Küssnacht SZ

18. Juni 2018 14:01; Akt: 18.06.2018 15:57 Print

Pfarrer wegen Spielschulden freigestellt

Der Churer Bischof Vitus Huonder hat den bisherigen Pfarrer der Gemeinde Küssnacht SZ von seinen Aufgaben entbunden.

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Der katholische Pfarrer der Gemeinde Küssnacht SZ hat sein Amt nach über zwei Jahrzehnten niedergelegt. Der Churer Bischof Vitus Huonder hat den Kirchenmann auf dessen Wunsch von den Aufgaben entbunden. Schulden hatten den Geistlichen in Schwierigkeiten gebracht.

Der Küssnachter Pfarrer hatte dem Churer Bischof die Demission am Mittwoch letzter Woche angeboten. Gleichentags kündigte der Kirchenrat das Anstellungsverhältnis.

WM statt Therapie

Noch am 14. Juni fuhr der Diözesanbischof nach Küssnacht, um angesichts der entstandenen Lage mit dem Pfarrer zu sprechen. In einem längeren Gespräch versuchte er, den Pfarrer zu überzeugen, die vom Bistum bereitgestellte Hilfe umgehend anzunehmen. Diese bestand im Angebot einer kurzfristigen persönlichen Begleitung und darin, in eine für Spielsucht spezialisierte Universitätsklinik eintreten zu können, wie die Pfarrleitung von Küssnacht in einem Schreiben mitteilt.

Ebenfalls wurde dem Pfarrer Beratung durch einen spezialisierten Anwalt in Schuldenfragen angeboten. Der Pfarrer hat es jedoch vorgezogen, diese Angebote vorerst nicht anzunehmen aufgrund einer länger geplanten Reise in Bezug auf die Fussballweltmeisterschaft in Russland.

Die Geldschwierigkeiten des Kirchenmanns sind offenbar grösser als bisher angenommen. Ein Schuldenberg im Umfang von einigen hunderttausend Franken hatte sich laut Mitteilung aufgetürmt. Rund 50 Personen soll der Pfarrer in Küssnacht um Geld angegangen haben, um die Schulden zu begleichen.

Keine Klärung, aber eine Entschuldigung

Der Geistliche war bereits in früheren Jahren wegen Spielschulden in Geldnöte geraten und hatte sich beim Bistum selber angezeigt. Von dieser Vorgeschichte hatte der Küssnachter Kirchenrat laut dem Churer Bistum keine Kenntnis.

Der Kirchenrat geht davon aus, dass die Nöte des Pfarrers einerseits auf spekulative Geldanlagen, die zu Verlusten führten, zurückzuführen sind. Andererseits stehen sie höchstwahrscheinlich in Verbindung mit den früheren Spielschulden.

Es sei nicht möglich gewesen, vom Pfarrer die für die Klärung unabdingbare Offenlegung zu erreichen respektive die Übersicht über dessen tatsächliche finanzielle Situation zu erhalten, hiess es.

In der Küssnachter Lokalzeitung Freierschweizer.ch meldet sich der Pfarrer noch zu Wort. Es tue ihm unendlich leid und er schäme sich vor den Menschen, denen er Unrecht getan habe, teilt er mit.

(kaf/sda)