Bortoluzzis Ein- und Ausfälle

17. April 2015 16:13; Akt: 17.04.2015 16:13 Print

Da wurde es selbst dem «Hirnlappen» zu viel

Toni Bortoluzzi kandidiert nicht mehr für den Nationalrat. Dank bissiger Sprüche wird der SVPler trotzdem nicht in Vergessenheit geraten.

Bildstrecke im Grossformat »
In einem Interview bezeichnete Bortoluzzi Homosexuelle als In einem Brief an die Schwulenorganisation Pink Cross doppelte er wenig später nach. Ihn hätten Zuschriften erreicht, «die mich zur Annahme verleiten, meine gemachte Aussage im Zusammenhang mit Familienrecht über den verkehrten Hirnlappen sei nicht zur zutreffend, sondern eher zu zurückhaltend ausgefallen». Wenig später kritisierte Bortoluzzi dann auch die Eurovision-Gewinnerin von 2014. «Conchita Wurst ist ein Teil der hochgejubelten , so Bortoluzzi. Nicht nur Homosexuelle, auch Frauen und Akademiker blieben nicht verschont. 2014 gab der gelernte Schreiner bekannt, dass er nicht vorzeitig zurücktreten werde, da mit der 37-jährigen Barbara Steinemann (Bild) eine junge Frau und Juristin nachfolgen würde. Beides sei ein Problem. 2012 geriet Bortoluzzi mit Parteikollege Christoph Mörgeli in einen Disput, als dessen Leistung als Konservator das Medizinhistorischen Museums der Uni Zürich hinterfragt wurden. Bortoluzzi forderte Mörgelis Rücktritt - dieser brauche nun . Bortoluzzi war schon länger sauer auf den SVP-Kollegen. 2001 stand Bortoluzzi vor Gericht, weil er einem serbischen Kollegen sein Sackmesser lieh, damit dieser am Autos von Tierschützer Erwin Kessler (Bild) einen Pneu aufschlitzen konnte. Kessler hatte Bortoluzzi zuvor mit einen «Tierquälerei»-Kleber verärgerte. Auf die Frage, warum er nicht selber zugestochen habe, sagte Bortoluzzi gegenüber der «Weltwoche»: Als Bortoluzzis Name in einem Gedicht von Oskar Freysinger (SVP) auftauchte, war ihm nicht mehr zum Lachen zumute. Auf Freysingers Zeile «Dornwittchens klitzekleines Fuzzi ist wohl zu eng für Bortoluzzi», antwortete dieser in einem Interview des «Tagesanzeigers»:

Zum Thema
Fehler gesehen?

Direkt, unverblümt und oft grenzwertig: SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi hat in seiner langjährigen Politkarriere mit seinen Sprüchen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. «Ich bin einer, der halt Klartext redet», sagt der 68-Jährige in einem Artikel des «Affoltemer-Anzeiger», in dem er heute Freitag seinen Rücktritt bekannt gab.

Das jüngste Beispiel aus Bortoluzzis Sprüchesammlung stammt aus einem Interview im «Beobachter» von 2014, in welchem er Homosexuelle als «Fehlgeleitete» bezeichnete. Schwule und Lesben hätten einen «Hirnlappen, der verkehrt läuft». Kritik übte Bortoluzzi im gleichen Zug auch an Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Sie hatte ein Grundlagenpapier zur Familienrechts-Reform von der Basler Rechtsprofessorin Ingeborg Schwenzer verfassen lassen. Diese sei «an sich eine gescheite Frau, neige aber zu unnatürlichem Verhalten. Man kann ja nicht jemanden, der abnormal ist, etwas Normales schreiben lassen.»

Auch wenn es damals von allen Seiten Kritik hagelte, hatte der SVP-Mann längst nicht genug. In einem Brief an die Schwulenorganisation Pink Cross schrieb er, ihn hätten Zuschriften erreicht, «die mich zur Annahme verleiten, meine gemachte Aussage im Zusammenhang mit Familienrecht über den verkehrten Hirnlappen sei nicht zur zutreffend, sondern eher zu zurückhaltend ausgefallen». Wenig später kritisierte Bortoluzzi die Eurovision-Gewinnerin. «Conchita Wurst ist ein Teil der hochgejubelten gesellschaftlichen Fehlentwicklung, die ich anprangere.»

Gegen Akademiker und Frauen

Nicht nur Homosexuelle, auch Frauen und Akademiker blieben von den Angriffen nicht verschont. 2014 gab der gelernte Schreiner bekannt, dass er nicht vorzeitig zurücktreten werde, da mit der 37-jährigen Barbara Steinemann eine junge Frau und Juristin nachfolgen würde. Beides sei ein Problem. «Sie ist keine ideale Vertreterin der Frauen.» Vor allem parteiintern sorgten seine Äusserungen für viel Unmut.

Doch auch Konflikte in den eigenen Reihen scheute Bortoluzzi nicht. 2012 geriet er mit Christoph Mörgeli in einen Disput, als dessen Leistung als Konservator des Medizinhistorischen Museums der Uni Zürich hinterfragt wurde. Bortoluzzi forderte Mörgelis Rücktritt – dieser brauche nun Zeit, um die Knochen im Museum abzustauben. Und er bezeichnete Mörgeli als «Despoten», weil dieser aus seiner Sicht zum Scheitern der Ärzte-Vorlage «Managed-Care» beigetragen hatte. «Ich bin ein Elefant, ich bin nachtragend, man hat mich verletzt», gestand Bortoluzzi.

«Fehlgeleiteter, intellektueller Trottel»

Das SVP-Schwergewicht fiel mit seiner saloppen Rhetorik jedoch nicht nur in Bundesbern auf. 2001 stand Bortoluzzi vor Gericht, weil er einem serbischen Kollegen sein Sackmesser lieh, damit dieser am Auto von Tierschützer Erwin Kessler einen Pneu aufschlitzen konnte. Kessler hatte Bortoluzzi zuvor mit einem «Tierquälerei»-Kleber verärgert. Auf die Frage, warum er nicht selber zugestochen habe, sagte Bortoluzzi gegenüber der «Weltwoche»: «Der Jugo, der kann besser zustechen.»

Wer austeilen kann, sollte auch einstecken können, sollte man meinen. Zumindest in einem Fall traf dies bei Bortoluzzi nicht zu. Als sein Name in einem Gedicht von Oskar Freysinger (SVP) auftauchte, war ihm nicht mehr zum Lachen zumute. Auf Freysingers Zeile «Dornwittchens klitzekleines Fuzzi ist wohl zu eng für Bortoluzzi» antwortete dieser in einem Interview des «Tages-Anzeigers»: «Freysinger ist doch ein fehlgeleiteter intellektueller Trottel.»

(sma)