Kindsentführung

31. Juli 2015 14:22; Akt: 31.07.2015 14:22 Print

Christian Kast gibt Einblick in Kesb-Akten

Das Ehepaar Kast wollte den Entzug der Töchter nicht akzeptieren, organisierte ihre Flucht auf die Philippinen. Die Kesb-Akten zeigen die Vorgeschichte.

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Dass es in seiner Familie Probleme gibt, dessen ist sich Christian Kast bewusst. Die Mutter sei mit den beiden Kindern überfordert, heisst es auch aus der Nachbarschaft. Statt davor die Augen zu verschliessen, sucht sich der 46-jährige Vater bei der Familienberatung Laufenburg AG Hilfe, wird aber abgewiesen: Er solle in einem halben Jahr wieder kommen.

In der Zwischenzeit macht eine Nachbarin Gefährdungsmeldung an die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb. Die beiden Mädchen, die sechsjährige Queen Sebell Alapag und die zweijährige Alina, würden immer wieder alleine draussen spielen. Am 17. September 2014 kommen schliesslich zwei Kesb-Mitarbeiterinnen bei der Familie vorbei, zitiert der «Blick» aus der über 100 Seiten dicken Akte. Die 29-jährige Margie Kast ist mit den Mädchen alleine zu Hause, der Vater bei der Arbeit.

In der Wohnung finden die Mitarbeiterinnen «zertrümmerte und herumliegende Haushaltsgegenstände und Spielsachen vor», heisst es im Bericht der Kesb. Daraufhin ordnet das Familiengericht einen Obhutsentzug an.

«Gefährliche und unzumutbare Zustände»

Im Entscheid ist von einer «angespannten Paarproblematik» die Rede. Weil die Situation für die Kinder als «gefährlich und unzumutbar» betrachtet wird, kommen sie in ein Heim in Baden AG. Christian Kast gibt an, dass ihm im Streit mit seiner Frau nur «einmal die Hand ausgerutscht» sei. Er schäme sich dafür. Auch die junge Mutter kommt offenbar an ihre Grenzen. Die Philippina fühlt sich in der Schweiz nicht zu Hause, dazu leidet sie unter heftigen Unterleibsschmerzen, die trotz mehreren Arztbesuchen nicht abnehmen. In schlechten Momenten ist sie aufgebracht, wirft mit Gegenständen um sich.

Während der 46-Jährige erfolgreich an einem Konflikttraining teilnimmt, hat Margie Kast keine Kraft mehr. Nach der Fremdplatzierung der Kinder bricht sie zusammen, muss ins Spital. «Sie konnte den Entscheid der Behörden überhaupt nicht verstehen, sie wurde traumatisiert», so der Familienvater.

2000 Franken für die Kinder

Im März sollen die Kinder nach Trimbach SO umziehen. Das sei zu weit weg, wehrt sich Kast bei den Behörden. Doch nicht nur der weite Weg, auch die zusätzlichen Kosten bringen ihn zum Verzweifeln. Hat er zuvor 1500 Franken für die Unterbringung der Kinder bezahlt, muss er nun 2000 Franken hinblättern. Obwohl die Kosten schon vorher an der «obersten Grenze von Kasts Möglichkeiten» lagen, wie der «Blick» dessen Anwalt zitiert.

Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt. Als Queen und Alina am 25. Juli acht Stunden lang nach Hause dürfen, verhilft Kast seiner Frau und den Töchtern zur Flucht. Die drei fliegen auf die Philippinen.

(kko)