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18. Februar 2020 18:53; Akt: 18.02.2020 18:59 Print

Bundesarchiv findet Crypto-Dossier wieder

Die vermissten Untersuchungsakten zur Spionage-Affäre rund um die Zuger Firma Crypto AG sind überraschend wieder aufgetaucht.

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Die Zuger Firma Crypto AG verkaufte über Jahre hinweg von der CIA und vom BND manipulierte Verschlüsselungsgeräte. Bruno von Ah hat im Jahr 1967 als Entwicklungsingenieur bei der Firma angefangen. Er sagt zu 20 Minuten, dass die normalen Angestellten nichts von den eingebauten Hintertüren gewusst hätten. «Die Algorithmen, die wir einbauen mussten, waren dermassen komplex, dass sogar wir nur sehr schwer herausfinden konnten, dass eine Hintertür eingebaut wurde.» Jetzt verdichten sich die Hinweise, die neutrale Schweiz die Spionage über die Zuger Firma tolerierte: Der deutsche Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer, laut dem die Operation die «Welt sicherer gemacht hat», sagt in der SRF-«Rundschau»: «Ich nehme an, dass die Schweizer Dienste nicht uninformiert waren.» Die Sendung zitiert auch aus einem CIA-Dossier: «Die ausländische Kontrolle der Crypto AG war ein Geheimnis, über das Schlüsselpersonen in der Regierung nicht sprechen wollten. Sie wussten aber eindeutig darüber Bescheid.» So soll der frühere FDP-Bundesrat Kaspar Villiger über die Vorgänge in der Crypto AG informiert gewesen sein. «Villiger wusste, wem das Unternehmen gehörte, und fühlte sich moralisch verpflichtet, dies offenzulegen.» Jedoch habe Villiger nichts unternommen. Der Alt-Bundesrat bestreitet diese Darstellung in der «Rundschau» vehement: Handlangerdienste für Drittstaaten hätte er niemals gedeckt. Auch im «Tages-Anzeiger» dementiert er die Vorwürfe: «Ich war in diese nachrichtendienstliche Operation nicht eingeweiht.» Beim Nachrichtendienst des Bundes laufen gemäss der Rundschau derzeit interne Abklärungen. Der Bundesrat hat eine Untersuchung der Vorfälle angeordnet, um die Faktenlage zu klären. Bis Ende Juni 2020 sollten die Ergebnisse vorliegen. Hans Bühler, ein Angestellter der Crypto AG, wurde am 18. März 1982 wegen Spionageverdacht in Teheran verhaftet und in ein Militärgefängnis gesperrt. Dort sass er neuneinhalb Monate fest. Nach Bezahlung einer Kaution von einer Million Dollar kommt Bühler frei und landet am 5. Januar 1993 am Flughafen Kloten. Die Crypto AG zahlte ihrem ehemaligen Exportmitarbeiter Hans Bühler offenbar Schweigegeld, damit er sich nach seiner Freilassung aus dem Iran nicht weiter zu Firmenangelegenheiten äusserte.

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Fehler gesehen?

Das Bundesarchiv hat ein vermisstes Dossier mit Untersuchungsakten der Bundespolizei zum Fall Crypto AG gefunden. Es steht noch unter Schutzfrist.

Das Dossier enthält Akten zur Untersuchung gegen die Crypto AG aus den 1990er-Jahren. Die SRF-Sendung «Rundschau» habe 2014 Einsicht in die Unterlagen nehmen wollen, wie die SRF-Sendung «Echo der Zeit» am Dienstag mit Verweis auf die «Tagesschau» mitteilte. Die Bundespolizei habe demnach die Einsicht verweigert und das Dossier zurück ans Bundesarchiv gesendet.

Schützenswerte Personendaten

Beim Zurückstellen sei es «versehentlich in ein anderes Dossier und damit auch am falschen Standort» abgelegt worden, schreibt das Bundesarchiv am Dienstag auf seiner Webseite. Dieses hatte gemäss eigenen Angaben die Suche nach den Unterlagen in den vergangenen Monaten kontinuierlich ausgeweitet.

Die Akten über die Untersuchung zur Crypto AG werden teilweise auch heute noch unter Verschluss gehalten. Der Grund liegt in schützenswerten Personendaten. So hat es gemäss Jürg Bühler, Vizechef des Nachrichtendienstes, Meldungen von ausländischen Partnern drin, die einem Quellenschutz unterlägen und auch Protokolle von parlamentarischen Kommissionen, die im Moment nicht geöffnet werden könnten.

(sda)