Reiseverbot für Gruppen

26. Januar 2020 16:50; Akt: 27.01.2020 10:04 Print

Coronavirus trifft Schweizer Tourismus

von N. Knüsel - Wegen des Coronavirus dürfen in China keine Gruppenreisen mehr verkauft werden. Schweizer Hoteliers sind besorgt.

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Mit über 1,3 Millionen Logiernächten waren Chinesen 2019 die viertwichtigsten ausländischen Touristen. Doch wegen des Coronavirus hat die chinesische Regierung den Verkauf von Pauschalreisen unterbunden. Die Schweizer Tourismusbranche sei besorgt, sagt Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus: «Man kann die genauen Auswirkungen nicht abschätzen und weiss nicht, wie lange die Beschränkung andauern wird.» Mehr als die Hälfte der Gäste aus Festlandchina komme mit Gruppenreisen, so Berger. Zudem sitze ihr Portemonnaie locker: «Sie geben nach Reisenden aus den Golfstaaten am zweitmeisten Geld in der Schweiz aus, nämlich im Schnitt 380 Franken pro Person und Tag.» Vor allem in der Vierwaldstättersee-Region sind Reisende aus China wichtig: In der Stadt Luzern etwa machten sie 2019 rund zehn Prozent der Logiernächte aus, wie der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren sagt. «Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen oder Monaten weniger chinesische Gäste in die Schweiz reisen», so Perren weiter. Die Situation sei aber sehr schwer einzuschätzen. Auch Conrad Meier, Präsident der Zentralschweizer Hoteliers, ist auf Touristen aus China angewiesen: «Sie bilden einen grossen Teil des Wintergeschäftes.» Keine allzu grossen Sorgen macht sich dagegen Urs Keller, CEO der Jungfraubahnen: «Wir sind positiv eingestellt. 40 Prozent unserer Kunden aus China reisen als Individualtouristen und fast jeder will aufs Jungfraujoch.» (Symbolbild) Im Moment seien wegen des chinesischen Neujahrs viele Gäste in der Schweiz, sagt Markus Berger von Schweiz Tourismus. Dann gehe die Nachfrage aber zurück: «Februar und März sind traditionell schwache Monate für Tourismus aus China.» Die meisten Chinesen reisen aber im Sommer. Ueli Heer, Sprecher von Zürich Tourismus befürchtet: «Wenn das Reiseverbot bis dann bestehen bleibt, könnte es grössere Einschnitte geben.»

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Besonders in Luzern oder Interlaken sind sie allgegenwärtig: Touristen aus China. Sie bevölkern die Innenstädte und schiessen Selfies vor Sehenswürdigkeiten. Auch gesamtschweizerisch gesehen sind Reisende aus China wichtig. Sie buchten von Januar bis November 2019 über 1,3 Millionen Logiernächte und sind damit die viertwichtigsten ausländischen Touristen.

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Oft sind sie in grossen Gruppen unterwegs und reisen im Car durch Europa. Doch genau das ist bald nicht mehr möglich: Wegen des Coronavirus hat das chinesische Tourismusministerium ab Montag den Verkauf von Gruppenreisen ins Ausland gestoppt.

Spendierfreudige Chinesen

Die Schweizer Tourismusbranche sei besorgt, sagt Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus: «Man kann die genauen Auswirkungen nicht abschätzen und weiss nicht, wie lange die Beschränkung andauern wird.» Mehr als die Hälfte der Gäste aus Festlandchina komme mit Gruppenreisen, so Berger. Zudem sitze ihr Portemonnaie locker: «Sie geben nach Reisenden aus den Golfstaaten am zweitmeisten Geld in der Schweiz aus, nämlich im Schnitt 380 Franken pro Person und Tag.»

Chinesische Touristen sind laut dem Sprecher ein bedeutender Faktor im Schweizer Tourismus: «Das liegt vor allem an ihrer Ausgabefreudigkeit, kombiniert mit dem Wachstumspotenzial.» Daher fielen fehlende Touristen aus China mehr ins Gewicht als solche aus anderen Ländern.

In Luzern ist man verunsichert

Gerade in der Vierwaldstättersee-Region rund um Luzern sind Reisende aus China sehr wichtig: In der Stadt Luzern etwa machten sie 2019 rund zehn Prozent der Logiernächte aus, wie der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren sagt: «Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen oder Monaten weniger chinesische Gäste in die Schweiz reisen.» Die Situation sei aber sehr schwer einzuschätzen.

Auch Conrad Meier, Präsident der Zentralschweizer Hoteliers, ist auf Touristen aus China angewiesen: «Sie bilden einen grossen Teil des Wintergeschäftes.» Zwar haben weder Meier noch Perren bisher Kenntnis von annullierten Reisen aus China. «Das könnte sich aber sofort ändern», so Meier.

Jungfraubahnen positiv

In Zürich geht man ebenfalls von einem Rückgang der Logiernächte aus. «Wir müssen damit rechnen, dass das Verbot von Gruppenreisen einen Einfluss haben wird», sagt Ueli Heer von Zürich Tourismus. Wie stark, sei schwierig abzuschätzen. Keine allzu grossen Sorgen macht sich dagegen Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen: «Wir sind positiv eingestellt. 40 Prozent unserer Kunden aus China reisen als Individualtouristen und fast jeder will aufs Jungfraujoch.»

Im Moment seien wegen des chinesischen Neujahrs viele Gäste in der Schweiz, sagt Markus Berger von Schweiz Tourismus. Dann gehe die Nachfrage aber zurück: «Februar und März sind traditionell schwache Monate für Tourismus aus China.» Die meisten Chinesen reisen im Sommer. Ueli Heer befürchtet: «Wenn das Reiseverbot bis dann bestehen bleibt, könnte es grössere Einschnitte geben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jens Müller-Delavar am 27.01.2020 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Sicherheit ist wichtiger als Geld, liebe Hoteliers. Findet euch damit ab!

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  • Vreni am 27.01.2020 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ernsthaft jetzt?

    Ernsthaft jetzt? Es geht hier um Leben und Tod und wir diskutieren über den Tourismus?

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  • .::A.K::. am 27.01.2020 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich...

    ...steht das Geld mal wieder an erster Stelle !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nessli-s am 28.01.2020 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Hey Hallo? Es geht da um einen Virus der möglichst nicht global werden sollte und das einzige was sich die Tourismusbranche schert sind die Geldverluste. Bricht der Virus voll aus dann gibt es weniger Menschen die ihr Geld in der Schweiz liegen lassen können. Wirtschaft und Tourismus funktioniert nur mit Menschen. Wie unsensibel.

  • Bruce am 27.01.2020 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zufiele Touris

    Ein paar Touristen weniger. Also sind ein paar Regionen in der Schweiz wieder einen Besuch wert.

  • SH3Y am 27.01.2020 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr lange

    Die Behörden in China werden es in den Griff bekommen und in wenigen Monaten wird dieses Virus mit minimalen Verlusten überstanden sein. Wichtig scheint nun herauszufinden wie es sein Ursprung hatte um sich auf Kommendes zu wappnen.

  • Sandra am 27.01.2020 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie möchten es so

    Selber schuld man will ja nurnoch Touristen. Eine Schweizer Familie kann diese Ausflüge ja kaum bezahlen.

  • eine Frage der Zeit am 27.01.2020 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ruf nach dem Staat

    Wetten es folgt bald dee Ruf nach Stütze furch den Staat.