«Rundschau»

26. August 2014 17:57; Akt: 27.08.2014 12:32 Print

Christoph Mörgeli verpasst Anzeige-Frist

Drei Monate hatte Christoph Mörgeli Zeit, um Klage gegen «Rundschau»-Mitarbeiter einzureichen. Er verpasste die Frist aber. Die Staatsanwaltschaft tritt daher nicht auf die Anzeige ein.

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Erfreuliche Nachricht für Christoph Mörgeli: Das Verwaltungsgericht entschied, dass die Universität Zürich ihm 17 Monatslöhne zahlen muss. (15. Dezember 2015) Am 10. September entschied das Bundesgericht, dass die Staatsanwaltschaft gegen Flurin Condrau ermitteln darf. Es wird eng für die entlassenen Professorin Iris Ritzmann: Sie muss sich wegen mehrfacher Amtsgeheimnisverletzung vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat am 12. Juni 2014 gegen die ehemalige wissenschaftliche Mitarbeitern des Medizinhistorischen Instituts der Universität Zürich (MHIZ) Anklage erhoben. Nicht nur Professorin Iris Ritzmann steht unter Beschuss: Regierungsrätin Regine Aeppli soll die Entlassung von Christoph Mörgeli laut der «Weltwoche» gefordert haben. In einer Medienkonferenz am 9. Juni 2014 wies sie die Vorwürfe allerdings zurück. In einer eigens einberufenen Pressekonferenz nimmt Christoph Mörgeli Stellung zur Kritik gegen seine Amtsführung generell und zum jüngsten Vorwurf der «Rundschau», er habe als Professor minderwertige Dissertationen durchgewunken. Insgesamt sind es nicht weniger als 76 Punkte, die Mörgeli am Rundschau-Beitrag kritisiert. Den Medienschaffenden wirft er eine linke Gesinnung vor. In einer eigens einberufenen Pressekonferenz nimmt Christoph Mörgeli Stellung zu den Vorwürfen gegen seine Amtsführung und kritisiert die Medienschaffenden scharf. Der über die schweren Vorwürfen gegen den Titularprofessor unter dem süffisanten Titel «Leichen im Keller des Professors». Das : Seine Vorlesung «Medizinische Museologie» fand mangels Interessenten noch nie statt. Wahl in den Nationalrat (Bild). (Bild) zum neuen Professor für Medizingeschichte. Kandidat Christoph Mörgeli kam nicht mal in die engere Auswahl. informiert die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli erst am 19. September 2012 in der «Rundschau». Einen Tag nach der Publikation von Auszügen aus dem vernichtenden Bericht legt der «Tages-Anzeiger» nach: Fachkollegen aus der Medizingeschichte kritisieren Mörgelis wissenschaftlichen Leistungsausweis: Er sei weder in der Fachliteratur noch in den aktuellen Debatten präsent. Mörgeli spricht von «Brotkorbterror» seiner «linken» Kollegen, die SVP von einer «Schmutzkampagne». Mörgelis Vertraute gibt bekannt, an einem Burnout zu leiden. Daraufhin entbrennt eine Debatte, ob Parlamentarier neben ihrem Mandat, das einer 50- bis 70-Prozent-Stelle entspricht, noch seriös ihren eigentlichen Beruf ausüben können. Mörgeli bezeichnet den Bericht über seine Leistungen als fehlerhaft und verleumderisch. Zudem beschwert er sich, dass der Bericht dem «Tages-Anzeiger» zugespielt worden ist und fordert die Uni auf, ein Disziplinarverfahren gegen seinen direkten Vorgesetzten Flurin Condrau wegen Persönlichkeitsverletzung einzuleiten. Die Uni winkt ab. Auf «Tele Züri» erklärt Mörgeli, er überlege sich, seinen Vorgesetzten Flurin Condrau zu verklagen. Gegenüber 20 Minuten Online spricht er von einem Deal, den er 1999 mit dem damaligen Bildungsdirektor (Bild) über die Arbeitszeit getroffen habe. Buschor dementiert. Die «NZZ am Sonntag» schreibt, . Gleichtags schreibt «Der Sonntag», Mörgeli werde wegen seiner Mobbingvorwürfen gegen den Vorgesetzten Condrau noch im Lauf der Woche fristlos entlassen. Die Uni widerspricht. Und die «SonntagsZeitung» macht publik, dass Berufskollegen das ehemalige Vorstandsmitglied Mörgeli aus der Fachgesellschaft SGGMN ausschliessen wollen. Mörgeli betont, dass er bis zum Erscheinen des Artikels im «Tages-Anzeiger» nichts von den harschen Vorwürfen in Condraus Bericht gewusst habe. In der «Rundschau» sagt die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (Bild), dass Mörgeli schon im November 2011 von den Vorwürfen gegen ihn ins Bild gesetzt worden sei. Ausserdem könne Mörgeli nach dem Ablauf der Gnadenfrist am 21. September seinen Job verlieren, wenn die Beurteilung seiner Leistungen negativ sei. Mörgeli widerspricht und ... ... bekommt Recht: «10 vor 10» und «Blick.ch» veröffentlichen ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass Mörgeli selbst dann noch bekommt, wenn die Mitarbeiterbeurteilung am 21. zu seinen Ungunsten ausfällt. Doch nach Ansicht des (Bild) ist eine Entlassung Mörgelis am heutigen Tag theoretisch dennoch möglich: Das Personalgesetz des Kantons Zürich sehe vor, dass auf eine Bewährungsfrist von sechs Monaten in gewissen Fällen verzichtet werden kann. «Von einer Bewährungsfrist kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn feststeht, dass sie ihren Zweck nicht erfüllen kann», so das Personalgesetz. Die Universität Zürich kündigt Christoph Mörgeli per 31. März 2013 und stellt ihn per sofort frei. (Bild) erläutert an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz, das Vertrauensverhältnis sei unwiederbringlich zerstört. Noch während der PK kündigt Mörgelis Anwalt an, gegen den Entscheid zu rekurrieren. Parodie auf Schäfchen-Plakat: Kaum war die Entlassung von Christoph Mörgeli am 21. September beschlossen, geisterte diese Satire durchs Internet. Urheber der Karikatur: die Werbeagentur «Feinheit», die auch gelegentlich Auftrage für die Uni Zürich übernimmt. Es gibt es nicht mehr den klitzekleinsten Zweifel: Die Uni Zürich entlässt Christoph Mörgeli und stellt ihn per sofort frei. Das Arbeitsverhältnis wird unter Einhaltung der sechsmonatigen Kündigungsfrist per 31. März 2013 aufgelöst, wie die Universitätsleitung mitteilt. Zuvor hatte sie Mörgeli noch rechtliche Gehör gewähren müssen. Christoph Mörgeli will Rektor der Universität Zürich werden, wie er an einer eigens einberufenen Pressekonferenz verkündet. Mörgeli verlangt vor dem Zürcher Verwaltungsgericht, dass Uni-Rektor Andreas Fischer bei seiner definitiven Entlassung am 28. September hätte in den Ausstand treten, weil er sich bereits im Vorfeld zum Thema geäussert hatte. Bekommt Mörgeli Recht, wäre seine Entlassung nicht rechtens. Die «Rundschau» erhebt neue Vorwürfe gegen Christoph Mörgeli: Dieser soll zusammen mit Beat Rüttimann, dem langjährigen Direktor des medizin-historischen Instituts der Uni Zürich, zwischen 1994 und 2012 mehrere Dissertationen einfach durchgewunken haben. Laut einem anonymen Informanten der «Rundschau» genügte es, Texte zu übersetzen. Die Uni Zürich (Bild) will die neuen Vorwürfe gegen Mörgeli und Rüttimann untersuchen. Mörgeli seinerseits verkündet am 31. März, er werde gegen das Schweizer Fernsehen rechtliche Schritte einleiten. Am 10. April schaltet sich die «Weltwoche» ein: Der Informant der «Rundschau» sei ein Zahnarzt ohne Doktortitel, der als Doktorand bei Christoph Mörgeli kläglich gescheitert sei. Das SRF wiederum bezeichnet die Behauptung umgehend als «Falschmeldung»: Bei ihrem Informanten handle es sich «definitiv nicht um den von der Weltwoche genannten Zahnarzt». Die Universität entlässt die stellvertretende Leiterin des Medizinhistorischen Instituts, Iris Ritzmann. Sie soll der Presse vertrauliche Informationen zugespielt haben. Die Betroffene bestreitet die Vorwürfe. Andreas Fischer, der Rektor der Uni Zürich, gibt sein Amt per sofort ab. Otfried Jarren wird interimistische Rektor der Universität Zürich. Gutachter Heinrich Koller, ehemaliger Direktor des Bundesamtes fuer Justiz, bestätigt die Kündigung von Titularprofessorin Iris Ritzmann.

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Die Zürcher Staatsanwaltschaft tritt nicht auf eine Strafanzeige von Christoph Mörgeli gegen drei «Rundschau»-Mitarbeiter ein. Der SVP-Nationalrat und Titularprofessor hat die Anzeige zu spät eingereicht. Die Staatsanwaltschaft verfügte deshalb eine sogenannte Nichtanhandnahme.

Die «Rundschau» hatte im Frühling 2013 kritisch über die Art und Weise berichtet, wie am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich Dissertationen betreut und angenommen wurden. Hauptsächlich war von dieser Kritik Christoph Mörgeli betroffen.

«Ehrverletzung, üble Nachrede und Verleumdung»

Im Mai 2014 hatte Mörgeli dann Anzeige gegen Redaktionsleiter Mario Poletti, Moderator Sandro Brotz und Redaktor Marc Meschenmoser erstattet. Er warf ihnen Ehrverletzung, üble Nachrede und Verleumdung vor.

Aus der Nichtanhandnahmeverfügung geht hervor, dass die Frist für eine solche Strafanzeige drei Monate beträgt. Die Sprecherin der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft betätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda eine entsprechende Meldung von Tagesanzeiger.ch/Newsnet vom Dienstag.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mörgeli eine Frist verpasst. Im Juni lehnte das Bundesgericht eine Beschwerde ab, mit der er einen Entscheid der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) weitergezogen hatte. Auch damals ging es um die Fernsehsendung zu den Dissertationen. Doch Mörgeli hatte die angefochtene Schrift nicht rechtzeitig eingereicht.

Mangelnde Qualität und Betreuung

Nachdem die «Rundschau» Zweifel an der Qualität der von Mörgeli betreuten Doktorarbeiten erhoben hatte, liess die Universität Zürich eine repräsentative Zahl medizinhistorischer Dissertationen von internationalen Experten prüfen.

Diese kamen zu dem Schluss, dass Mörgeli zusammen mit seinem einstigen Chef Beat Rüttimann häufig mangelhafte Dissertationen abgesegnet hatte. Die schlechte Qualität führten die Experten auf eine unzureichende Betreuung der Doktorierenden zurück.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B.Moire am 26.08.2014 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeigt wie unfähig er ist

    Wenn man als ehemaliger Museumsdirektor nicht einmal einen Termin in eigener Sache einhalten kann, lässt das schon tief blicken.

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  • H. Etter am 26.08.2014 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gesichtswahrung

    Gesichtswahrung nennt man das............mangels Erfolgschancen einfach Termin verpassen lassen.

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  • Matt am 26.08.2014 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zugegeben?

    Stimmt eventuell doch mehr als der liebe Herr Mörgeli zugeben mag?

Die neusten Leser-Kommentare

  • hajos am 27.08.2014 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Ganzes Gesicht" verlieren

    Gross angekündigt und dann den Termin verpassen, uiel erreicht. Wenn man keine Chance sieht recht uu bekommen ist das wohl die beste Lösung um nicht das "ganze" Gesicht zu verlieren.

  • Pimpo Salvis am 27.08.2014 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    ihr Sörgeli

    ja dann kann ich nur noch sagen: Guet's Mörgeli.

  • Jürg Greiff am 27.08.2014 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Termin

    Typisch Mörgeli, er hat weder seinen Terminkalender noch sein Leben im Griff.

  • Peter Meier am 27.08.2014 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Pech gehabt!

    Einfach gesagt....Pech für ihn und peinlich dazu.

  • Max Müller am 27.08.2014 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schon komisch

    Wenn Zweifel an der Qualität der betreuten Doktorarbeiten da sind, wieso kümmert sich nicht die Universität darum, sondern SRG und Tagi? Werde den Verdacht nicht los, dass das mit der Parteizugehörigkeit von Mörgeli zusammenhängt. Vor den Medien sind halt alle gleich und einige gleicher.

    • Martin am 27.08.2014 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Max Müller

      Warum kümmern sich die Medien denn ums "GeriGate"? Hat es eventuell mit seiner Parteizugehörigkeit zu tun? Wir haben auch das Recht, gewisse Dinge zu erfahren.

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