Schmähpreis

09. Oktober 2015 12:02; Akt: 09.10.2015 14:36 Print

Coca-Cola ist Meister der «unsinnigen Transporte»

Zum fünften Mal wird der «Rote Teufelsstein» verliehen. Der Preis, der auf unsinnige Transporte aufmerksam machen will, geht dieses Jahr an Coca-Cola Schweiz.

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Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative, am Freitag, 9. Oktober 2015 mit dem Teufelstein vor dem Coca-Cola-Hauptsitz in Brüttisellen.

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Coca-Cola Schweiz lässt seine Büchsen-Getränke in Italien abfüllen und in die Schweiz fahren. 450 Kilometer dauert die Reise der Büchsen laut dem Komitee der Alpeninitiative, das dem Unternehmen am Freitag deshalb den «Roten Teufelstein 2015» für unsinnige Transporte verlieh. Das gelte für Alu-Büchsen der klassischen Coca-Cola sowie der Sorten Life, Light, Zero, oder auch Fanta und Sprite, die in Schweizer Geschäften stehen. Die Produktionsfirma der Büchsen befinde sich in der Nähe von Verona, dort würden die Getränke für den Schweizer Markt auch abgefüllt. Der Grund sei einfach: Der Getränke-Multi wolle nicht in der Schweiz investieren, so die Initianten.

Verkauf von Büchsen in 15 Jahren verfünffacht

«Seit dem Jahr 2000 hat sich der Verkauf von Büchsen in der Schweiz verfünffacht, trotzdem kann es sich eine Firma wie Coca-Cola leisten, die gesamte Produktion 450 Kilometer per Lastwagen via Gotthard in die Schweiz zu fahren», sagt SP-Politiker Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative. Dass die unnötigen Transporte wirtschaftlich interessant sind, liesse sich am Preis ablesen: 33 cl Büchsen-Cola kosten im Verhältnis weniger als 50 cl Schweizer Cola aus der PET-Flasche.

Im Januar hat Coca-Cola bekannt gegeben, dass ihr Werk in Bolligen bei Bern geschlossen wird. Jon Pult sagt: «Anstatt in eine Abfüllanlage für den wachsenden Büchsenmarkt zu investieren, entlässt man in Bolligen 90 Mitarbeiter. Das zeigt überdeutlich die Auswirkungen der zu tiefen Transportkosten.» Die Initianten klagen zudem an, die Coca-Cola-Transporte widersprächen den Firmengrundsätzen – auf der Website der Firma steht: «Nachhaltigkeit ist der rote Faden unseres unternehmerischen Handelns. Unsere Aktivitäten … sollen von positivem sozialen Nutzen sein und dabei gleichzeitig die von uns verursachten Auswirkungen auf die Umwelt reduzieren.»

Jon Pult fügt hinzu: «Es kann doch nicht sein, dass wir für solche und ähnliche Transporte noch mehr Strassen bauen. Auch wegen solchen unnötigen Transporten will das Logistikgewerbe eine zweite Röhre am Gotthard. Das ist unnötig und schädlich.»

Coca-Cola Schweiz: «Ziemlich erstaunt»

Coca-Cola Schweiz ist laut Mediensprecher Patrick Bossart «ziemlich erstaunt» darüber, den Schmäh-Preis erhalten zu haben, «gerade weil Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung bei Coca-Cola HBC Schweiz oberste Priorität haben.» So sei die Firma gerade im September diesen Jahres zum zweiten Mal in Folge im Dow Jones Sustainability Index (DJSI) zum weltweiten Nachhaltigkeits-Leader der Getränkeindustrie ernannt worden.

«Zusätzlich haben wir in der Schweiz mit dem Bundesamt für Umwelt und dem Bundesamt für Energie freiwillige, verbindliche Ziele für die C02-Reduktion vereinbart», sagt Bossart. Es könne, so der Sprecher weiter, bei der Aktion Initianten der Eindruck entstehen, «dass ein bekannter Markenname instrumentalisiert wird, um für politische Zwecke Aufmerksamkeit zu erreichen». Eine Dosen-Abfülllinie in der Schweiz würde sich aufgrund der zu geringen Nachfrage «nicht rechtfertigen». Ausserdem will Coca-Cola laut Bossart «im kommenden Jahr die Dosen per Bahn anliefern.» Auch weitere Bahnprojekte im Binnentransport seien bereits aufgegleist.

(gbr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Kersten am 09.10.2015 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Irgendwie krank: Der Konsument möchte möglichst wenig bezahlen, fährt für ein Coca-Cola auch über die Grenze, aber zeigt sofort wieder auf Firmen die Kosten optimieren....

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  • Hobbit am 09.10.2015 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Das nennt man GLOBALISIERUNG Es gibt noch viel verrücktere Beispiele.

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  • Rolli am 09.10.2015 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Der Kunde kanns ändern!

    Ich muss schon sagen, wer spezielle Wässerchen kauft der ist mehr als ein Umweltverschmutzer. Warum muss man Mineralwasser Evian aus Frankreich, Rokko No Mizu aus Japan oder Veen aus dem Norden Finnland kaufen? Lebt man dann 2min länger?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Raffael am 10.10.2015 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt viele Beispiele

    Ist bei Schlagrahm aus der Dose genau gleich: "schweizer Milcherzeugnis verpackt in Italien" (gekauft bei Migros). Rahm wird in LKW nach süditalien gekarrt, verpackt und wieder eingeführt in die CH.

  • huschmie am 10.10.2015 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Spitze des Eisberges

    Das ist nur die Spitze des Eisberges. es gibt noch 1000 weitere Beispiele. Aber Coca Cola kennt jeder und viele trinken die Brühe sogar.

  • Endverbraucher am 10.10.2015 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    macht Rivella doch auch so

    Macht Rivella mit den Dosen in Deutschland do auch so. Mal Rückseite lesen ;-)

  • sere am 10.10.2015 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wird einmal sicher kommen

    müssten firmen für unnötige transporte eine hohe klimaabgabe bezahlen, würde manche firma wieder in die schweiz ziehen. problem: alle länder müssten mitmachen

  • abc am 10.10.2015 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transportwahnsinn

    Dieser Transportwahnsinn ist nur dank günstigem Transport möglich! Für mich als Endverbraucher ändert sich höchstens ein paar % im Preis!