Fertig lustig

28. November 2013 21:02; Akt: 29.11.2013 09:57 Print

Carlos muss jetzt büffeln statt boxen

Der Zürcher Justizdirektor Martin Graf hat zum Fall Carlos Stellung bezogen. Der Straftäter soll eine Ausbildung beginnen – das «Wunschprogramm» sei vorbei.

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Die Zürcher Justizkommission hat am Donnerstag ihren Bericht zum Fall Carlos veröffentlicht. Darin hält sie fest, dass die Jugendanwaltschaft keine strafrechtlichen Fehler gemacht hat. Die Kosten im Fall Carlos – rund eine Million Franken seit 2006 – seien jedoch zu hoch angesetzt gewesen. Deshalb empfiehlt die Kommission, künftige Abrechnungen genauer zu prüfen. Zudem sollten die Behörden am Wohnort eines Straftäters im Sonderprogramm informiert werden.

Der Zürcher Justizdirektor Martin Graf hat sich am Nachmittag zum Bericht geäussert. Er will die Empfehlungen schnellstmöglich umsetzen. Was Carlos betrifft, soll dieser sein Leben bald selber bestreiten können. Der Jugendliche sitzt zurzeit im Massnahmezentrum Uitikon ZH in einer geschlossenen Abteilung. «Ich gehe nicht davon aus, dass er langfristig dort bleiben wird», erklärte Graf. Vermutlich werde das ein paar Monate dauern, dann komme er in den offenen Bereich der Anstalt. Dort soll er dann auch eine Lehre absolvieren. «Das Gefängnis ist für jemanden wie Carlos nicht das Richtige, er braucht einen Aufbau und eine Zukunft.»

Wann Carlos in die offene Abteilung darf, hänge von ihm selbst ab. «Das kommt darauf an, wie er kooperiert. Ich hoffe, dass es weniger als ein Jahr dauert», so Graf. Bisher habe Carlos eine positive Entwicklung gezeigt. Im Massnahmezentrum kann er aber lediglich vier Jahre bleiben – dann fällt er nicht mehr unter das Jugendstrafrecht. Benjamin Tommer, Sprecher der Direktion der Justiz und des Innern, erklärte, dass Carlos danach auf sich selbst gestellt sein werde - ob gewaltbereit oder friedlich.

«Carlos ist kein Justizopfer»

Vorerst verbringt Carlos seine Zeit aber noch in der geschlossenen Abteilung des Massnahmezentrums. Dort ist man laut Graf für solche Fälle ausgebildet. Da Carlos zum Zeitpunkt seiner Straftat jedoch erst 15 Jahre alt war, konnte man ihn nicht von Anfang an nach Uitikon verweisen. Und nachdem er das Mindestalter von 16 Jahren erreicht hatte, wollte man «das Regime nicht wechseln». Das hat sich jetzt allerdings geändert: Statt Thaiboxen soll Carlos jetzt büffeln. «Das Leben ist halt kein Wunschprogramm», sagte Graf.

Carlos hatte sich letzte Woche gegen die Verlegung nach Uitikon wehren wollen: Für drei Tage trat er in den Hungerstreik. Seine Eltern sehen ihren Sohn als Opfer der Justiz. Graf findet jedoch: «Wenn man eine solche Vergangenheit hat, kann man kein Justizopfer sein.»

(vro)