Zu viele Touristen

10. August 2009 16:15; Akt: 10.08.2009 16:46 Print

Chaos auf dem Jungfraujoch

von Marius Egger - Von wegen Krise: An schönen Tagen wird «Top of Europe» überrannt. Die Jungfraubahn hat sich eine Limite von maximal 5000 Touristen pro Tag gesetzt. Daran halten kann sie sich aber nicht - mit unangenehmen Folgen.

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Zugang zur Jungfraubahn: «Anderthalb Stunden im kalten und dunklen Tunnel gewartet». (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Eigentlich wollte Magdalena Matucza das imposante Alpenpanorama auf dem Jungfraujoch in Erinnerung behalten. Doch zurück bleibt bei ihr vor allem der grosse Frust. Als sie am letzten Mittwoch um 16 Uhr mit Freunden die Rückreise vom höchstgelegenen Bahnhof Europas antreten wollte, «begann unsere Odyssee», sagt sie gegenüber 20 Minuten Online. Die Touristen drängten sich zu Hunderten durch die Tunnelröhren in Richtung Bahnhof. Doch die Heimreise wurde zur Geduldsprobe. «Wir warteten anderthalb Stunden lang in dem kalten und dunklen Tunnel, ehe wir endlich in einen Zug steigen konnten», sagt sie. Die Zustände seien «katastrophal» gewesen. «Kleine Kinder weinten, einige mussten erbrechen und die Höhenluft setzte mehreren Personen arg zu», so Matucza. Laut der Aargauerin wurde den wartenden Touristen mitgeteilt, man habe über 6000 Besucher auf dem Jungfraujoch, weshalb es zu den Wartezeiten komme.

Überfüllte Waggons, schreiende Kinder, Angst und Panik

Pikant: Erst im Mai beschloss die Jungfraubahn eine Kontingentierung. Damit sollte sichergestellt werden, dass pro Tag nicht mehr als 5000 Personen aufs Jungfraujoch reisen. Eigentlich hätte die Kontingentierung ab dem 1. Juli gelten sollen, doch nach einem chaotischen Samstag Ende Mai entschieden die Verantwortlichen, die Maximalzahl an Besuchern sofort einzuführen. Ein englischer Tourist berichtete damals dem «Solothurner Tagblatt» von überfüllten Zugwaggons, schreienden Kindern, Angst und Panik. «Ich entschuldige mich bei allen Gästen, die mit ihrem Ausflug aufs Joch nicht zufrieden waren», sagte Jungfraubahn-CEO Urs Kessler daraufhin der Zeitung und versprach: «Das soll es nie mehr geben, dafür garantiere ich.»

Trotz Kontingentierung 6000 Gäste

Sein Versprechen konnte er nicht halten. Simon Bickel, Sprecher der Jungfraubahn, bestätigt gegenüber 20 Minuten Online: «Wir hatten wegen des schönen Wetters am Mittwoch sehr viele Besucher.» Die Jungfraubahn hätte deshalb zwar zum fünften Mal seit Mai die Kontingentierung eingeführt und ab 11 Uhr keine weiteren Tickets verkauft. Trotzdem: «Wir hatten tatsächlich 6000 Personen auf dem Joch», bestätigt Bickel. Der Grund, weshalb die Maximalzahl von 5000 Personen überschritten wurde: Die Jungfraubahn hatte die Rechnung ohne die zahlreichen Hotels und Tourismusbüros gemacht, die ebenfalls Billette fürs Jungfraujoch in Eigenregie verkaufen. «Diese haben sich nicht an die Kontingentierung gehalten», begründet Bickel.

Es kam, wie es kommen musste: Um 16 Uhr sei es auf dem Bahnhof zu einer Ballung von Leuten gekommen, weil alle gleichzeitig vom Joch abreisen wollten, was zu den langen Wartezeiten führte. Die Jungfraubahn bedauert den Vorfall. Laut Bickel wurde mit den Hotels und Tourismusbüros inzwischen das Gespräch aufgenommen. Bickel verspricht: «Wir werden alles daran setzen, damit es in Zukunft mit der Kontingentierung funktioniert.»

Matucza ist das inzwischen egal. «Ich hoffe, dass die Jungfraubahn aus diesem Vorfall ihre Lehren zieht. Ich werde den Service allerdings nicht mehr nutzen.»