Klima und Ernährung

31. August 2018 05:48; Akt: 31.08.2018 15:08 Print

Beizen sollen CO2-Bilanz von Essen deklarieren

von A. Peterhans - Erste Restaurants deklarieren neben dem Kaloriengehalt auch CO2-Werte. Das soll obligatorisch werden, fordert eine Politikerin.

Bildstrecke im Grossformat »
Nach den Berechnung der Firma Eaternity generiert ein Cheeseburger gleich viel CO2 wie 500 Stunden Fernsehen. Ein weiterer Vergleich: 1 kg Schweinefleisch verursacht so viel CO2 wie 80 kg Kartoffeln. Dreimal pro Woche klimafreundlich essen würde die Welt verändern, so die Website. Eaternity, gegründet als ETH-Spin-off, berechnet den Ausstoss der Emissionen von Lebensmitteln und bietet so Restaurants und Gastrobetrieben die Möglichkeit, ihre Nahrungsmittel und Menüs CO2-freundlich auszuwählen, herzustellen und zu deklarieren. Zur Berechnung benutzt Eaternity Lebenszyklusanalysen (LCA). «Unser Tool dafür berücksichtigt 50 bis 60 Herstellungs- und Produktionsschritte pro Lebensmittel, sagt Mitgründer Manuel Klarmann. «Die Berechnungen beinhalten Angaben zur Saisonalität und den Transportmitteln, sogar die Kilometerzahl des Traktors wird einberechnet. Das führt zu einem CO2-Wert, der sehr präzise ist und den Restaurant deklarieren können», sagt Klarmann. «Wir müssen unser CO2 aus der Lebensmittelproduktion laut Klimakonvention bis 2050 um zwei Drittel reduzieren. Dieses Ziel ist hoch angesetzt. Das schreckt ab», so Klarmann. Deshalb hätten sie sich dazu entschieden, mit Restaurants zusammenzuarbeiten: «Die Menschen bekommen so den Wandel nicht überspült mit, sondern denken: Das schmeckt mir und ist gleichzeitig CO2-freundlich.» Ein durchschnittliches Auto stösst bei einer Fahrt von zwei Kilometern etwa 300 Gramm CO2 aus. Ein Teller Züri-Geschnetzeltes verbraucht demnach etwa so viel CO2 wie eine Fahrt von der Innenstadt an den Flughafen Zürich. Dieses Deklarationsmerkmal kennen Sie vielleicht schon. In vielen Mensen wird jeweils ein Menü als «klimafreundlich» deklariert. Eine herkömmliche Mahlzeit erzeugt etwa 1600 g CO2 in Herstellung und Transport der Rohprodukte. Die aus saisonalen, regionalen und zumeist pflanzlichen Produkten gekochten Klimamenüs entsprechen lediglich 600 g CO2 pro Person - das heisst, jedes Klimamenü spart rund 1 kg CO2. SVP-Nationalrat Christian Imark sieht hinter dem Konzept der Firma einen «weiteren Anti-CO2-Aktivismus», der zu mehr Vorschriften führe. «CO2 ist Teil unseres Lebens. Nur schon die Abklärung für nachhaltige Menüs, die Kontrolle, die Deklaration – die gesamte Bürokratie dahinter – führen zu grossen Kosten.» Dem widerspricht Maya Haus, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz. «Deklaration hat nichts mit Verboten zu tun. Es schafft Klarheit auf den ersten Blick.» Alles, was hier auf den Teller komme, werde aus gesundheitlichen Gründen schon kontrolliert. Dadurch seien keine grossen zusätzlichen Kosten mehr nötig, um diese Kontrollen auf die Nachhaltigkeit auszudehnen, so Haus.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Produktion einer Portion Zürcher Geschnetzeltes verursacht einen CO2-Ausstoss von 3700 Gramm. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Auto stösst bei einer Fahrt von zwei Kilometern etwa 300 Gramm CO2 aus. Das Geschnetzelte verbraucht demnach etwa so viel CO2 wie eine Fahrt von der Zürcher Innenstadt an den Flughafen.

Umfrage
Würden sie auf Klimawerte bei Menüs achten?

Rund ein Drittel der privaten, konsumbedingten Umweltbelastung durch CO2 werde in Europa durch die Ernährung verursacht, sagt Manuel Klarmann, Geschäftsführer und Mitgründer der Organisation Eaternity. Die Firma, gegründet als ETH-Spin-off, berechnet den Ausstoss der Emissionen von Lebensmitteln und bietet so Restaurants und Gastrobetrieben die Möglichkeit, ihre Nahrungsmittel und Menüs CO2-freundlich auszuwählen, herzustellen und zu deklarieren.

CO2 um zwei Drittel reduzieren

Zur Berechnung benutzt Eaternity sogenannte Lebenszyklusanalysen (LCA). «Unser Tool berücksichtigt 50 bis 60 Herstellungs- und Produktionsschritte pro Lebensmittel. Dazu kommen Angaben zur Saisonalität und den Transportmitteln. Sogar die Kilometerzahl des Traktors wird einberechnet. Das führt zu einem CO2-Wert, der sehr präzise ist und den die Restaurants deklarieren können», sagt Klarmann.

«Wir müssen unser CO2 aus der Lebensmittelproduktion laut UNO-Klimakonvention bis 2050 um zwei Drittel reduzieren. Dieses Ziel ist hochgesteckt. Das schreckt ab», so Klarmann. Deshalb hätten sie sich dazu entschieden, mit Restaurants zusammenzuarbeiten. «Die Menschen bekommen so den Wandel nicht überspült mit, sondern denken: Das schmeckt mir und ist gleichzeitig CO2-freundlich.»

Mehr Vorschriften wegen «Aktivismus»?

SVP-Nationalrat Christian Imark sieht hinter dem Konzept einen «weiteren Anti-CO2-Aktivismus», der zu mehr Vorschriften führe. «CO2 ist Teil unseres Lebens. Nur schon die Abklärung für nachhaltige Menüs, die Kontrolle, die Deklaration, also die gesamte Bürokratie dahinter führt zu grossen Kosten.» Etwas für die Nachhaltigkeit zu tun, sei zwar richtig – aber nur dort, wo es auch eine Wirkung habe: «Wir werden immer mehr Menschen auf der Welt. Klimawerte bei unseren Menüs sind da nutzlos», sagt Imark. «Der Anteil der Schweiz am gesamten CO2-Ausstoss beträgt ein Tausendstel.»

Dem widerspricht Maja Haus, Co-Präsidentin der Jungen Grünen. «Deklaration hat nichts mit Verboten zu tun. Sie schaffen Klarheit auf den ersten Blick.» Sie erwarte von Schweizer Lebensmittelanbietern, genau zu wissen, wo und wie ihre Lebensmittel produziert und verarbeitet würden. Es seien keine grossen Zusatzkosten mehr nötig, das zu deklarieren, sagt Haus. «Einflussreichen Firmen wie Nestlé ist es jedoch recht, Lebensmittel nur dann zu deklarieren, wenn es ihnen etwas für ihr Image nützt. Fehlende Nachhaltigkeit und schlechte Arbeitsbedingungen werden generell gerne unter den Teppich gekehrt.»

Konzept hat Erfolg

Der Präsident von der Klimabewegung Myblueplanet, Daniel Lüscher, sieht ein wachsendes Bewusstsein in der Bevölkerung: «Menschen wollen immer mehr selbst einen Beitrag für die Umwelt leisten. Mit der Ernährung haben sie die Möglichkeit dazu.» Zudem sei das auch ein sozialer Akt. «Wir kochen zum Beispiel gemeinsam mit Flüchtlingen. Da lernen alle dazu. Neben der nachhaltigen Ernährung, lernen Flüchtlinge die Sprache und die Schweizer Saisonküche», sagt Lüscher.

Die Compass-Group, die schweizweit rund 200 Personal-, Studenten- und andere Restaurants betreibt, ist einer von weltweit 74 Betrieben, die berechnen, wie viel Kohlendioxid ihre Menüs verursachen. Aber auch kleinere Betriebe wie das Equitable in Zürich setzen erfolgreich auf eine nachhaltige Menükarte.

Julia Besel, Chef de Service und Mitglied der Geschäftsleitung von Equitable sagt: «Wir berechnen einmal im Jahr unseren kompletten CO2-Ausstoss.» Küchenchef Fabian Fuchs setze gerne auf kurze Lieferketten und regionale Ernährung. «In unserer Umgebung stecken wunderbare Lebensmittel. Das ist kein Verzicht, sondern eine Bereicherung. Das Menü schreiben fällt umso leichter.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan Gerber am 31.08.2018 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die Verblödung..

    ..nimmt kein Ende. Wieso muss dem Bürger überall und dauernd ein schlechtes Gewissen eingeredet werden? Dann sollte man doch gleich auch jeden einzelnen Arbeitsplatz auf CO2 untersuchen. Da redet keiner davon, dass unsere Arbeitsprozesse unsere Umwelt auch verschmutzen.

    einklappen einklappen
  • MArtin am 31.08.2018 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das bringen ?

    Wählen wir unser Essen nach dem Verschmutzungsgrad aus ? "Heute Pizza ?" -"Nein, das ist nicht gut für die Umwelt" Was ein Witz

    einklappen einklappen
  • zh89 am 31.08.2018 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stellt weitere Vergleiche an..

    Mich nähme Wunder wo hoch die CO2-Belastung eines durchschnittlichen Avocado-Salates ist? Und wie sieht es bzgl. all den anderen 'Superfood-Insta-Foodporn-Trendprodukten' aus?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ingenieur Roman am 31.08.2018 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deklaration auf allen Produkten

    Nicht nur Restaurant, sondern auch Retailer sollten den CO2 Anteil der Herstellung und Transports deklarieren. So kann jeder/e selbst entscheiden wieviel er/sie zur globalen Erwärmung beitragen möchte!

  • eine Rentnerin am 31.08.2018 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wer bezahlt Mathematiker in der Küche?

    Seit wann arbeiten Mathematiker in der Küche? Um die CO2-Belastung eines Menues zu berechnen braucht es mehr als das kleine Einmaleins. Und wer soll diesen Aufwand bezahlen? Der Gast? Bei den bereits heute meist überrissenen Restaurant-Preisen in der Schweiz?

  • Ryan Kand am 31.08.2018 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hirngespinst

    Blödsinn ich habe in einem grossen Gastrounternehmen gearbeitet, wo gewisse Leute in den Teppich-Etagen diese Schnapsidee hatten. Ein Eco Menu wurde kreiert und jeden Tag die Eco Bilanz der Gerichte angegeben. Die 3500 Gästen haben sich gar nicht dafür interessiert und dies einheitlich als Non Sense taxiert. Nach ein paar Monaten wurde das Experiment beendet.

  • Mustang am 31.08.2018 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spinner

    Find ich gut.Nehm dann immer das Menu was am meisten CO2 verursacht,nur um den grünen Spinnern einen reinzuwürgen.Meinen die echt wir Schweizer können und wollen die Welt retten?

  • Kurt F. am 31.08.2018 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr?

    Die Liste, was man alles muss wird immer grösser. Logisch steigen die Kosten? Damit meine ich nicht nur die Konsumkosten, sondern auch die Kosten für die Behandlung eines Burnouts. Glaubt Ihr ernsthaft, die Wirten hätten nichts besseres zu tun. Die Herkunftsdeklaration finde ich übrigens in Ordnung. Aber dabei bleibt es. Noch mehr braucht es nicht.