Wilder Kandidat

16. Oktober 2018 21:04; Akt: 17.10.2018 08:07 Print

«Als Bundesrat muss man kein Französisch können»

von B. Zanni - Sobald ein Bundesratssitz frei wird, bewerben sich auch wilde Kandidaten aus dem Volk. Jérôme Bigler hat sein Dossier bereits eingereicht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP) und Ständerat Peter Hegglin (CVP) wollen bis jetzt offiziell für den Bundesrat kandidieren. Das Amt als Bundesrat traut sich auch Jérôme Bigler zu. Unter dem Motto «Aus dem Volk für das Volk» stellt sich der 42-jährige Versicherungsmakler in seiner Bewerbung vor. Offen und direkt sei er, preist sich der Luzerner weiter an. Zu seinen Stärken zählt er, dass er handle und nicht nur rede.

Umfrage
Braucht es einen Bundesrat aus dem Volk?

Aber auch seine Defizite verschweigt er dem Bund nicht: «Fremdsprachen gehören zu meinen Schwächen. Sollte aber als Bundesrat kein Problem sein. Hat die Vergangenheit gezeigt.» Etwa Samuel Schmid sei ohne Französisch gut durchgekommen, sagt Bigler zu 20 Minuten.

Knapp zehn Tage nachdem Bigler sein Dossier eingereicht hatte, reagierte der Bund. «Das Bestätigungsschreiben für den Eingang meiner Bewerbung habe ich zu Hause eingerahmt», erzählt er stolz. Würde sein näheres Umfeld den Bundesrat wählen, würde er sich gute Chancen ausrechnen. «Mit 200 bis 300 Stimmen aus meinem Bekanntenkreis könnte ich sicher rechnen», so Bigler. Vielleicht komme auch das Parlament auf den Geschmack, sagt er lachend.

«Ich bin politisch nicht interessiert»

Der wilde Kandidat müsste mit einer zeitintensiven Arbeit rechnen. Die abtretende CVP-Bundesrätin Doris Leuthard soll bis zu 90 Stunden pro Woche arbeiten. Angst, dass seine Frau und seine beiden Kinder künftig zu kurz kommen würden, hat Bigler nicht. «Ich arbeite auch jetzt 150 Prozent und habe oft nur sonntags frei.» Zum Verhängnis werden könnte ihm aber sein politisches Engagement. «Ich bin politisch nicht interessiert», so Bigler. Freimütig gibt er zu: «Die sieben Bundesräte könnte ich nicht aufzählen.» Fest steht für ihn: «Ich wäre der erste parteilose Bundesrat.» Zudem wäre er ein Bundesrat, der für die Leute da wäre. «Einmal pro Woche könnten mich die Leute zum Beispiel in einer Beiz treffen und mir bei einem Bierchen von ihren Problemen erzählen.»

Die Bundesverfassung hält fest, dass jede stimmberechtigte Schweizerin und jeder stimmberechtigte Schweizer in den Bundesrat wählbar sind. «In der Regel gehen rund ein Dutzend Bewerbungen aus dem Volk ein», sagt Karin Burkhalter, Mediensprecherin der Parlamentsdienste. Für die Wahlen vom 5. Dezember hätten sich bis jetzt drei Personen beworben. Aus Datenschutzgründen machten die Parlamentsdienste keine näheren Angaben zu den Bewerbern. Laut Burkhalter können National- und Ständeräte die Dossiers bis und mit Wahltag im Generalsekretariat einsehen.

«Wenn ein Kandidat gut ist, dann ist er gut»

CVP-Parteipräsident Gerhard Pfister sagt, dass er im Hinblick auf die Wahlen für den vakanten CVP-Sitz einen Blick in die Bewerbungsdossiers der wilden Bundesratskandidaten werfen werde. «Diese Dossiers schaue ich mir aus reinem Informationsinteresse an.» Um als Kandidat nominiert zu werden, sei es aber entscheidend, eine Fraktion im Rücken zu haben.

Dass Parteien unter diesen Voraussetzungen vielleicht gar Traumkandidaten für den Bundesrat durch die Lappen gehen, schliesst Pfister aus. «Wenn ein Kandidat gut ist, dann ist er gut, was er in einem ersten Schritt als gewählter Parlamentarier beweisen kann.» Auch für FDP-Präsidentin Petra Gössi steckt in wilden Kandidaten kein Bundesratspotenzial. «Als Bundesrat muss man die politischen Mechanismen kennen. Ansonsten bringt man kein einziges Geschäft durch.»

Hartnäckiger Kandidat

Bierernst nimmt Jérôme Bigler seine Kandidatur ohnehin nicht. «Ich habe mich mehr aus Spass beworben, weil ich gelesen habe, dass jeder Bundesrat werden könne.» Bereits ein Erfolg für ihn wäre, wenn es in der Absage heissen würde, dass man ihn «leider» nicht nominiert habe.

«Erhalte ich keine Begründung, werde ich aber sicher noch nachhaken», schiebt er lachend nach. Dies ganz im Sinne des Mottos auf seiner Website: «Ich kämpfe mit Leidenschaft, siege mit Stolz, verliere mit Respekt, … aber aufgeben … niemals!»


Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Unfremd am 16.10.2018 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fremd? Sprache

    Vielleicht muss man nicht unbedingt eine Fremdsprache perfekt sprechen können. Man sollte aber immerhin verstehen können was im Parlament geredet wird, sonst hat das Ganze keinen Sinn. Überhaupt sind in der Schweiz Französisch und Italienisch keine Fremdsprachen, sondern einheimische, wie das Deutsche auch.

    einklappen einklappen
  • Markus Blum am 16.10.2018 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seich!

    BR Schmid hat sehr wohl französisch gesprochen, sogar gut. Dieser Bigler scheint mir ein Plauderi zu sein. Ich würde bei jedenfalls keine Versicherung abschliessen.

    einklappen einklappen
  • Macker vom Pool am 16.10.2018 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry hab was vergessen..

    oh voll vergessen. Ich wünsche dem Wilden, der eher anders wirkt, viel Glück bei der Wahl.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 09.11.2018 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Selbstverständlichkeit...

    Als BR für diese hohe Position wäre Hochdeutsch, eine 2. Landessprache sowie Englisch einen MUST. Das gehört zur guten Ausbildung, Kultur und Niveau!

  • kletterpunk am 18.10.2018 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Aber 12 jährige schon Kinder an die Macht

  • MKA1919 am 18.10.2018 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Französisch

    Naja.. ich bin froh, dass ich nicht der einzige bin wo mühe mit Französisch hat. :) viel Glück bei der Wahlen.

  • René am 18.10.2018 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrm... Ein Volksvertreter

    hat schon eine wichtige Funktion. Ein Bundesrat auch und er vertritt und repräsentiert das ganze Volk, nicht nur den Kanton, aus dem er kommt. Um diese Aufgabe wahrnehmen zu können, ist es in meinen Augen unabdingbar, zumindest eine zweite Landessprache mindestens ausreichend sprechen und verstehen zu können.

  • Eduard Schreiber am 17.10.2018 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau Gössi ist grad die, die es braucht

    Ach diese Gössi mit ihren politischen Mechanismen. Frau Gössi, lernen Sie zuerst "Arbeiten", bevor Sie referieren.