Altdorf

30. März 2011 14:37; Akt: 30.03.2011 14:57 Print

Bundesrat tagt im Schatten Wilhelm Tells

Für ein paar Stunden war Altdorf die «Hauptstadt» der Schweiz. Der Bundesrat hielt im Schatten des Telldenkmals seine erste auswärtige Sitzung in diesem Jahr ab.

storybild

Der Bundesrat tagte am Mittwoch im Kanton Uri. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es sei eine Ehre für den Bundesrat, im Herzen der Schweiz zu weilen, sagte Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey beim Apéro im Tellspielhaus. Es sei immer eine bereichernde Erfahrung, ausserhalb Berns zu tagen.

Am Anfang der Schweiz stehe die Entschlossenheit der Urkantone, sich selbst zu regieren, sagte die Bundesrätin. Und diese Tradition stehe auch für die heutige Eidgenossenschaft. Die Rednerin würdigte den Gotthard als ein Symbol für die Verbindung zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd.

Die Probleme, die Uri bewegten, stünden auch beim Bundesrat ganz oben auf der Traktandenliste, versicherte Calmy-Rey: Gotthardtunnel, NEAT, Energie, Verkehr. Auf die Sorgen des Kantons hatte zuvor der Urner Landammann Markus Züst in seiner Begrüssung hingewiesen und Partnerschaft eingefordert.

«Nicht nur den Zügen nachwinken!»

Man hoffe, so Züst, dass für die Sanierung des Gotthard- Strassentunnels, der mit einer mehrjährigen Schliessung verbunden ist, eine Lösung gefunden werde, die für alle Betroffenen verträglich sei. Auch bei der NEAT wolle Uri nicht nur Lasten tragen, sondern auch Nutzen ziehen: «Wir wollen nicht nur den Zügen nachwinken!»

Man fühle sich aber geehrt, den Bundesrat in Altdorf zu haben, sagte Züst. Uri sei ein aufgestellter Kanton - klein, aber fein. Zwar habe man noch nie einen Bundesrat gestellt. Das habe aber die Urner nicht davon abgehalten, ihre Interessen in Bern zu vertreten, notfalls mit den Hörnern des Uri-Stiers.

Der Bundesrat war am Morgen mit dem Zug in Altdorf angekommen; in einem Sonderwagen hatte er das Frühstück eingenommen und die Sitzung vorbereitet. Diese begann um zirka neun Uhr im Bannersaal des Altdorfer Rathauses.

Gedränge im Tellspielhaus

Kurz nach zwölf Uhr trat die Landesregierung auf den Platz vor dem grossen Telldenkmal. Zögernd setzte der Applaus der ein- bis zweihundert Neugierigen ein, die sich eingefunden hatten. Von dort gingen die vier Bundesrätinnen und Bundesräte (Ueli Maurer an Krücken) zügig zum Tellspielhaus, wo Mitglieder der JUSO den Ausstieg aus der Atomenergie forderten.

Dichtes Gedränge dann beim Apéro und der Begegnung mit Urnerinnen und Urnern im Foyer des Tellspielhauses, wo sich Duftfahnen von Fritiertem und warm gewordenem (Genfer) Weisswein mischten. Nach kurzen Ansprachen von Calmy-Rey und Züst bildeten sich spontan Trauben von Interessierten um die Mitglieder des Bundesrats.

Neben dem Ausdruck der Verbundenheit mit der besuchten Region bildet der Kontakt der Bundesräte mit der Bevölkerung einen wichtigen Aspekt dieser Sitzungen «extra muros». In Altdorf hatte man freilich den Eindruck, sie sprächen vor allem in die Mikrofone und Kameras der Medienvertreter, die sie nach ihren Gesprächen mit dem Volk befragten.

Nach einer Stunde gings mit der Wagenkolonne weiter. Zu einem gemeinsamen Essen von Bundesrat und Kantonsregierung im Schloss A Pro in Seedorf. Dort, so Landammann Züst, werde er die Urner Anliegen noch vertiefen und auch den Finanzausgleich und die neue Regionalpolitik zur Sprache bringen.

(sda)