EDA bestätigt

24. Dezember 2013 18:52; Akt: 24.12.2013 18:54 Print

Chodorkowski beantragt Schweizer-Visum

Der begnadigte russische Ex-Oligarch Michail Chodorkowski hat an Heiligabend auf der Schweizer Botschaft in Berlin einen Antrag auf ein dreimonatiges Schengen-Visum deponiert.

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Der berühmte Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski (50) am 5. Juni 2014 in der S7 Richtung Rapperswil. Michail Chodorkowski ist in der Schweiz angekommen. Am 5. Januar 2014 ist er mit dem Zug in Basel eingetroffen. Der russische Kreml-Kritiker ist zusammen mit seiner Frau Inna und drei seiner vier Kinder, den beiden Söhnen Gleb und Ilja und der Tochter Anastasia, gereist. Auf der Fahrt gab er dem Schweizer Fernsehen Auskunft. Er wiederholte, dass er sich auch von der Schweiz aus für die Befreiung von politischen Gefangenen in Russland einsetzen will. Er habe eine Verantwortung gegenüber der Zivilgesellschaft: «Man kann doch nicht ruhig leben, wenn man weiss, dass in Gefängnissen politische Gefangene schmoren.» Begleitet wurde Chodorkowski vom Moskau-Korrespondenten des Schweizer Fernsehens, Peter Gysling. Am 22. Dezember sprach Michail Chodorkowski erstmals nach zehn Jahren vor den Medien . Auf der Medienkonferenz in Berlin sprach er der deutschen Regierung seinen Dank für deren Hilfe aus und gegen einen Olympiaboykott. Und er verwies darauf, dass es noch weitere politische Häftlinge in Russland gebe. Chodorkowski wurde am 20. Dezember 2013 vom ehemaligen deutschen Aussenminister Hans-Dietrich Genscher auf dem Berliner Flughafen Schönefeld empfangen. Chodorkowski quartierte sich im Luxus-Hotel Adlon ein, vor dem sich eine Schar von Kamerateams aus der ganzen Welt einfand. Boris Chodorkowski, der Vater des Freigelassenen, erreichte das Hotel am 21. Dezember, wo er seinen Sohn wiedersehen durfte. Pawel Chodorkowsky, der älteste Sohn des Kreml-Gegners, traf ebenfalls im Adlon ein. Seine schwerkranke Mutter Marina Chodorkowskaja (mit weisser Mütze) wollte Michail Chodorkowski (links) im Spital besuchen. Sie hatte sich in Berlin behandeln lassen. Doch die Mutter war bereits am 10. Dezember aus dem Spital entlassen worden und wieder nach Russland zurückgekehrt. Das Treffen fand trotzdem in Deutschland statt. Chodorkowski hat unmittelbar nach seiner Freilassung ein Flugzeug Richtung Deutschland bestiegen. Anastasia Chodorkowski, die Tochter des Regimekritikers, tritt am Tag der Freilassung ihres Vaters im russischen Fernsehen auf. Chodorkowskis Frau Inna (l.) und seine Tochter Anastasiya auf dem Weg zu einem Gerichtssaal 2011. Chodorkowskis Eltern Marina (l.) und Boris im Mai 2011 bei einem Interview in einem von ihrem Sohn gegründeten Internat für Waisenkinder. Putins Erzfeind und einst reichster Mann Russlands: Michail Chodorkowski wurde am 20. Dezember aus dem Straflager Segescha nahe der finnischen Grenze entlassen. Hier, in der Strafkolonie Nummer 7 in Segescha im nordwesten Russlands, sass Chodorkowsky die letzten beiden von zehn Jahren ein. Wegen Steuerhinterziehung und Korruption, wie es hiess. Die Verurteilung des einstigen Erdölmagnaten galt allgemein aber als politisch motiviert. Per Helikopter ging es Richtung St. Petersburg. Danach soll der 50-jährige Chodorkowski ein Flugzeug Richtung Deutschland bestiegen haben, wo er sich mit seiner Mutter treffen will. Von dort aus plant er laut «Spiegel» in die Schweiz weiterzureisen. Von Polizisten eskortiert verlässt Kremlgegner Michail Chodorkowski einen Gerichtssaal in Moskau, Dezember 2003.

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Der russische Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski hat die Schweiz um ein Visum ersucht. Der ehemalige Chef des Ölkonzerns Yukos deponierte am Dienstag bei der Schweizer Botschaft in Berlin einen Antrag auf ein dreimonatiges Schengen-Visum.

Die Botschaft habe den Antrag entgegengenommen, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstag auf Anfrage mit. Die Botschaft stehe zur Bearbeitung in Kontakt mit dem Bundesamt für Migration (BFM). Da das Verfahren vertraulich sei, würden bis zum Entscheid keine weiteren Informationen veröffentlicht, hiess es weiter.

Söhne gehen in der Schweiz zur Schule

Chodorkowski war unmittelbar nach seiner Freilassung aus zehnjähriger Haft in Russland am vergangenen Freitag nach Deutschland gereist, wo er bereits ein Ein-Jahres-Visum erhalten hat. Sein Sprecher Christian Hanne betonte, dass der Antrag für das Schweizer Drei-Monats-Visum auch kein Zeichen sei, dass sich Chodorkowski dort niederlassen wolle. Er wolle Anfang des Jahres in die Schweiz reisen, weil seine Söhne dort zur Schule gehen, sagte Hanne. «Es gibt noch keine Entscheidung über einen permanenten Wohnsitz.»

Als Chef des Ölkonzerns Jukos hatte Chodorkowski früher auch enge geschäftliche Verbindungen in die Schweiz. Als ihm der Prozess wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche gemacht wurde, wollten die russischen Behörden rund fünf Milliarden Dollar beschlagnahmen, die in der Schweiz deponiert waren. Aber die Schweizer Behörden gaben das Geld nicht weiter, weil sie das Verfahren gegen Chodorkowski als politisch motiviert einstuften. Es it unklar, wie viel von dem Geld Chodorkowski persönlich gehört und ob er schon Zugang dazu hat.

(pwe/kko/bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rasputin am 25.12.2013 00:41 Report Diesen Beitrag melden

    "begunia non olet"

    Macht hoch die Tür die Tore weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!!! Für die Reichen und Steinreichen hat die Schweiz immer eine offene Tür!! Auch wenn wir davon profitieren finde ich das eine "Sauerei" Abhängigkeiten und auch gerade von steinreichen Leuten ist nicht gut. Wir sollten wieder bescheidener werden und uns auf unsere eigenen guten Tugenden verlassen.

  • Peter Schwarz am 25.12.2013 02:06 Report Diesen Beitrag melden

    Hello?

    Na ja, was die RU oder US möchten? Wer kann da urteilen? Jep, die Presse! Greet. :-)

  • Petra S. am 25.12.2013 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ja ja

    Snowden ist non Grata, aber Chodorowski: immer her damit. Klar. Kuriositätenkabinett der Schweiz und ähnliche Lacher (nur zu offensichtlich)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maria am 25.12.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen

    Herzlich willkommen ! Lassen sie sich von den Neidern nicht schrecken.

  • Chris S. am 25.12.2013 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schengen?

    Verstehe ich etwas nicht? Deutschland gehört doch auch zum Schengenraum, warum muss er jetzt noch ein weiteres Visum beantragen?

  • Heinz HAGER am 25.12.2013 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in CH

    Ich heisse Herrn Michail Chodorkowski in der Schweiz herzlich willkommen und hoffe,dass er hier bei seiner Frau und den Kindern eine feste Bleibe findet.Hoffentlich geniesst er den Rest seines Lebens und kann die 10 Jahre Haft einigermassen verdrängen und vergessen.Wünsche ihm dazu viel Glück und den inneren Frieden.

  • Seppentoni am 25.12.2013 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Hereinspaziert

    Das ist aber lieb.

  • Roman am 25.12.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    War....

    ....ja klar sein Geld ist ja schon da! Ausserdem gibt es in der Schweiz noch genug Firmen, welche man aufkaufen und dann ausrauben kann!