Drohnachrichten

05. Juni 2019 07:57; Akt: 05.06.2019 16:54 Print

Célines Peinigerin mobbt immer noch

Vor zwei Jahren nahm sich Céline Pfister (13) das Leben. Sie war von zwei Jugendlichen gemobbt worden. Eine davon versendet weiterhin Drohnachrichten.

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Für die Justiz ist der Fall abgeschlossen, für die Eltern nicht: Am 28. August 2017 hatte sich Céline Pfister das Leben genommen. Zuvor war die 13-Jährige aus Spreitenbach AG im Internet massiv gemobbt worden. Der Fall hatte schweizweit für Aufsehen und Betroffenheit gesorgt.

Nach dem Suizid waren zwei Jugendliche verurteilt worden: ein Mädchen wegen versuchter Drohung und Beschimpfung und ein Junge wegen Nötigung. Wie jetzt aus Chat-Protokollen ersichtlich wird, macht zumindest die junge Frau weiter mit ihrem Cybermobbing. So soll sie vergangene Woche einem Mädchen Botschaften wie «Ich reisse dir deine Pussy auf» oder «Ich verboxe dich, du kleine Schlampe» zugesendet haben, wie die SRF-«Rundschau» am Mittwoch berichtet. Für Herr und Frau Pfister ist dies besonders belastend. Sie hatten bereits im April dieses Jahres eine Insta-Sperre für Mobber gefordert.

Cybermobbing soll Straftatbestand werden

Denn auch wenn die Staatsanwaltschaft das nicht so sah, so steht für die Eltern fest, dass die Verunglimpfungen direkt zum Tod ihrer Tochter geführt hatten. Vater Candid Pfister sagt in der SRF-«Rundschau»: «Ich weiss nicht, was alles in Célines Kopf vorgegangen ist, aber ich kann mir vorstellen, dass diese öffentliche Blossstellung ihr das Genick gebrochen hat.»

Nun sehen sie die Politik in der Pflicht: «Uns ist klar, unsere Tochter kommt nicht mehr zurück. Aber es muss sich etwas ändern», sagt die Mutter Nadya Pfister. Ihre Forderung ist, dass Cybermobbing als Straftatbestand eingeführt wird. Dies sei aus rechtlicher Sicht nicht nötig, so Strafrechtler Jonas Weber gegenüber SRF, denn diese Tat sei bereits durch die existierenden Strafbestände Drohung, Beschimpfung oder Nötigung abgedeckt. Dennoch geht der Experte davon aus, dass die Einführung von Cybermobbing als Straftatbestand präventive Wirkung zeigen könnte.


(mat)