Proteste in Hongkong

12. Dezember 2019 12:49; Akt: 12.12.2019 16:10 Print

Chinesen intervenieren wegen Film an ZHDK

An der Zürcher Kunsthochschule wurde ein Film über die Proteste in Hongkong gezeigt. Die chinesische Botschaft intervenierte beim Rektor.

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Austauschstudenten aus Hongkong wollten an der Zürcher Kunsthochschule (ZHDK) einen Film über die Strassenproteste in der Heimat zeigen. Wie die Redaktion Tamedia schreibt, rief das die chinesische Botschaft in der Schweiz auf den Plan, die am vergangenen Donnerstag ein besorgtes Mail ans Rektorat der Hochschule schickte.

China war laut dem Bericht insbesondere besorgt über antichinesische Graffitis im Gang der Hochschule, die teils zu Gewalt aufriefen: «Tötet alle Bullen in Schwarz», «Möge der Himmel die Kommunistische Partei zerstören» oder «Stehe Hongkong bei», sollen sie gelautet haben. Die Botschaft riet den 15 chinesischen Studenten der ZHDK, der Filmvorführung am Abend fernzubleiben.

Der Rektor der Kunsthochschule, Thomas D. Meier, soll anschliessend ein Mail an die Studenten geschickt haben: «Die ZHdDK als kantonale Institution toleriert keine politischen Statements, vor allem solche mit ­problematischen Inhalten», zitiert die Zeitung daraus. Gegen die Filmvorführung hatte Meier keine Einwände. Er verwies auf die Schweizer Bundesverfassung, welche die Freiheit der Kunst garantiert. Die Graffiti sollen zu diesem Zeitpunkt bereits entfernt worden sein. Unbekannte hätten daraufhin prochinesische Parolen an die Wände geschmiert.

Studenten fühlen sich überwacht

Wie die chinesische Botschaft Wind vom Anlass bekam, ist nicht bekannt. Einige Studenten wandten sich besorgt an die Medien. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, sprachen sie von «Einschüchterungsversuchen» seitens der chinesischen Regierung. Diese habe von einem «Randalefilm» gesprochen. Schriftlich bestreitet Meier, dass das Wort «Randalefilm» in der Mail aufgetaucht sei. Einsicht in die Mail wollte Rektor Meier der Zeitung nicht gewähren. Die chinesische Botschaft habe auf Anfrage nicht reagiert.

«Die Hongkonger Studenten fühlten sich nicht mehr sicher genug, um vor Publikum frei zu sprechen», sagte Tobias Brienz dem «Tages-Anzeiger». Dieser war an der Filmproduktion beteiligt. Die Studenten aus Hongkong fühlten sich überwacht und hätten von Zensur gesprochen. Anschliessend sagten sie aus Angst vor Repression ihren Auftritt im Rahmen der Aufführung ab.

Transatlantische Kunstprojekten

Dabei stehen Kunstwerke über China an der der Tagesordnung der Hochschule: Das Programm «Transcultural Collaboration», eine Zusammenarbeit von Kunsthochschulen in Hongkong, Peking, Singapur, Taipeh und Zürich, arbeite jeweils während drei Monaten im Herbst zwecks kulturellen Austauschs zusammen. Rund 50 Studierenden arbeiten während dieser Zeit an den genannten Unis.

Im September seien einige Studenten zum Austausch in Hongkong gewesen. Bei ihrer Ankunft erreichten die Proteste auf der Strasse mit dem 70. Geburtstag der chinesischen Volksrepublik eine neue Eskalationsstufe. «Die Polizeigewalt wurde immer willkürlicher und brutaler. Vor allem für junge Menschen aus Hongkong wurde die Lage kritisch», sagte Tobias Brienz dem «Tages-Anzeiger». Er gründete deshalb ein Kollektiv mit weiteren Austauschstudenten. «Wir merkten, dass wir keine Kunst machen, sondern die Proteste verstehen wollen», sagt er. Sie seien auf die Strassen gegangen und hätten mit Beteiligten gesprochen. Das Kollektiv wollte in dem Film seine Erlebnisse verarbeiten. Gewisse Szenen würden kriegsähnliche Zustände zeigen, sagt Brienz. Woher die Botschaft von dem Film wusste, ist auch den Studenten ein Rätsel.

(zoa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wate fak am 12.12.2019 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Einmischung

    Warum geht der Rektor auf den Botschafter ein..? Das geht den doch nichts an...

  • M. Aeschlimann am 12.12.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ein guter Tipp an die Botschaft

    Am Besten mal vor der eigenen Haustüre wischen liebe chinesische Botschaftsangestellte. Einschüchterung ist kein guter Berater in der Schweiz.

  • LingLing am 12.12.2019 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Vertuschung

    China soll in China bleiben, was Studenten hier in der Schweiz machen sollte nicht mehr in Ihrem Machtspektrum liegen oder seh ich das falsch?!! Vorallem wenn es darum geht eine Situation wie diese in HongKong zu vertuschen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 12.12.2019 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erinnerern

    China verbietet sich jeweils jegliche Einmischung von anderen Ländern in innere Angelegenheiten, in diesem Sinne sollte Sie sich auch selber daran halten y gegebenfalls muss China daran erinnert werden. DER Rektor hätte dies tun müssen.

  • Typhoeus am 12.12.2019 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Honkong und China

    sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

  • Typhoeus am 12.12.2019 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie

    wurde ja auch nicht in China erfunden und in der Schule lernen sie es nicht.

  • M. Aeschlimann am 12.12.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ein guter Tipp an die Botschaft

    Am Besten mal vor der eigenen Haustüre wischen liebe chinesische Botschaftsangestellte. Einschüchterung ist kein guter Berater in der Schweiz.

  • pretty_licka am 12.12.2019 14:22 Report Diesen Beitrag melden
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