Unseriöse Krankenkassen

15. Dezember 2011 17:45; Akt: 15.12.2011 17:50 Print

Bundesrat lässt Terror-Makler gewähren

Obwohl Krankenkassen die Kunden weiter mit unerlaubtem Telefonmarketing belästigen, will der Bund vorerst nichts unternehmen. Ein SP-Politiker möchte das nicht länger hinnehmen.

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Eigentlich dürfen Krankenkassen telefonisch keine Grundversicherungen verkaufen - Makler versuchens trotzdem. (Bild: Keystone)

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Der Telefonterror nimmt trotz Verbot kein Ende - dies zeigen die neusten Zahlen von Santésuisse. Allein im November sind beim Krankenkassenverband 53 neue Meldungen von Kunden eingegangen, die sich über die Belästigungen von Makler beschweren. Seit Einführung der Branchenvereinbarung über das Verbot von Telefonmarketing für die Grundversicherung im Juni, wurden insgesamt 219 Beschwerdeformulare ausgefüllt - 64 davon konnte die Santésuisse als tatsächliche Verstösse identifizieren, wie Sprecherin Silvia Schütz bestätigt.

Doch obwohl die versprochene Selbstkontrolle der Krankenkassen offenbar nicht funktioniert, will der Bund nicht eingreifen. «Es geht jetzt zuerst mal darum abzuwarten, wie sich die Vereinbarung auswirkt», sagte Bundesrat und Innenminister Didier Burkhalter diese Woche in der Fragestunde des Nationalrats. Ausserdem sei auch die Wettbewerbskommission (Weko) dabei, das Abkommen zu durchleuten - der Bericht liege allerdings noch nicht vor. Erst wenn sich die Vereinbarung als nicht wirksam erweisen sollte, will der Bund laut Burkhalter handeln. «Dies wäre aber frühestens ab 2013.»

«Unter dem Deckmantel von Umfragen»

Damit gibt sich SP-Nationalrat Jacques-André Maire nicht zufrieden. «Es kann nicht sein, dass der Telefonterror unter dem Deckmantel von Umfragen und anderen indirekten Anwerbungsmethoden einfach weitergeht», sagt er gegenüber 20 Minuten Online. Sowohl die Vereinbarung der Krankenkassen als auch das Meldeformular des Verbands Santésuisse seien reine Alibiübungen.

Maire überlegt sich nun, mit einer parlamentarischen Initiative ein Verbot der «ärgerlichen Praktiken» im Gesetz zu verankern. «Wenn der Bundesrat nicht vorwärts macht, müssen wir den Weg über das Parlament gehen», so der SP-Politiker. Dabei kann er sicher auf die Unterstützung aus den eigenen Reihen zählen. Sowohl SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr als auch Kollege Jean-François Steiert haben sich in der Vergangenheit schon für das Anliegen ausgesprochen.

(jep)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • frank bucher am 15.12.2011 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    arbeitsplätze

    wieder einmal ist der arbeitspaltz wichtiger als ein kunde. wieder einmal muss sich der kunde vor dem übel schützen - ungefragt. belästigen lassen obwohl er das gar nicht will. und der bundesrat, er schützt das ganze, weil es ja um arbeitsplätze geht. vielen dank!

  • Andy Grob am 16.12.2011 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetze ändern

    Telefon und Faxmarketing sollte generell verboten werden. Dies sollten sich die Parlamentarier ein Mal vornehmen.

  • R.M. am 15.12.2011 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mühsam!

    Hatte mindestens 20 Anrufe deswegen. Wenn ich das erwähnte, haben die Damen und Herren kommentarlos aufgehängt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy Grob am 16.12.2011 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetze ändern

    Telefon und Faxmarketing sollte generell verboten werden. Dies sollten sich die Parlamentarier ein Mal vornehmen.

  • frank bucher am 15.12.2011 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    arbeitsplätze

    wieder einmal ist der arbeitspaltz wichtiger als ein kunde. wieder einmal muss sich der kunde vor dem übel schützen - ungefragt. belästigen lassen obwohl er das gar nicht will. und der bundesrat, er schützt das ganze, weil es ja um arbeitsplätze geht. vielen dank!

  • Sandra Widmer am 15.12.2011 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkassen haben damit nichts zu tun

    Es sind nicht die Krankenkassen, welche diese telefonischen Aquisen machen sondern die Makler. Dies obwohl den Maklern von diversen Kassen mitgeteilt wurde, dass dies nicht gewünscht wird. Nicht immer sind die Krankenkassen die "Bösen".

    • Kurt Geiger am 15.12.2011 23:17 Report Diesen Beitrag melden

      Und wer, bitte,

      gibt denn den Maklern den Auftrag, mich mit diesen ungefragten telefonaten zu belästigen, vornehmlich zur Essenszeit? Sie wollen mich doch nicht gluben machen, dass die Makler aus eigenem Antrieb anrufen!

    einklappen einklappen
  • noname am 15.12.2011 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrung...

    Ich wurde innerhalb von 5 min 3 mal von der gleichen Krankenkasse angerufen. ^^

    • Name am 16.12.2011 05:46 Report Diesen Beitrag melden

      gegen ungewollte Werbeanrufen

      Einfach sagen es hat an der Türe geläutet und Höhrer liegen lassen, DIE rufen nie mehr an, weil so wertvolle Zeit vergeht ..............

    • Theodor am 16.12.2011 08:07 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Ahnung

      90 % Leute hätten einen Anruf nötig, weil mehr als 90 % Leute überhaupt keine Ahnung haben von Krankenkassen um was es geht, was ist wichtig längerfristig u.s.w

    einklappen einklappen
  • Hans Fritsch am 15.12.2011 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem? 

    Wo genau ist das Problem?! Die rufen an, ich lege auf. Fertig. Aber ja klar: wie immer muss alles ohne Selbstverantwortung oder -Tätigkeit per Gesetz geregelt sein.