Weniger attraktiv

20. Februar 2019 13:39; Akt: 20.02.2019 16:29 Print

Bundesrat will Zivildienst unattraktiver machen

Kein Zivildienst im Ausland und mindestens 150 Zivildiensttage: So soll der Zivildienst künftig aussehen.

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Der Bundesrat will, dass weniger Personen Zivildienst anstelle von Militärdienst leisten. Der Wechsel von der Armee in den Zivildienst soll erschwert werden.

Der Bundesrat hält an den sieben Massnahmen fest, die er in die Vernehmlassung geschickt hatte. Zusätzlich legt er dem Parlament eine weitere Massnahme vor: Er will die Möglichkeit von Zivildiensteinsätzen im Ausland abschaffen.

Damit solle vermieden werden, dass Zivildienstleistende gegenüber Militärdienstleistenden privilegiert würden, schreibt das zuständige Wirtschaftsdepartement (WBF) in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Immer mehr Zivis

Die sieben anderen Massnahmen zielen darauf ab, die Hürden für den Wechsel aus der Armee in den Zivildienst zu erhöhen. Der Bundesrat begründet die geplanten Änderungen mit der steigenden Zahl von Zivildienstleistenden, die in seinen Augen ein Problem darstellt, auch für die Bestände der Armee.

Die Anzahl der Zulassungen zum Zivildienst habe zwischen 2011 und 2017 kontinuierlich zugenommen, heisst es in der Mitteilung. Und sie sei auch 2018 zu hoch: Bei 6205 Zulassungen bestehe Handlungsbedarf.

Längere Dienstzeit

Deshalb will der Bundesrat nun die Dienstzeit verlängern: Wer zum Zivildienst zugelassen wird, soll mindestens 150 Zivildiensttage leisten müssen. Heute müssen Zivis 1,5 Mal so viele Diensttage leisten wie Armeeangehörige. Bereits geleistete Militärdiensttage werden jedoch angerechnet. Die Mindestzahl würde die Dienstzeit für jene verlängern, die ab dem ersten Wiederholungskurs wechseln. Sie müssten insgesamt mehr Diensttage leisten als heute.

Weiter will der Bundesrat für den Wechsel aus der Armee in den Zivildienst eine Wartefrist von 12 Monaten einführen. Während dieser Frist müssten die Betroffenen weiterhin Militärdienst leisten. Für Unteroffiziere und Offiziere soll neu ebenfalls der Faktor 1,5 gelten. Bislang galt für sie der Faktor 1,1, wenn sie zum Zivildienst wechselten.

Rhythmus an Armee angleichen

Darüber hinaus soll der erste Einsatz bereits im Jahr nach der Zulassung zum Zivildienst vollständig geleistet werden müssen. Danach besteht eine jährliche Einsatzpflicht. Der Rhythmus soll so an jenen der Armee angeglichen werden.

Eine weitere Massnahme betrifft Personen, die zum Zeitpunkt der Zulassung die RS noch nicht bestanden haben. Sie müssen ihren Zivildiensteinsatz von 180 Tagen spätestens im Kalenderjahr nach der rechtskräftigen Zulassung abschliessen. Heute haben sie dafür bis zum Ende des dritten Kalenderjahres nach der Zulassung Zeit.

Zivildienstverband dagegen

In der Vernehmlassung waren die Pläne bei SVP, FDP und CVP gut angekommen. Dagegen stellten sich die SP und der Zivildienstverband Civiva.

Das gestiegene Interesse am Zivildienst hat mit der Abschaffung der «Gewissensprüfung» im Jahr 2009 zu tun. Seither gilt der Umstand, dass Zivildienstleistende bereit sind, einen anderthalb Mal längeren Dienst zu leisten, als Tatbeweis für einen Gewissenskonflikt. Als Folge stieg die Zahl der Zulassungen an.

Der Bundesrat sah zunächst kein Problem in den steigenden Gesuchszahlen. 2014 vertrat er die Auffassung, die Hürden für den Zivildienst müssten nicht erhöht werden. Das heutige Zulassungssystem stelle keine Gefahr für die Bestände der Armee dar, schrieb er damals in einem Bericht. Im Parlament wurden jedoch Verschärfungen gefordert. Nun kann das Parlament darüber befinden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ernie am 20.02.2019 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichheit für Alle

    Wie wärs mal mit Zievieldienst/Wehrpflicht oder irgendetwas in dieser Form für die ganze Bevölkerung nicht nur für eine bestimmte Gruppe. Die jetzige Form ist definitiv veraltet. Hilft vielleicht auch gegen den immer höheren Bedarf an Pflegepersonal. Man sollte vielleicht auch mal in diese Richtung von Gleichbereichtigung reden nicht nur Rosinenpicken.

  • denken am 20.02.2019 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb?!

    weshalb genau will man den eine gute alternative zum militärdienst unattraktiver machen anstatt den militärdienst attraktiver?! scheint wohl so dass militärdienst einfach unheimlich unatraktiv ist und die leute lieber etwas "sinnvolleres" machen wollen, und dafür wird man dann noch bestraft. was für eine verblödete "logik". symptombekäpfung und nichtvuesachenforschung wir in fast allen bereichen der heutigen gesellschaft, und ich dachte wir seien eine aufgeklärte gesellschaft, phahahahaha.

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  • Zivi am 20.02.2019 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klare Ansage

    Alleine der Fakt, dass so viele Jugendliche bereit sind, einen 1.5 mal längeren Dienst zu leisten zeigt, wie sinnlos und veraltert das schweizer Militär ist. Es weist Strukturen auf die schlicht und einfach weder zeitgemäss noch sinnvoll sind!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Silberlicht am 21.02.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    gesellschaftsfeindliche Bürgerliche

    Kommt nicht in Frage, liebe Bürgerliche.. So nicht. Der Zivildienst ist sehr wichtig, auch in der Einrichtung in der ich lebe. Der Zivildienst ist sehr wichtig in unserer Gesellschaft !

  • Gärtnerin am 21.02.2019 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Armee - Ausbildungskiller

    Vielleicht könnte sich die Armee auch ein wenig flexibler geben wenn es um das Absolvieren von WK's geht. Wenn (halt etwas ältere als normal) Lehrlinge im letzten Lehrjahr ein halbes Jahr vor den Abschlussprüfungen gezwungen werden in den WK zu gehen - und kein Gesuch - auch nicht die Begründung dass es in diesem Fall eine Erstausbildung ist - nützt,und der leider nicht so starke Lehrling 3 Wochen einer wichtigen Jahresperiode verpasst inkl. 3 Wochen Gewerbeschule, da der Weg zu weit gewesen ist. Begründung: Gewerbe müsse sich der Armee anpassen. Was für ein Hohn. Wer bezahlt wohl die Armee?

  • PS;L am 21.02.2019 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nur so ne Idee

    Wie wäre es die abertausend unnötigen Berufsmilitärs zu reduzieren? Wir haben ja bald mehr Offiziere als Soldaten? Wie wäre es wenn man mal nicht nur daran denkt, dass man selbst Dienst tun musste (habe selbst 450 Diensttage) - sondern was das beste für das Land und das Volk wäre?

  • Z. B. am 21.02.2019 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Politisches Verantwortungsbewusstsein bitte!

    Ich finde, man sollte nicht den Zivildienst gegen das Militär ausspielen und umgekehrt. Beides ist wichtig. Beides hat Vor- und Nachteile. Anstatt eines von beiden unattraktiver zu machen, sollte der Bundesrat seine begrenzten Ressourcen dafür verwenden, den Nutzen von RS und ZD zu erhöhen und allfällige Missstände zu beheben. Der BR muss sich dieser Verantwortung bewusst werden statt mit unseren Steuergeldern die Dinge schlimmer zu machen.

  • dixelor am 21.02.2019 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Schweiz..!

    Die ganze Schweiz redet und redet. Aber niemand denkt daran einmal Frauen mit in Boot zu holen und zwar für obligatorisch. Sorry Ladies, aber auch ihr könnt Euch Eure Fingernägel schmutzig machen, schaden würde es niemandem. Aber nein, stattessen mutiert unsere Gesellschaft, zu Geld-Ausgebemaschinen, die nichts mehr schätzen können und immer unzufriedener werden. Klar, das Militär an sich ist blödsinn, ich bin immernoch Armeeangehöriger und kein Fan. Jedoch muss ich schon sagen, alle die Militärdienst leisten, verfügen, auch wenn es nicht bei alles so ist, einen FUNKEN ANSTAND.