiversität der Schlüssel für viele Probleme in der Lebensmittelherstellung ist (wäre). Lieber Pflanzen resistent manipulieren und keine Lösungen für das echte Problem in Angriff nehmen.. Aber das wird sich rächen! Bestimmt sogar!