Unnütze Tipps

11. März 2020 19:20; Akt: 12.03.2020 11:01 Print

Corona-«Tipps» auf Whatsapp sind «Blödsinn»

Auf Whatsapp kursiert eine Nachricht mit Tipps zur Erkennung und Vorbeugung des Coronavirus. Laut Experten bringen sie nichts.

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Diese Whatsapp-Nachricht macht derzeit die Runde. Sie verspricht einfache Möglichkeiten, sich gegen das Coronavirus zu wappnen und herauszufinden, ob man sich angesteckt hat. Laut einem Experten ist an den Tipps aber nichts dran. Bis ein Impfstoff oder Medikamente gegen das Sars-CoV-2 auf den Markt kommen, wird es noch dauern. Um die Lücke zu schliessen, testen Forscher bereits zugelassene Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt wurden. Sie könnten rasch eingesetzt werden. Unter anderem steht der der Wirkstoff Remdesivir auf dem Prüfstand, der eigentlich gegen Ebola entwickelt wurde. Die WHO bezeichnet das Präparat als vielversprechend. Es laufen bereits Studien, die ersten sollen im April 2020 abgeschlossen sein. Ebenfalls ein Hoffnungsträger: der Wirkstoff Camostat, der in Japan gegen chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) zugelassen ist. In Zellexperimenten konnte er verhindern, dass das Coronavirus in die Lungenzellen eindringt. Ob das auch bei Menschen funktioniert, müssen weitere Untersuchungen zeigen. (Im Bild: akute Pankreatitis in der Computertomographie) Mit dem Coronavirus sind viele wenig geläufige Begriffe Teil unseres Alltagsvokabulars geworden. Das steckt dahinter. Um sich vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus zu schützen, setzen viele Menschen auf Masken, wobei man zwischen Hygiene- und Atemschutzmasken unterscheiden muss. Die einfachen (Bild) sind nach zwei bis drei Stunden durchgefeuchtet. Daher müssen sie dann spätestens ausgetauscht werden. Nur so können sie leisten, wofür sie gedacht sind: die Übertragung von Erregern durch Sekrettröpfchen zu verhindern. Schutz für den Träger bieten sie jedoch nicht. Anders . Je nach FFP-Schutzklasse schützen sie vor ungiftigen Stäuben (FFP1), vor giftigen Stäuben (FFP2) oder vor giftigen und gesundheitsschädlichen Stäuben, Rauch und Aerosol (FFP3). Um sich vor dem Virus Sars-Cov-2 zu schützen, wird zu FFP3 geraten. Momentan sind die Masken fast überall ausverkauft. Bei Sars-Cov-2 (Bild) handelt es sich um ein Virus, nicht um ein Bakterium. Der Unterschied? Während Bakterien Einzeller mit eigenem Stoffwechsel sind, die sich selbst reproduzieren können, bestehen Viren nur aus einer Eiweisshülle, in der sie ihre Erbsubstanz aufbewahren. Um sich zu vermehren, sind sie auf einen Wirt (Zellen) angewiesen. Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der Behandlung: Gegen Bakterien verwendet man Antibiotika, die die Zellwand zerstören oder die Vermehrung hemmen. Gegen Viren werden spezielle Medikamente, sogenannte Virostatika eingesetzt, die das Eindringen des Virus in einen Wirt verhindern oder das Erbgut des Virus zerstören. (Im Bild: Sars-Cov-2-Partikel) Ersteres beschreibt den Moment der Ansteckung, in dem der Erreger in den Organismus eindringt und diesen im Folgenden stört. Das verrät auch der lateinische Ursprung. Das Wort «infectio» bedeutet so viel wie Beeinflussung und Verunreinigung. Die Inkubation (von lateinisch «incubatio») beschreibt dagegen die Zeit, die zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome vergeht. Während dieser vermehren sich die Keime und die Erkrankung etabliert sich im Körper. Bei Covid-19 geht man von einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen aus. In seltenen Fällen kann sie aber auch bis zu 24 Tage dauern. Der lateinische Ursprung ist auch die Erklärung dafür, warum es beispielsweise infizieren heisst und nicht infiszieren, wie häufig zu hören ist. Auch heisst es Desinfektion und nicht Desinfikation. Bei Ersterem handelt es sich um ein Anzeichen einer Krankheit. Das heisst um eine für eine bestimmte Krankheit charakteristische Erscheinung. Der Ausdruck stammt vom Griechischen «sýmptma», was so viel wie «vorübergehende Eigentümlichkeit» bedeutet. Auch der Begriff «Syndrom» stammt aus dem Griechischen. Konkret vom Ausdruck «syndrom», der so viel wie «zusammenlaufen» bedeutet. Und tatsächlich beschreibt ein Syndrom exakt das: ein Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammenkommen von verschiedenen Symptomen ergibt. Ersteres beschreibt eine zeitlich und örtlich in besonders starkem Masse auftretende und ansteckende Erkrankung. Darunter fällt etwa Bei einer Pandemie handelt es sich dagegen um eine Epidemie besonders grossen Ausmasses, die ganze Landstriche und Länder erfasst. Ihre Bezeichnung stammt aus dem Griechischen von «pan» für «alle, jeder» und «demos» für «Volk». (Im Bild: Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 grassierte) Heisst es nun ? Erlaubt ist beides: Ein Virus kann sowohl neutrum als maskulin sein. Allerdings empfiehlt der Duden den sächlichen Artikel. Der Ausdruck Virus stammt aus dem Lateinischen, wo «virus» so viel wie «natürliche zähe Feuchtigkeit, Schleim, Saft» heisst. Beim kommt es auf die Kombination von Einseifen, Reiben, Abspülen und Trocknen an, sonst bringt es nichts. Das heisst: Die Hände nass machen, dann einseifen. Am besten mit Flüssigseife. Die Hände reiben, bis es schäumt. Dabei Handrücken, Fingerzwischenräume, Fingernägel und die Handgelenke nicht vergessen. Anschliessend gut abtrocknen. Es heisst und nicht Karantäne, wie manch einer schreibt. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort «quarantaine» ab, was eine Zeitspanne von 40 Tagen bezeichnet. So lange dauerte früher die Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen.

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«Atmen Sie tief ein und halten Sie den Atem für mehr als 10 Sekunden an. Wenn Sie die Untersuchung ohne Husten, ohne Beschwerden, ohne Prallheit oder Engegefühl erfolgreich durchführen, beweist dies, dass keine Fibrose in den Lungen vorliegt, was im Grunde genommen auf keine Infektion hinweist.» Das steht in einer Whatsapp-Nachricht, die derzeit die Runde macht. Mit diesem einfachen Test sollen Menschen herausfinden können, ob sie am Virus erkrankt sind.

Die Gefahr einer Ansteckung minimieren kann man laut derselben Nachricht, indem man regelmässig Wasser trinkt: «Nehmen Sie mindestens alle 15 Minuten ein paar Schlucke Wasser. Selbst wenn das Virus in Ihren Mund gelangt – das Trinken von Wasser oder anderen Flüssigkeiten spült es durch Ihre Speiseröhre in den Magen. Dort angekommen, tötet die Magensäure das Virus ab», heisst es.

«Beide Tipps sind unbrauchbar»

Was verlockend klingt, ist tatsächlich wohl nichts als Humbug: «Beide Tipps sind nicht brauchbar», sagt Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Aarau: Zehn Sekunden die Luft anhalten zu können, zeige zwar immerhin, dass man eine gewisse Atemreserve habe. «Die Sauerstoffaufnahme durch das Luftholen war somit vermutlich gut.» Bloss: «Eine Diagnose lässt sich so nicht stellen.»

Auch das viele Wassertrinken helfe leider kaum etwas: «Viren werden vor allem über den Nasen- und Rachenraum aufgenommen. Damit ist eine Mundspülung wenig hilfreich», so der Experte.

Kurz und bündig fassen es die Infektiologen des Kantonsspitals Baden zusammen: «Das ist beides Blödsinn», lässt Sprecher Omar Gisler ausrichten. Daniel Dauwalder, Mediensprecher des Bundesamts für Gesundheit, sagt dazu: «Im Netz kursieren bekanntlich die kühnsten Theorien. Es ist nicht an uns, einzelne zu beurteilen.»


Bei Whatsapp heisst es, man sei bestrebt, virale Nachrichten zu bekämpfen. So habe man eine Reihe von Produktänderungen vorgenommen. Beispielsweise könne eine Nachricht nur noch an fünf Chats auf einmal weiterleiten. Das Unternehmen habe zudem Bildungsprogramme in Kooperation mit Regierungen und der Zivilgesellschaft rund um den Globus unterstützt. «Wir ermutigen alle Nutzer, die Fakten zu checken, bevor sie Nachrichten teilen, die ihnen weitergeleitet worden sind.»

(dgr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • @realist am 11.03.2020 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man kann ja alles glauben

    ja und wenn man 3mal furzt dann ist man coronafrei weil es dann anderswo rausgeht....

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  • aussteiger mit 55 am 11.03.2020 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    www

    stellt euch vor es gäbe kein internet und co. ganzes wäre halb so schlimm, schlimmste verbreitung sind medien weltweit die drama machen , wäre es nicht das wäre es klimawandel,

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  • Heinz am 11.03.2020 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer' glaubt...

    Whatsapp gehört zu Facebook. Ergo ist der Nutzen begrenzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toga am 12.03.2020 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Autsch - Die Nachrichten überschlagen...

    sich grad Weltweit. Bleibt bloss zu Hause mit Eurem Whatsapp. Geht PC-Gamen oder basteln...

  • Saukomisch am 12.03.2020 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Chinesische

    Gegenmassnahme für Trumps Importbesteuerungen? Wurde ja so angesagt. Nicht annähernd so schlimm wie Influenza, die Mediengranate schlägt aber heftig in den Märkten auf. Verblödeter, dekadenter Westen!

  • Faule Sau am 12.03.2020 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es wirklich

    Es soll wirklich Chefs geben, die glauben das beim Homeoffice zuhause gearbeitet wird. Der Knaller.

    • Toga am 12.03.2020 22:36 Report Diesen Beitrag melden

      Das geht sogar super.

      Ich unterhalte 22 Server von zu Hause aus. Allerdings arbeitet man unbewusst viel länger. Das ist ein bisschen ein Nachteil :(

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  • PROLLTRASH am 12.03.2020 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    probierts aus

    andere frage. wer informiert sich generell über whattsapp? es gibt tausende informationskanäle die auf fundiertem wissen beruhen. ich habe nämlich eine esotherikgruppe gegründet und es läuft ziemlich gut. bis jetzt glaubten mir fast alle irgendeinen schwachsinn. in den ersten wochen gab es natürlich aussteiger. aber man merkt dass am schluss nur noch die ganz naiven da sind. ich denke da geht noch was. mal schauen wie weit ich gehen kann.

  • Aldo Jöri am 12.03.2020 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Leichtgläubigkeit

    Ist ja klar, gibt es noch normale Menschen die Tipps auf Whats App ernst nehmen?

    • PROLLTRASH am 12.03.2020 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aldo Jöri

      es gibt viele mensche die das als ernsthafte quelle ansehen. meine gegründete esotherikgruppe läuft super. das beste ist, wenn am schluss nur noch die naiven drin sind. ich werde noch eine 2. starten. habt ihr noch gute themen? ich poste die witzigsten sachen dann auf reddit. und versuche das ganze ins absolute absurde zu treiben. macht aber auch etwas angst wenn man bedenkt dass sich solche leute in der öffentlichkeit bewegen.

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