Ausländer-Rekord

10. Januar 2014 08:53; Akt: 10.01.2014 09:25 Print

Dank Mundart-Kurs «richtig dazugehören»

von Deborah Onnis - Noch nie wollten so viele Schweizerdeutsch lernen wie im letzten Jahr. Und es sind nicht mehr nur Deutsche. Ein Grund für den Boom ist die hohe Zuwanderung.

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Von der richtigen Aussprache von «Grüezi» bis zu «I hätt gärn zwöi Weggli»: Die Zahl der Ausländer und fremdsprachigen Schweizer, die Mundart lernen wollen, steigt. 896 Personen lernten letztes Jahr in der Deutschschweiz in der Migros Klubschule einen Dialekt. Das ist Rekord, wie Mediensprecherin Ariane Lang sagt. Auch im Kurs von Alfred Egli in Zürich haben sich letztes Jahr mehr Personen angemeldet als je zuvor.

Grund für die allgemeine steigende Nachfrage ist laut Fiammetta Jahreiss, Vize-Präsidentin vom Forum für die Integration von Migranten und Migrantinnen (Fimm), die starke Einwanderung von qualifizierten Ausländern, die häufig bereits über Deutschkenntnisse verfügen. Laut den jüngsten Zahlen sind letztes Jahr rund 80'000 Personen mehr in die Schweiz ein- als ausgewandert. Zudem zeigen die Daten des Staatssekretariats für Wirtschaft, dass gerade Einwanderer aus EU-Staaten häufig besser ausgebildet sind als der Durchschnitt der Arbeitnehmer in der Schweiz.

Durch die Schweizerdeutsch-Kurse erhoffen sich laut Sprachlehrer Alfred Egli viele der Teilnehmer, besser integriert zu werden: «Sie haben das Bedürfnis, einfach richtig dazuzugehören.» Nora Sommer von der Migros Klubschule der Genossenschaft Aargau, Bern und Solothurn ergänzt: «Die meisten wollen für die Kommunikation mit den Einheimischen sprachliche Sicherheit gewinnen.»

Schweizerdeutsch ein Muss?

Nahmen lange vor allem Deutsche an den Kursen teil, sind mittlerweile fast alle Nationalitäten vertreten. «Heute sind die Teilnehmergruppen sehr heterogen», beobachtet Sommer. Bei allen ist die grösste Hürde der «Mission Schwiizerdütsch» die Aussprache. «Jede Nationalität kämpft da mit anderen Problemen», sagt Egli. Während Chinesen sich richtig ins Zeug legen müssen, um das «R» «lichtig» auszusprechen, tun sich die Deutschen vor allem mit dem Umlaut «Ä» schwer. Englischsprechende kommen hingegen wegen des «U» nur schwer zur «Rühe».

Ist das Beherrschen des Schweizerdeutschen wirklich ein Muss für eine erfolgreiche Integration? «Nein, notwendig ist es auf keinen Fall», sagt Integrationsexpertin Jahreiss. Sie wisse allerdings aus eigener Erfahrung, dass viele Schweizer nicht begeistert sind, wenn sie hochdeutsch sprechen müssen, weil ihr Gegenüber keine Mundart versteht. Ob dieser auf Schweizer- oder Hochdeutsch antworte, spiele indes weniger eine Rolle.

Hier können Sie testen, ob sie den Dialekt ihrer Region richtig sprechen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lasse v. D. am 10.01.2014 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Mundart als Hochdeutsch

    Mich nervt's, wenn ein Schweizer mit holprigem Hochdeutsch anfängt, weil er meint, er wird nicht verstanden. Hey Schweizer, bleibt bei Eurer Mundart, wer sie nicht versteht, soll wieder nach Hause fahren!

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  • Solothurn am 10.01.2014 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Der Willen zählt

    Alle sprechen immer von Integration und dann wird schon wieder gelästert, wenn man sich integrieren will. Ich finde es toll, wenn man sich nun an die Schweiz anpassen will. Auch wenn es sich zum Teil etwas "komisch" anhört. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man es auch im Ausland sehr schätzt, wenn wir versuchen in der entsprechenden Sprache zu sprechen - wenn's auch nicht perfekt ist. Aber es zeigt Respekt und Willen.

  • Vujo am 10.01.2014 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Finde ich super. Ob es jetzt gut klingt oder nicht spielt ja keine Rolle! Wichtig ist, die Menschen wollen sich intergrieren und anpassen. So soll es sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Morgan Schwab am 12.01.2014 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizerdeutsch bitte dort im privaten

    mich nervt es.. Was ist mit Gehörlosen ? Sollen die dann wieder mühsam dieses Genuschel zu verstehen versuchen ? Schweizerdeutsch kann gern privat gesprochen werden, wenns nicht gerade öffentlich ist, oder man gehörlose Freunde zu Besuch hat. Oder eben beim Einkaufen.. das nervige Schweizerdeutschgenuschel ist schwer von den Lippen abzulesen, und noch schwerer zu verstehen, weil es eben kaum ablesbare Laute hat. Ich bin für Schweizerdeutsch, aber da, wo es auch hingehört : im privaten, nicht im öffentlichen.

  • Marion am 10.01.2014 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehen unbedingt aber sprechen?

    Wir leben jetzt seit knapp 2.5 Jahren in der Schweiz und mittlerweile verstehen wir den St. Galler Dialekt gut aber sprechen wäre mir irgendwie Peinlich, hört sich doch Furchtbar an wenn ein Deutscher versucht Schweizerdeutsch zu sprechen. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, die Schweizer denen wir begenet sind freuen sich wenn man sie versteht aber keiner von unseren Freunden/Bekannten hat von uns erwartet das wir Schweizerdeutsch sprechen.

  • Pizzajola am 10.01.2014 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Schwieriges Unterfangen

    Ein schwieriger Unterfangen. Welche Mundart soll nun gelernt werden? Da gibt es nicht nur kantonale sondern auch regionale Unterschiede. Beispiel: Heiden und Rorschach liegen wenige Km auseinander. In Heiden sprechen sie ein Appenzellerdialekt, in Rorscha einen St. Galler. Ich behaupte, die wenigsten Schweizer verstehen alle Varianten dieser Mundart - oder kann mir jemand sagen was: "Gommer is Field uusi go Gruämpäre graabe" heisst? Es isrt ein St. Galler Dialekt - aus dem Rheintal. Besser ist, das Hochdeutsch perfekt zu lernen!

  • Kariny am 10.01.2014 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe das problem nicht

    Ich habe 23 jahre in ö gelebt. Da redet man auch dialekt. Als ich zu meinem mann zügelte, dauerte es genau 3 tage und ich verstand das schweizerdeutsch. Die phonotypie ist etwas anderes. Nach 2 wochen chattete ich bereits in bääärndüütsch nur mit dem sprechen haperts. Ich meinte ich kann gut schweizerdeutsch, aber ich kann kein rollendes R. Lass ich jemanden raten, gibt man mir immer st. Gallen an. Also trotz meines schönen bääärndüütach hört man die ösi laute noch raus. Wieso kurs? Sprache lernt man, wenn man sie spricht bzw. Es versucht. Ich frag heute noch manchmal: und wie sagen wir dazu?

  • Roman A. am 10.01.2014 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Mit gelerntem Dialekt integriert?

    Es gibt zig verschiedene Mundarten - welche sollte gelernt werden? Hochdeutsch versteht jeder - aber z.B. Berner Oberland- Dialekt? Ich lehre z. Zt. verschiedenen Ausländern (Eritrea, Somalia, Afganistan, Bosnien, Venezuela) Hochdeutsch und diese Leute wären sicher mit einem zusätzlichen Dialekt überfordert. In diesem Zusammenhang habe ich übrigens festgestellt, dass man auch mit zusätzlich gelerntem Dialekt nach wie vor auffällt (man merkt es halt doch). Was also soll es bringen? Es gibt Wichtigeres um sich zu integrieren (z.B. die Anerkennung unserer Gesetzte und unserer Kultur.....).