Vermisste Tiere

23. Oktober 2015 09:20; Akt: 23.10.2015 09:20 Print

Chip für Katzen soll Pflicht werden

Tierorganisationen fordern ein Chip-Obligatorium für Katzen. In der Politik kommt die Forderung nicht gut an.

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Der Mikrochip kann vom Tierarzt implantiert werden und jeder Tierarzt kann den Chip mit einem Gerät lesen und somit den Besitzer der Katze ausfindig machen. (Bild: dpa/Ingo Wagner)

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Jedes Jahr verschwinden in der Schweiz tausende Tiere. Allein im Jahr 2015 gingen bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) 11'266 Vermisstenmeldungen ein. In 10'166 Fällen handelte es sich dabei um verschwundene Katzen.

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Katzenhalter haben die Möglichkeit, ihrem Tier einen Chip implantieren zu lassen, auf dem die Kontaktdaten des Besitzers gespeichert sind. So kann das Tier seinem Besitzer zurückgebracht werden kann, wenn es gefunden wird. In der Schweiz sind laut der Firma Animal Identity Service (Anis) allerdings nur gut 360'000 Katzen gechipt, bei einer geschätzten Population von etwa 1,5 Millionen Katzen.

«Leute sind verzweifelt»

Die STMZ fordert deshalb, dass alle Katzen gechipt und registriert werden müssen, wie es heute bei Hunden schon der Fall ist. «Wenn eine Katze mit einem Chip gefunden wird, ist die Wahrscheinlichkeit viel grösser, dass sie nach Hause gebracht wird», sagt STMZ-Experte Hanns Fricker. Heute sei es vielfach so, dass eine Katze zwar gefunden werde, der Finder aber nicht wisse, wem sie gehöre. «Wäre ein Chip obligatorisch, so wüsste der Finder, dass er die Katze nur zum Tierarzt bringen muss und dieser den Besitzer ausfindig machen kann.»

Wenn eine Katze verschwinde, müsse man dies sehr ernst nehmen, da der Besitzer oft eine grosse emotionale Bindung zum Tier habe. «Bei uns rufen zum Teil völlig verzweifelte Leute an: Katzen sind für viele Menschen wie ein Familienmitglied.»

Tier aussetzen nicht mehr möglich

Auch Anis-Geschäftsführerin Denise Delley findet ein Chip-Obligatorium sinnvoll: «Streunen liegt in der Natur der Katzen. Dabei kommt es oft vor, dass die Tiere nicht mehr nach Hause finden.» In solchen Fällen würden die Besitzer oft Fotos des vermissten Tieres auf der Strasse aufhängen. «Dies ist aber nicht sehr hilfreich, da sich das Aussehen einer Katze innert weniger Tage komplett verändern kann.» Etwa, wenn eine Katze stark abnehme, da sie kein Futter mehr von zu Hause fresse.
Viele Katzenhalter würden auch auf GPS-Halsbänder setzen, um ihre Tiere wiederzufinden. Diese seien zwar nützlich, allerdings nur als Zusatz zum eingepflanzten Chip. «Halsbänder gehen leicht verloren, da sie aus Sicherheitsgründen elastisch sein müssen.»

Weiter gebe es in Städten ein grosses Problem mit ausgesetzten Katzen: «Wenn Leute umziehen, lassen sie oft ihre Tiere zurück.» Wenn jede Katze einen Chip hätte, wäre es nicht mehr so leicht möglich, diese auszusetzen, da man den Besitzer ausfindig machen und zur Verantwortung ziehen könne.

«Wer finanziert?»

In der Politik hat die Forderung allerdings einen schweren Stand: Schon 2013 reichte SVP-Nationalrat Pierre Rusconi ein Postulat ein, in dem er den Bundesrat fragte, ob er die Notwendigkeit einer solchen Massnahme sehe. Der Bundesrat verneinte mit der Begründung, der Chip allein sei nutzlos, wenn man nicht in einem aufwendigen Verfahren auch noch jeden Katzenhalter registriere.

Auch FDP-Nationalrätin und IG-Freiheit-Mitglied Petra Gössi etwa hält nichts von einem Chip-Obligatorium. Sie habe zwar Verständnis dafür, dass Katzenbesitzer ihre Tiere finden möchten. Aber: «Das Implantieren des Chips sollte freiwillig sein. Ein Zwang ist sicher nicht die richtige Lösung.» Gemäss Gössi entstünde nur ein unnötiges bürokratisches Monster. Auf jedem Bauernhof müsste jede Hofkatze einzeln gechippt werden: «Das ist nicht verhältnismässig und teuer.»


(PHI)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Blixt am 23.10.2015 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Grundsätzlich sinnvoll, aber ...

    Mein Kater ist gechipt und registriert: 1. In der Hoffnung, dass mir mitgeteilt wird wenn er gefunden wird, sollte er nicht mehr nach Hause kommen. 2. Katzenklappe Allerdings ist die Situation momentan folgende: Sollte die Katze tot aufgefunden werden besteht keine Pflicht den Chip zu prüfen und den Halter zu informieren. Polizei, Tierkrematorium, etc. sind z.T. nicht mit Lesegeräten ausgerüstet. Wenn eine Chip Pflicht eingeführt wird, muss auch die Pflicht eingeführt werden, dass jede gefundene Katze überprüft und der Halter informiert werden muss.

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  • Jackie Hodel am 23.10.2015 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoll?

    Ich habe auch schon eine Katze mit Chip gesucht und bei der Polizei gemeldet, worauf ich die Antwort erhielt: "Was glauben sie denn, dass wir für eine Katze solch einen Aufwand betreiben! Wenn eine überfahrene Katze gefunden wird, wird sie entsorgt!" Nach meiner Rückfrage, ob denn nicht nach einem Chip gesucht würde, sagte man mir, dass die Polizei nicht dafür zuständig ist und sie auch keine Lesegeräte dafür haben! BASTA!!!! Nun frage ich mich, ob ein Chip und die Kosten dafür sich lohnen, wenn die Polizei (dein Freund und Helfer) so reagiert.

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  • am 23.10.2015 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine werden so oder so den Chip erhalten

    Auch wenn meine 3 Stubentiger nicht raus können (Verbot durch Vermieter) werden die zwei jungen noch den Chip bekommen. Es kann ja immer passieren das einem durch die Wohnungstüre entwischen, und mit Chip währe das die Chance sicher grösser das sie wider zu uns kommen. Aber was ich noch wichtiger finden würde, währe eine Sterilisation/Kastrations Pflicht, besonders auf Bauernhöfen. So dass sie sich nicht mehr unkontrolliert vermehren! Da würden dann sicher auch weniger Katzen vermisst die nicht zugeordnet werden könnten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R.... S.... am 24.10.2015 23:29 Report Diesen Beitrag melden

    Tierhandel

    Der Tierhandel soll schon das übernehmen mit dem Chip , dann wissen wir ob wir noch Tiere wollen oder nicht. Sie sollen schon die Kosten für den Chip übernehmen. Und dann sehen wir , ob wir Katzen , Hasen , Mäuse noch wollen das wäre die bessere Idee .

  • Zuggerwadde am 24.10.2015 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In love

    Ich finde es gut. Ich habe immer Todesangst wenn meine Katze mal nie heim kommt etc. Mich würde das sehr beruhigen wenn die Katzen gechipt werden. Ich bin zwar erst 17 Jahre alt, aber mein Haustier, liegt mir sehr stark am herz.

  • Nin Guna am 24.10.2015 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    gechippte Katzen können nicht mehr ausgesetzt werden? genau... einmal mit einem Magneten drüber, und der Chip ist defekt. Auch ein guter Trick wenn eine "gefundene" Katze beim Tierarzt nicht erkannt werden soll.

  • Cocorico am 24.10.2015 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wozu

    Meine alte Katze lasse ich bestimmt nicht chippen, zumal sie immer in der Nähe unseres Hauses ist. Ihr Bruder wurde vor Jahren überfahren, war mit unserer Adresse und Telefonnummer angeschrieben und trotzdem warf man ihn einfach in den Gemeinde-Müll...habe ihn nach ewigem Suchen dann doch noch gefunden....als ob sich jemand die Mühe macht bei ner Katze den Chip zu prüfen...

  • Babet am 24.10.2015 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chip finde ich eine gute Sache.

    Wir haben unserer Katze auch einen Chip impnantieren lassen. In der Hoffnung, dass wenns sie nicht mehr nach Hause findet, sie jemand zum Tierarzt bringt. Oder, was wir nicht hoffen, wenn die Katze überfahren wird, wir benachrichtigt werden. Wir haben uns auch schon ein GPS angeschaut. Gerade weil sie erst seit kurzem raus geht und doch schon von den Nachbarn zurück gebracht wurde. Aber irgendwie gehört das zur Katze dazu. Es sind halt Freigänger !