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30. Dezember 2008 23:59; Akt: 31.12.2008 11:42 Print

Bundesratsfoto «fast wie eine Beerdigung»

In Schwarz gekleidet, freundlich lächelnd - aber leicht auseinandergedriftet: So zeigt sich der Bundesrat auf dem offiziellen Foto für das Jahr 2009.

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«Auf diesem Bild widerspiegelt sich die Krise. Schritten die Bundesräte letztes Jahr auf die Betrachter zu, präsentiert sich der Bundesrat statisch, verschlossen und sehr dunkel. Fast wie auf einer Beerdigung.» «Mir gefällt sein Mut, auf Understatement zu setzen (SVP-Krawatten/ Hemden sind ja oftmals wüst gemustert). Der dunkle Anzug und die Krawatte kommen gut, auch die italienisch angehauchten Schuhe.» «Frau Calmy-Rey zeigt sich nicht erstmals mit verschränkten Armen. Ist sie so unsicher? Die weissen Elemente versuchen, die Schwärze aufzubrechen, was aber nur halb gelingt. Das Kleid erinnert an ein Zirkuskostüm.» «Nichts Neues, klassischer Armani-Typ, gut. Leuenberger macht nichts falsch. Er bekommt jetzt aber Konkurrenz von Ueli Maurer...» «Schön, versucht er mit der Krawatte einen Akzent zu setzen. Aber warum Baby-Blau? Erinnert an Babyzimmer-Einrichtungen.» «Auch Leuthard ist männlicher geworden. Sorgte sie vor zwei Jahren mit einem grauen Kleid für Aufsehen, gibt sie sich jetzt zugeknöpft. Ihre Haltung wirkt etwas strebermässig. Schön das Detail am Blazer und der Lippenstift.» «Dunkle Farben machen grosse Menschen noch schwerer. Couchepin würde besser mit Anthrazit/Grautönen fahren. Deshalb nützen auch das weisse Hemd und die Krawatte nicht viel.» «Endlich ein Röcklein! Tadellose Schuhe (machen schöne Beine), tadelloses Kleid, nur leider auch sehr, sehr dunkel, die zarte Frau zerfällt darin.» «Kann man bei ihr in den Religionsunterricht geben? Geht gar nicht! Die mephistoähnlichen Schuhe machen eine schlechte Haltung. Total zunichte gemacht wird ihre Figur mit dem Rock, der über die Knie reicht - wirkt beinverkürzend.»

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Lesen Sie in der obigen Bildstrecke das «Quick Verdict» von Claudia Schmid, Redaktorin Trend bei der «SonntagsZeitung».


Nachdem sich der Bundesrat im vergangenen Jahr auf dem offiziellen Bundesratsfoto noch unters Volk gemischt hatte, steht er nun wieder alleine da. Die vier Bundesräte, die drei Bundesrätinnen und die Bundeskanzlerin sind im Unterschied zu den meisten früheren Ausgaben weniger als Gruppe in Szene gesetzt, sondern eher als einzelne Magistraten.

Jedenfalls halten die Mitglieder der Landesregierung einen gebührenden Abstand voneinander ein, so dass ihre Silhouetten vom Nebenmann oder der Nebenfrau nicht tangiert sind. Vor dem elektronisch eingearbeiteten unwirklichen Hintergrund (der dazu noch schlecht ausgeschnitten ist) wirken die Einzelfiguren fast etwas pappkameradenhaft.

Widmer-Schlumpf zeigt keine Zähne

Diesen Eindruck versuchen die Landesväter und -mütter immerhin mit warmen und freundlichen Gesichtern wettzumachen. Am breitesten lächelt - nebst Aussenministerin Micheline Calmy-Rey - der neue Bundespräsident Hans-Rudolf Merz. Er ziert die Bildmitte zusammen mit Vizepräsidentin und Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard.

Auf der linken Bildhälfte stehen Verkehrs- und Energieminister Moritz Leuenberger, die Aussenministerin und - ganz links - der neue Verteidigungsminister Ueli Maurer, mit dem die SVP nun wieder in den Bundesrat einzieht. Er steht selbstbewusst dem Kollegium zugewandt, während die Sozialdemokratin Calmy-Rey neben dem neuen SVP-Kollegen mit vor dem Körper verschränkten Armen eher eine Abwehrhaltung einnimmt.

Auf der rechten Bildhälfte überragt Innenminister Pascal Couchepin alle anderen um Haupteslänge. Unbeeindruckt davon lächelt daneben Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf - allerdings als einzige, ohne die Zähne zu zeigen. Am rechten Rand rundet Bundeskanzlerin Corina Casanova das Bild ab.

3D-Variante im Internet

Das Bild unter dem Motto «swissness» ist im Fernsehstudio des Medienzentrums Bundeshaus in Bern entstanden. Das Konzept wurde nach den Wünschen von Bundespräsident Merz vom Berner Fotograf Michael Stahl und der Firma Satzart Bern gemeinsam entwickelt und realisiert.

Die Autogrammkarte wurde in einer Auflage von 60 000 Exemplaren produziert und liegt an allen Logen des Bundeshauses sowie im Politforum Käfigturm auf. Wer ein Bild möchte, kann es ab dem 5. Januar aber auch über Internet bestellen oder unter Beilage einer adressierten Klebeetikette per Post kostenlos beziehen.

Neu besteht zudem die Möglichkeit, das Bild im Internet in einer dreidimensionalen Version anzuschauen. Es handelt sich um die insgesamt 19. Autogrammkarte seit Einführung dieser Tradition im Jahre 1993. Wegen Wechseln in der Regierung während des Jahrs waren 1998 sowie 1999 und 2006 je zwei Aufnahmen nötig gewesen.

(ap)