Mitarbeiter verärgert

07. November 2018 15:47; Akt: 07.11.2018 15:47 Print

Coop öffnet Stadt-Filialen an Heiligabend bis 20 Uhr

von Stefan Ehrbar - In der Stadt Zürich müssen viele Verkäufer am 24. Dezember abends arbeiten. Mitarbeiter sind enttäuscht, die Gewerkschaft sieht sich bestätigt.

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Diesen Heiligen Abend werden viele Verkäufer nicht bei der Familie vor dem Tannenbaum verbringen, sondern zwischen Kühlregalen und gestressten Kunden. In der Stadt Zürich plant die Detailhändlerin Coop nach Informationen von 20 Minuten, über zehn Filialen am 24. Dezember bis 20 Uhr und am 31. Dezember bis 21 Uhr geöffnet zu halten. Dazu gehören nicht nur Filialen an Bahnhöfen, sondern auch in Quartieren – etwa in Wiedikon, im Sihlfeld oder an der Langstrasse.

«Für uns ist das ein absolutes No-go», sagt ein betroffener Mitarbeiter. «Uns werden immer mehr Feiertage weggenommen», sagt er. «Jetzt müssen wir uns damit abfinden, vor Weihnachten wie an einem normalen Arbeitstag bis spät abends zu arbeiten.» Früher sei jeweils um 17 oder 18 Uhr Schluss gewesen. «Diejenigen, die das entschieden haben, müssen natürlich nicht arbeiten. Sie sitzen dann mit ihren Familien bei einem guten Abendessen zu Hause.»

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Unia warnt vor «Salamitaktik»

Lange Öffnungszeiten vor und an Feiertagen sind aus den grossen Bahnhöfen und Flughäfen bekannt. Dort gelten kantonale Ladenschlussgesetze nicht. Nun halten sie erstmals auch in Quartierfilialen Einzug. Möglich sind sie, weil der Kanton Zürich ein liberales Ladenschlussgesetz kennt, das keine Vorgaben für die Vortage vor Feiertagen macht. Ähnliche Regelungen kennen etwa die Kantone Aargau oder Basel-Landschaft.

Bei der Gewerkschaft Unia kommen die Pläne schlecht an. «Das Beispiel zeigt die Konsequenz von immer weiteren Liberalisierungen bei den Öffnungszeiten auf», sagt Lorenz Keller, Co-Geschäftsleiter der Unia Zürich-Schaffhausen. Die Detailhändler würden eine «Salamitaktik» anwenden: «Die Öffnungszeiten werden Schritt für Schritt ausgedehnt, soweit es geht. Vor einigen Jahren begannen die Detailhändler, am 2. Januar ihre Läden zu öffnen. Und als letztes Jahr der 24. Dezember auf einen Sonntag fiel, wurden sogar Sonntagsverkäufe durchgeführt.»

«Kunden sind froh darüber»

Die Händler würden sich ein «Wettrüsten» liefern, sagt Keller. «Das geht auf Kosten der Mitarbeiter. Wer am 24. Dezember bis um 20 Uhr arbeiten muss, ist vielleicht um 21 oder 22 Uhr zu Hause. Dann ist es für die Familienfeier zu spät.» Vielleicht gebe es sogar Kunden, die das begrüssten. Nur: «Wenn ich zu diesen Zeiten etwas kaufe, braucht es jemanden, der für mich im Laden steht. Mehr Arbeitsplätze gibt es aber deswegen nicht.»

Coop verteidigt die Pläne. Der «allergrösste Teil» der Filialen schliesse am 24. Dezember um 17 Uhr, sagt Sprecherin Andrea Bergmann. Einige wenige Verkaufsstellen hätten aber regulär geöffnet. Über eine Liste verfüge Coop nicht, weil die Verkaufsregionen darüber entscheiden würden. «Einzelne Verkaufsstellen haben länger geöffnet, weil wir den Kunden die Möglichkeit geben möchten, vor den Festtagen noch letzte Einkäufe zu erledigen», sagt Bergmann. Viele Kunden seien froh darüber. Die Wünsche der Mitarbeiter würden bei der Einsatzplanung «wenn immer möglich» berücksichtigt.

Migros plant keinen Ausbau

Die Migros schliesst ihre Deutschschweizer Filialen am 24. Dezember in der Regel um 16 Uhr, an grossen Bahnhöfen oder am Flughafen später. Am 31. Dezember schliessen die meisten Filialen um 17 oder 18 Uhr, wie Migros-Sprecherin Cristina Maurer sagt. Diese Öffnungszeiten seien seit Jahren im ähnlichen Rahmen, ein Ausbau sei nicht geplant. «Wir prüfen sehr genau, bei welchen Standorten ein Kundenbedürfnis vorhanden ist und wo längere Öffnungszeiten auch wirtschaftlich Sinn machen», sagt sie.

Der gesetzliche Spielraum müsse nicht immer ausgereizt werden. Beim 24. und 31. Dezember handle es sich nicht um Feiertage, sondern um umsatzstarke Werktage, sagt Maurer. Bei der Einsatzplanung werde wo möglich auf die Bedürfnisse etwa von Mitarbeitern mit Kindern Rücksicht genommen. Bei Studenten seien die Feiertage zudem sehr beliebt. Migros achte zudem darauf, dass die Mitarbeiter spätestens eine halbe Stunde nach Ladenschluss nach Hause gehen könnten.

Ähnlich hält es der Discounter Lidl. «Obwohl der 24. Dezember als normaler Werktag gilt, verzichten wir auf den Verkauf in den frühen Abendstunden und schliessen den Mitarbeitenden zuliebe bereits um 16 Uhr», sagt Sprecherin Corina Milz.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf Bachmann am 07.11.2018 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Manager auch

    Hoffe das Management welches den Bloedsin beschlossen hat arbeitet an Heiligabend auch bis 20:00 Uhr.

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  • Kritiker am 07.11.2018 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    diejenigen....

    welche dies von den MA verlangen werden dann gaaaanz gemütlich bereits am 12.00 abdüsen und den Abend mit der Familie geniessen.......

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  • Mr. Natural am 07.11.2018 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Das finde ich

    eine ganz unheilige Idee. Gebt doch den MA frei.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ryhner erik am 12.11.2018 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Weihnachten

    Ich finde das Personal hat auch den früheren Feierabend verdient.Die Grosssbetriebe interessiert ja nur der Umsatz aber das wohl der Mitarbeiter ist ihnen wurscht weniger Personal mehr leisten und trotzdem freundlich sein zu den Kunden das geht einfach nicht mehr.

    • natalie brantschen am 13.11.2018 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      weihnachten

      in spitälern, pflege u altersheim fragt dich such keiner ob es ok ist zu arbeiten. also seit froh um euren job, gibt viele die sehr viel dafür tun würden, hätten sie diese eine chance

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  • Pia am 08.11.2018 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, nehmt uns nur alles weg

    Es wäre vielleicht mal an der Zeit für einen Streik

  • Eines Coopmitarbeiters am 08.11.2018 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ehefrau

    Der kleine Arbeiter muss ausbaden,was Bürohocker austüfteln. Auch Coop Mitarbeiter möchten mit Familie Feiern und den Gottesdienst besuchen. Sagen darf man ja nichts. Sonst droht die Kündigung............

    • Pia am 08.11.2018 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eines Coopmitarbeiters

      Anscheinend sind unsere Schweizer Traditionen eben nicht mehr so wichtig.......

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  • Mike Weber am 08.11.2018 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Kundenbedürfnis

    Wer zu solchen Zeiten noch einkaufen muss ist ganz einfach zu dumm um frühzeitig zu planen und soll vor verschlossenen Läden stehen!

  • Mr. Jister am 08.11.2018 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Detailhandel ist kein Ponyhof

    Als ich in meiner Zeit als Verkäufer einen Schnupperstift hatte gab ich ihm einen sehr wertvollen Tip: Lauf! Lauf!