Bussen verlieren Wirkung

15. September 2019 11:48; Akt: 15.09.2019 17:19 Print

«Schwänzen kostete mich 540 Fr – das wars wert»

von D. Krähenbühl - Das Berufsbildungszentrum Schaffhausen nahm 2018 über 40'000 Franken Bussgelder fürs Schwänzen ein. Die Bussen verlieren jedoch ihre Abschreckungswirkung.

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Jeder dritte Schüler schwänzt relativ häufig die Schule, wie das Magazin des Schweizer Lehrerverbands, «Bildung Schweiz», berichtet. Wer dem Unterricht unentschuldigt fernbleibt, kann von Gesetzes wegen von gewissen Berufsschulen mit einer Busse belegt werden. Über 40'000 Franken waren am Berufsbildungszentrum Schaffhausen letztes Jahr, wie Rektor Christian Rohr bestätigt. «Anfangs hätten die Bussen gewirkt, weniger Lehrlinge fehlten», sagt Rohr. Heute hätten die Geldstrafen nicht mehr den gewünschten Effekt. Tatsächlich machen sie den Lehrlingen kaum Eindruck: so etwa Shkelqim H. (19), der nach der Berufsschule 540 Franken Busse bezahlen musste, da er 54 unentschuldigte Absenzen hatte. «Die Freizeit war es mir wert, die Bussen zu bezahlen.» Die Wirtschaftsschule KV Zürich versucht derweil, Bussen möglichst zu vermeiden: «Seit einigen Jahren tragen Lehrer die An- und Abwesenheiten und grobe Verspätungen auf einer Plattform ein, die dann abends automatisch E-Mails an die Lehrbetriebe auslöst», sagt Rektor Christian Wölfle. «Fehlt jemand regelmässig unentschuldigt, kann ab dem zweiten Mal Schwänzen ein Verweis ausgesprochen werden», sagt Wölfle. Das wiederum kostet mitsamt Gebühren 180 Franken. An Geldstrafen festhalten will indes die Berufsschule Aarau. Dort wurden Lehrlinge und Studenten letztes Jahr mit Bussen in Höhe von 60'000 Franken belegt, wie Rektor Paul Knoblauch bestätigt. «Damit werden Sportanlässe, Exkursionen, Projekte oder Theaterbesuche finanziert», sagt Knoblauch. «Wir kaufen damit keine Beamer.»

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Viele Schüler, Lehrlinge oder Studenten kennen das Gefühl: Man ist müde, erschöpft oder hat grundsätzlich keinen Bock auf den Unterricht. Jeder dritte Schüler schwänzt relativ häufig die Schule, wie das Magazin des Schweizer Lehrerverbands, «Bildung Schweiz», berichtet. Wer dem Unterricht unentschuldigt fernbleibt, kann von Gesetzes wegen von gewissen Berufsschulen mit einer Busse belegt werden. Über 40'000 Franken waren es am Berufsbildungszentrum Schaffhausen letztes Jahr, wie Rektor Christian Rohr bestätigt.

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Wer einer Lektion unentschuldigt fernbleibt, muss tief in die Tasche greifen: 50 Franken sind es pro Lektion. «Anfangs wirkten die Bussen, weniger Lehrlinge fehlten», sagt Rohr. Heute hätten die Geldstrafen nicht mehr den gewünschten Effekt. «Einige rechnen etwa aus, was billiger kommt: den Heimflug einen Tag später nach Hause nehmen oder die Busse bezahlen», so Rohr. Aufgrund dieser Tendenz und der somit ausbleibenden Wirkung würden derzeit Anpassungen der Reglemente diskutiert – und ob es die Busse in dieser Form überhaupt noch bringt.

Tatsächlich machen sie den Lehrlingen kaum Eindruck: so etwa Shkelqim H. (19), der nach der Berufsschule 540 Franken Busse bezahlen musste, da er 54 unentschuldigte Absenzen hatte. «Trotz der Fehlstunden habe ich mit einer 5,1 abgeschlossen», sagt H. «Die Freizeit war es mir wert, die Bussen zu bezahlen.»

Automatische Mails an Lehrbetriebe

Auch die Wirtschaftsschule KV Zürich versucht derweil, Bussen möglichst zu vermeiden: «Seit einigen Jahren tragen Lehrer die An- und Abwesenheiten und grobe Verspätungen auf einer Plattform ein, die dann abends automatisch E-Mails an die Lehrbetriebe auslöst», sagt Rektor Christian Wölfle. «Fehlt jemand regelmässig unentschuldigt, kann ab dem zweiten Mal Schwänzen ein Verweis ausgesprochen werden», sagt Wölfle. Das wiederum kostet mitsamt Gebühren 180 Franken. Wölfle: «Die Massnahme hat signifikant dazu beigetragen, dass die Quote der Schulschwänzer abgenommen hat.»

Den gleichen Weg wähle seit diesem Jahr die Berufsfachschule Uster, sagt Rektor Otto Schlosser: «Die digital erfassten Absenzen werden automatisch via Mail an die zuständigen Berufsbildenden der Lehrbetriebe gemeldet.» Dank dem Verfahren und der engen Zusammenarbeit zwischen Berufsschule und Lehrbetrieb könnten allfällige Abwesenheiten geklärt werden. Schlosser: «Deshalb gehen wir davon aus, dass keine Bussen mehr verfügt werden müssen.»

Bussen im Umfang von 60'000 Franken

An Geldstrafen festhalten will indes die Berufsschule Aarau. Dort wurden Lehrlinge und Studenten letztes Jahr mit Bussen in Höhe von 60'000 Franken belegt, wie Rektor Paul Knoblauch bestätigt. «Die Schule ist Teil der Arbeitszeit.» Wer unentschuldigt fernbleibe, zahle pro Lektion darum 10 Franken. «Wer einen ganzen Tag schwänzt, zahlt unter Umständen also 90 Franken.»

Bussen könnten auch ausgesprochen werden, wenn jemand regelmässig die Hausaufgaben nicht mache oder zu spät komme. Das Geld fliesse aber nicht an die Schule, sondern in einen Fonds für die über 3000 Lehrlinge. «Damit werden Sportanlässe, Exkursionen, Projekte oder Theaterbesuche finanziert», sagt Knoblauch. «Wir kaufen damit keine Beamer.» Wer sich an die Regeln hält, kann profitieren. «Und das sind viele», sagt Knoblauch.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 15.09.2019 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirds noch lernen

    Der gute Shlkqim wirds auch mal noch lernen, dass mit Zahlen nicht alles erledigt werden kann....

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  • Bebbi Basler am 15.09.2019 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Das Aarauer System aus meiner Lehrzeit hat gewirkt

    Ich war von 1983 - 86 in Aarau an der Berufsschule als Koch. Lehrlingslohn 600.- Brutto, Netto knapp 475.-. Damals haben jede angefangenen 15 Minuten 5.- "Strafe" gekostet die man zu Spät war Max 75.- Pro Tag diese Strafe musste man erst beim Sekretariat bezahlen und dem entsprechenden Fachlehrer die Quittung vorlegen. Ausserdem wurden der Lehrmeister und das Lehrlingsamt nach der dritten Busse informiert. Das hat einige die Lehrstelle gekostet. Der Rest hat nie geschwänzt.

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  • Annelie am 15.09.2019 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosequenz

    Ein ehemaliger Schüler sagte einmal, dass wir alle zu nachsichtig mit ihm waren. Er habe die Strenge vermisst und das ausgenutzt. Die Konsequenz: Schüler durch Prüfungen sausen lassen und nicht an die Abschlussprüfung bei mehreren Absenzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • peter pan am 15.09.2019 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gewerbeschule = Arbeitszeit

    Die Gewerbeschule ist Arbeitszeit. Das ist kein Problem der Schule sondern des Arbeitgebers! Bei mir wurde jeweils einfach ein Tag Ferien abgezogen... Und ich konnte sicher sein der Lehrmeister wusste das schon vor Mittag ;-)

  • Lirarum am 15.09.2019 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    Ich kann es nicht glauben, was ich da gelesen habe. Wo bleibt der Respekt für unsere Schweizer Schulbildung. Einfach respektlos und nicht schweizerwürdig.

  • Mutti am 15.09.2019 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respektlos

    Und es ginge so einfach, Schwänzt man eine Stunde, sollte das ganze Semester nachgeholt werden. Es ist respektlos gegenüber den Personen, die nicht aufgenommen wurden.

  • Schorsch am 15.09.2019 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stinkefaul

    Das ist die Einstellung der heutigen Jugend. Und dann wollen sie von uns Erwachsenen noch Respekt. Selten so gelacht.....!!

  • luusbueb am 15.09.2019 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrling gleich billige Arbeitskraft

    Ich habe über drei Jahre einmal pro Monat geschwänzt und hervorragend abgeschlossen. Anscheinend waren die Lektionen nicht notwendig. Meinem Lehrbetrieb war das egal solange die Noten stimmten.