«Hässliche Form der Intoleranz»

09. Januar 2020 04:49; Akt: 09.01.2020 08:44 Print

Zürcher Club verurteilt Schwulenhasser

von B. Zanni - In einem Statement stellt der Zürcher Vior Club klar, dass Schwulenhasser nicht erwünscht seien. Wer sich nicht daran halte, werde vor die Tür spediert.

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«Intoleranz ist ein Indikator für Dummheit, und Homophobie ist eine besonders hässliche Form der Intoleranz», schreibt Vior in einem Facebook-Post. Seine Einstellung unterstreicht der Club mit einem Plakat, auf dem «Ja zum Schutz vor Hass für Lesben, Schwule und Bisexuelle» prangt. Dieses bezieht sich auf die Abstimmung vom 9. Februar 2020. Künftig sollen Personen, die andere öffentlich aufgrund der sexuellen Orientierung diskriminieren, strafrechtlich belangt werden. Für das Statement erntet der Club bei den Usern viel Zustimmung. Diese reagieren mit Worten wie «vorbildliches Statement», «Bravo!» oder «Besser hätte man es nicht sagen können!». Vor laufender Kamera gab unter anderem ein junger Mann in der Nähe des Zürcher Clubs Vior seinem Schwulenhass Ausdruck. Die 20-Minuten-Reporter trafen vor dem Schwulenclub Heaven im Zürcher Niederdorf auf Marko* (23) und seinen Kollegen Simon* (21). Erst vor wenigen Wochen waren sie beim Central mitten in Zürich verprügelt worden. Stefan Vior, CEO des Clubs, sagt zu 20 Minuten: «Wir sahen uns durch den ganzen Rummel der Reportage dazu genötigt, unsere eigene Einstellung zu Homophobie und Intoleranz ganz allgemein öffentlich kundzutun.» DJ Darrien habe ein Statement verfasst und auf Facebook seine Freunde gebeten, ihnen dieses zukommen zu lassen. «Darin wurden wir aufgefordert Stellung zu beziehen.» Laut Vior kam es innerhalb des Clubs noch nie zu einem homophoben Zwischenfall. «Wäre das der Fall gewesen, hätten wir den Übeltäter umgehend vor die Tür spediert.» Mitglied und SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler befürwortet das Statement des Clubs. «Die Reaktion ist richtig. Damit wird klar, dass Homophobie in der Gesellschaft schon verurteilt wird», sagt sie. Dafür extra ein Gesetz zu schaffen, sei daher nicht nötig. «Unser Strafrecht bietet bereits genug Mittel, um gegen Diskriminierung vorzugehen.»

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Vor laufender Kamera gab unter anderem ein junger Mann in der Nähe des Zürcher Clubs Vior seinem Schwulenhass Ausdruck. «Schwulsein ist ein Defekt im Hirn» sagte er in einer 20-Minuten-Reportage vom ersten Januarwochenende. Den Betreibern des Clubs platzte am Dienstagabend der Kragen. «Intoleranz ist ein Indikator für Dummheit, und Homophobie ist eine besonders hässliche Form der Intoleranz», schreibt Vior in einem Facebook-Post.

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Bis heute hätten sie sich nicht in der Pflicht gesehen, dieses Statement abzugeben, schreibt der Club weiter. Grund dafür sei, dass sie nicht der Idiot seien, der «seinen unsäglich-haarsträubenden Müll ins Mikrofon diktiert hat». Der Club wolle «mit diesem rückständigen Subjekt und vor allem mit seinen Einstellungen nichts zu tun haben». Vior stellt klar: «Wir dulden keine Homophobie in unserem Lokal.» Gleichzeitig räumt der Club ein, Homophobe nicht an der Nasenspitze erkennen zu können. «Deshalb fühlen wir uns auch nicht verantwortlich für die mentale Hässlichkeit von Leuten, die denken, sie müssen ihre stinkende Weltanschauung in eine Tageszeitung entleeren.»

«Angriff auf unsere Gesellschaft»

Seine Einstellung unterstreicht der Club mit einem Plakat, auf dem «Ja zum Schutz vor Hass für Lesben, Schwule und Bisexuelle» prangt. Dieses bezieht sich auf die Abstimmung vom 9. Februar 2020. Die Vorlage verlangt, dass Personen, die andere öffentlich aufgrund der sexuellen Orientierung diskriminieren, strafrechtlich belangt werden.

Für das Statement erntet der Club bei den Usern viel Zustimmung. Diese reagieren mit Worten wie «vorbildliches Statement», «Bravo» oder «Besser hätte man es nicht sagen können!». Eine Userin lobt: «Vior Club, das ist ein wichtiges Statement für ein friedliches und pluralistisches Miteinander. Danke dafür. Wer einem anderen Menschen dessen Wert oder Würde abspricht (aufgrund irgendeines persönlichen Merkmals, das zu dessen Identität gehört), der greift unsere Gesellschaft als Ganzes an und damit alle von uns. Deswegen sind solche Bekenntnisse gegen Hass wie eures so, so, so wichtig in einer herausfordernden Zeit. Danke dafür.»

DJ hat Statement verfasst

Stefan Vior, CEO des Clubs, sagt zu 20 Minuten: «Wir sahen uns durch den ganzen Rummel der Reportage dazu genötigt, unsere eigene Einstellung zu Homophobie und Intoleranz ganz allgemein öffentlich kundzutun.» DJ Darrien habe ein Statement verfasst und auf Facebook seine Freunde gebeten, ihnen dieses zukommen zu lassen. «Darin wurden wir aufgefordert, Stellung zu beziehen.»

Laut Vior kam es innerhalb des Clubs noch nie zu einem homophoben Zwischenfall. «Wäre das der Fall gewesen, hätten wir den Übeltäter umgehend vor die Tür spediert.»

Gesetz sei nicht nötig

Das Komitee «Nein zu diesem Zensurgesetz» kämpft gegen die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm. Mitglied und SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler befürwortet das Statement des Clubs. «Die Reaktion ist richtig. Damit wird klar, dass Homophobie in der Gesellschaft schon verurteilt wird», sagt sie. Dafür extra ein Gesetz zu schaffen, sei daher nicht nötig. «Unser Strafrecht bietet bereits genug Mittel, um gegen Diskriminierung vorzugehen.»

Erweitere man die Strafnorm zum Schutz vor Hass für Homosexuelle, komme man vom Hundertsten ins Tausendste, so Geissbühler: «Es gibt so viele Minderheiten in diesem Land. Wie viele Menschen werden diskriminiert, weil sie eine Behinderung haben, fettleibig sind oder einer bestimmten Partei angehören?» In der Folge würde es auch für diese Minderheiten eine erweiterte Strafnorm brauchen.