Littering-Problem

29. Juli 2010 00:00; Akt: 28.07.2010 23:46 Print

Bussen schützen vor Abfall nicht

von Eva Surbeck, sda - Ob 40, 50 oder 80 Franken: Bussen allein nützen wenig gegen achtloses Fallenlassen von Papier, Dosen oder Zigarettenstummeln.

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Abfall auf Schweizer Strassen ist ein Problem, welches nur schwer in den Griff zu bekommen ist. (Bild: Keystone)

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Um beim Littering ein Umdenken zu erreichen, sind Kampagnen, Reinigung und Repression nötig - und ein langer Atem der Behörden.

Der Kanton Thurgau kann Abfallsünder seit Anfang 2008 büssen: Bussen würden hin und wieder verteilt, doch «alleine bringen sie nichts», sagt Jürg Hertz, Chef des kantonalen Umweltamtes, auf Anfrage. Der Thurgau kombiniert Repression darum mit Projekten vor Ort, zusammen mit den Gemeinden. «In der Summe wirkt das gut», sagt Hertz.

Abfallberg dank Kampagne kleiner

Entscheidend seien diese Massnahmen vor Ort, sagt Hertz. In Frauenfeld etwa läuft eine Kampagne für einen sauberen Bahnhofplatz. Markus Graf, Leiter des Städtischen Werkhofs, ist erstaunt vom Erfolg: «Wir waren überrascht, wie markant sich die Situation verbessert hat.»

Von einer Woche auf die andere sei der Abfallberg nachhaltig kleiner geworden. Geschäfte waren gebeten worden, mehr Abfallkübel aufzustellen. Plakate wurden aufgehängt und auf dem Platz Menschen direkt angesprochen worden. Und die Polizei markierte Präsenz.

Im Kanton Luzern muss seit 1. Mai 2009 mit einer Sofortbusse von 40 Franken rechnen, wer Zigarettenstummel oder Kleinabfall wegwirft oder Kehricht illegal entsorgt. 264 Mal zückten Ordnungshüter im ersten Jahr nach der Einführung den Block. In den meisten Fällen ging es um Littering.

Laut Polizei haben die neuen Vorschriften die Bevölkerung für das Problem sensibilisiert. Das Stimmvolk hatte die verschärften Bestimmungen im Februar 2009 mit 77 Prozent Ja gutgeheissen.

Sisyphus-Arbeit

In Bern wurden im Sommer 2009 15 Bussen verhängt, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Für den Erfolg der «Repression» sei aber weniger diese Zahl massgebend als das Umdenken. Das Abfallproblem sei den Passantinnen und Passanten inzwischen bewusst.

Trotz aller Anstrengungen sei achtloses Fallenlassen nicht ohne weiteres in den Griff zu bekommen - die Stadtverwaltung spricht von «Sisyphus-Arbeit». Bern gibt für das Putzen von Strassen, Trottoirs und Plätzen jährlich rund 20 Millionen Franken aus.

In Zürich ist Polizei da, wo Menschen gerne verweilen, essen, trinken und Überreste nicht immer korrekt entsorgen, kein Thema. «Das sieht nach Kontrolle aus und beeinträchtigt die Lebensqualität. In Zürich setzten wir auf Eigenverantwortung», sagt Leta Filli, Sprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ). Und auch Polizisten kosteten Geld.

Kein Gesetz auf Bundesebene

ERZ setzt nicht auf Ordnungsbussen, sondern auf genügend Abfallbehälter und schnelle Reinigung von neuralgischen Orten. Die Kosten für die seit einigen Jahren ausgebaute Reinigung des öffentlichen Grundes - Putzkolonnen sind von 4 Uhr früh bis spätabends unterwegs - tragen die Steuerzahler.

Auf Bundesebene gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen zum Littering, aber seit 2008 einen «Runden Tisch». «Ziel ist, Aktivitäten von Städten und Kantonen untereinander und mit der Privatwirtschaft zu koordinieren und Anstösse für die Praxis zu geben», sagt Florian Erzinger vom Bundesamt für Umwelt (BAFU).

Es werde im Moment aber nicht für angezeigt erachtet, Massnahmen per Gesetz durchzudrücken. Das BAFU arbeitet zurzeit an einer Studie zu den von Littering verursachten Kosten, mit Bezug auf die Verursacherbranchen wie Take-Away-Läden, Gratiszeitungen und Zigarettenproduzenten. Anfang 2011 soll sie veröffentlicht werden.