BAG rät davon ab

29. Februar 2020 07:15; Akt: 29.02.2020 10:27 Print

Menschen stürmen wegen Virus die Notaufnahmen

Wegen vermeintlichen Coronavirus-Symptomen suchen derzeit viele die Notaufnahme auf. Der Bund rät davon ab: Immer zuerst telefonisch einen Arzt kontaktieren.

In Bern werden vermeintliche Coronavirus-Fälle draussen inspiziert. (Video: miw)
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Das Coronavirus verbreitet sich in der Schweiz. Die Zahl der bestätigten Fälle steigt laufend, zuletzt lag sie bei 15. Dies veranlasste den Bundesrat dazu, die «besondere Lage» laut Epidemiengesetz auszurufen und Grossveranstaltungen ab 1000 Personen abzusagen.

Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist gross. So verzeichnen Notfallzentren verschiedener Spitäler erhöhten Zulauf. «Viele Menschen kommen mit Ängsten zu uns. Wir haben das Personal aufgestockt», sagte Adrian Grob, Sprecher der Berner Insel Gruppe an einer Medienkonferenz. Man müsse keine Angst haben. «Dennoch beraten und untersuchen wir jede einzelne Person.» Das Inselspital Bern hat gar draussen vor der Notfallstation einen Untersuchungspfad errichtet, um Behandlungen priorisieren zu können.

Beim Universitätsspital Zürich heisst es auf Anfrage, es kämen in den letzten Tagen wieder mehr Personen in den Notfall, die sich auf das Coronavirus testen lassen wollten. «Das führt im Notfall zu sehr viel Aufwand und bindet Ressourcen.»

«Deutlich mehr Personen im Notfall»

Auch im Kanton Graubünden, wo es derzeit zwei bestätigte Coronavirus-Fälle gibt, stellt das Kantonsspital mehr Betrieb in der Notaufnahme fest. «Wir haben durch das Coronavirus deutlich mehr Anrufe und auch Personen, die beim Notfall vorbeikommen», sagt Dajan Roman, Leiter Kommunikation beim Bündner Kantonsspital. Da habe es auch Personen darunter, die sich Sorgen machten, dass sie sich eventuell angesteckt haben könnten.

«Das Spital hat eine interne Taskforce, die sich täglich trifft und dann schaut, welche Massnahmen getroffen werden müssen.» Etwa gebe es jetzt im Notfall eine separierte Zone, wo man einen Abstrich für den Test machen könne. Und natürlich werde auch das Personal aufgestockt, Schichten erweitert und angepasst, sodass mehr Leute zur Verfügung stünden.

Hygienemasken und Schutzbrille

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat auf seiner Homepage detaillierte Empfehlungen für den Umgang mit Verdachtsfällen für Arztpraxen und Spitäler aufgelistet. Personen, die Symptome aufweisen, rät der Bund, sich dringend zuerst telefonisch an einen Arzt zu wenden und nicht in eine Notaufnahme zu gehen.

Tauchten trotzdem Verdachtsfälle in Arztpraxen auf, empfiehlt das BAG, den Personen eine Hygienemaske anzuziehen und sie zu isolieren. Das Personal solle dabei eine FFP-2-Maske sowie eine Schutzbrille tragen. Danach könne das weitere Vorgehen mit dem Kantonsarzt festgelegt werden. Anschliessend müsse der Raum vollständig desinfiziert werden.

Neben den Notaufnahmen ist auch der Andrang auf die Hotline des Bundesamts für Gesundheit gross. «Wartezeiten von fünf bis zehn Minuten oder teilweise auch etwas länger sind leider momentan nicht ausgeschlossen», heisst es bei der Betreiberfirma Medgate. Man sei mit gezielten Massnahmen daran, die Wartezeit weiter zu verringern.

Hotline überlastet

Die Firma Eedoctors wittert deshalb ihre Chance und bietet einen «kostenlosen Ärztechat oder die Möglichkeit einer Videokonsultation mit Schweizer Ärzten» an. «Wir sind in der Lage, eine qualifizierte Beratung und Unterstützung in der ‹Führung› der betroffenen und besorgten Bürgerinnen zu leisten», so eine Sprecherin. Natürlich könne man auch die entsprechende klinische Beurteilung vornehmen und eine Behandlungen einleiten sowie Behandlungs- und Verhaltensempfehlungen aussprechen.

Wie beurteilt der Hotline-Betreiber des Bundes solche Konkurrenzangebote? «Wir haben den offiziellen Auftrag vom Bundesamt für Gesundheit für den Betrieb der Corona-Hotline, stehen in permanentem Kontakt mit dem BAG und haben entsprechend die aktuellsten Informationen aus erster Hand», betont Medgate. Wichtig in solchen Situationen sei, dass die Kommunikation an die Bevölkerung aktuell, einheitlich und korrekt sei. «Dieses Vorgehen hat sich in den letzten 15 Jahren bei anderen ähnlichen Situationen in dieser Konstellation sehr bewährt.»

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(pam/dk)